Die Rücklagen sind aufgebraucht, jetzt steigen die Gebühren. Über viele Jahre hatte die Abfallwirtschaft so geschickt gewirtschaftet, dass der Bevölkerung 2007 sogar Geld zurückgegeben werden konnte, lobte Landrat Hermann Ulm (CSU) im Kreisausschuss am Donnerstag. Zuletzt waren die Müllgebühren auf dem Stand von 1997. Dafür gab es auch von Franz Josef Kraus (CSU) ein "Riesen-Kompliment für das Wirtschaften auf der Deponie".


Rücklagen sind erschöpft

Wie Heinrich Kögel (Sachgebietsleiter Abfallwirtschafts-Management) erläuterte, gab es aber heuer erstmals ein "negatives Ergebnis". Das konnte zwar durch die Rücklagen ausgeglichen werden; doch im kommenden Jahr würden die Rücklagen nicht mehr reichen, um die Negativ-Bilanz zu neutralisieren.
Um also eine Unterdeckung in der Abfallwirtschaft zu vermeiden, müssen die Bürger künftig etwas mehr für die Entsorgung ihres Mülls zahlen. Im Schnitt steigen die Gebühren um 20 Prozent.


"Lenkungspreis"

Wobei es bei den einzelnen Müll-Sorten sehr unterschiedliche Preisentwicklungen gibt. Beim Biomüll (120 Liter-Tonne für 44 Euro pro Jahr) und beim Restabfall (30 Euro) zum Beispiel ändert sich gar nichts. Beim "Klassiker", der 80-Liter-Behälter (er wird in Vier-Personen-Haushalten genutzt) , steigt der Preis von 108 auf 134 Euro.
Auf den ersten Blick erschreckend ist die Preissteigerung beim Problemmüll: Die Tonne lag bislang bei 245 Euro und wird künftig für den Preis von 1500 Euro entsorgt.
Doch Deponieleiter Gerhard Raab gab Entwarnung: Für Haushalte, die Medikamente oder chemische Abfälle loswerden wollen, bleibe das weiterhin kostenfrei. Und auf den Kilopreis heruntergerechnet sei die Entsorgung des Problemabfalls ja gar nicht so teuer.
Die hohe Tonnen-Gebühr sei ein "Lenkungspreis". Gelenkt werden sollen beispielsweise Apotheker, die andere Entsorgungswege zur Verfügung hätten. Für sie berge die Sondermüll-Gebühr ein gewisses Abschreckungspotenzial, sagte Deponieleiter Gerhard Raab.

"Nachvollziehbar" sei die Gebührenerhöhung, sagte Manfred Hümmer (FW). Seine Frage, ob die neue Kalkulation künftig für eine ausgeglichene Gebühren-Bilanz in der Abfallwirtschaft sorgen werde, konnte Kämmerin Carmen Stumpf nicht vorhersagen: Die Erhöhung sei so berechnet, dass sie kostendecken sein soll, aber man müsse die "Entwicklung in der Abfallwirtschaft abwarten", ob die Rechnung aufgehe.
Als sinnvoll schätzte auch Wolfgang Fees (SPD) die Gebührenerhöhung ein; gab jedoch einen negative Nebeneffekt zu bedenken. Weil die asbesthaltigen Abfälle pro Tonne von 80 auf 132 Euro steigen, seien nun viele Hausbesitzer dabei, ihre Dächer abzudecken, um noch die Zeit vor der Gebührenerhöhung zu nutzen. Alleine in seinem Heimatort Langensendelbach kenne er drei Bauern, die jetzt ihre Asbest-Ziegel loswerden wollen. "Die Dächer hätten vielleicht noch 30 Jahre gehalten", meinte Fees.

Während der SPD-Rat diese Verschwendung bedauerte, sah Konrad Rosenzweig (CSU) in den steigenden Kosten eher einen "Anreiz, das Asbest von den Dächern runter zu kriegen".
Als "Bestrafung" empfand Rosenzweig dagegen den Preis für das Dämmmaterial. Bisher war es nicht gelistet, jetzt sind pro Tonne 308 Euro fällig. "Wer sein Haus isoliert hat, wird durch die Gebühren bestraft", kritisierte Rosenzweig.

Über die Gleichbehandlung bei der Entsorgung von Grüngut machte sich Hans-Jürgen Dittmann (CSU) Gedanken. Bislang konnte, wer keinen Wertstoffhof vor der Haustür hat, bis zu 150 Kilogramm kostenlos auf der Deponie Gosberg entsorgen. Doch wie Deponieleiter Raab er zählte, sei diese Regelung missbraucht worden: "Manche kamen drei bis vier mal am Tag mit 150 Kilogramm an."
Künftig wird eine 150-Kilogramm-Fuhre fünf Euro kosten. Vermutlich wird das eine entlastende Wirkung auf die Deponie haben. Zuletzt, erzählte Sachgebietsleiter Kögel, mussten sogar Lotsen beschäftigt werden, um am Wochenende den Verkehr der vielen Klein-Anlieferer zu regeln.