Wenn Ecaterina Valuta mittags über den Forchheimer Weihnachtsmarkt schlendert, fühlt sie sich richtig wohl. "Ich war vor einigen Tagen in Nürnberg auf dem Weihnachtsmarkt. Der war mir zu groß und zu voll", erklärt die 21-Jährige in flüssigem Deutsch. Ecaterina ist zum dritten Mal in Deutschland - bislang war sie nur in Berlin und Umgebung. "Bisher gefällt mir Forchheim sehr gut, ich laufe jeden Tag durch die Altstadt. Die Leute sind sehr freundlich", sagt sie. "Ich mag es eher gemütlich. Ich war in Großstädten wie Berlin oder New York, zum Leben wäre das nichts für mich." Seit Anfang November macht die Studentin aus der Republik Moldau für acht Wochen ein Praktikum bei der Forchheimer Tourist-Information.

Ecaterina erhielt ein Stipendium für das Praktikanten-Programm. Organisiert wird dieses vom Verein Dekabristen, der sich für die Förderung der Demokratie und Menschenrechte in Osteuropa einsetzt. Das Auswärtige Amt unterstützt die Aktion finanziell. Der Großteil der Praktikanten, die aus der Ukraine und der Republik Moldau kommen, ist bei Unternehmen und Behörden in Nürnberg und Bamberg im Einsatz.
Die Forchheimer Tourist-Info nimmt zum zweiten Mal am Projekt teil. "Wir haben im letzten Jahr mit unserer ukrainischen Praktikantin sehr gute Erfahrungen gemacht", erklärt Nico Cieslar, Leiter der Tourist-Information. "Ich denke, die Praktikanten nehmen bei uns viel mit und wir haben während der stressigen Adventszeit eine sehr engagierte Unterstützung."

Eingesetzt wird die 21-Jährige unter anderem beim Auswerten der Besucher-Jahresstatistik, beim Losverkauf und an der Anmeldung der Tourist-Information. "Als sie das erste Mal dort saß, hat gleich ein Tourist angerufen, der nur Russisch konnte. Das war natürlich eine schöne Sache", sagt Nico Cieslar.


Deutschkenntnisse verfeinern

Neben Russisch beherrscht Ecaterina noch Rumänisch, Englisch, Deutsch und Französisch. In Chisinau, der Hauptstadt ihres Heimatlandes, machte sie ihren Bachelor Deutsch als Fremdsprache. Ursprünglich wollte sie als Übersetzerin tätig werden. Mittlerweile hat sie sich für eine etwas andere Richtung entschieden und absolviert in Chisinau einen Master in Personalmanagement. "Ich möchte gerne bei einem internationalen Unternehmen in Deutschland arbeiten", erklärt sie. "Personalmanagement ist sehr vielseitig, das ist nicht nur Mathe und BWL, sondern auch die Kommunikation ist sehr wichtig." Mit dem zweimonatigen Praktikum möchte sie ihre Deutschkenntnisse weiter ausbauen.

Ecaterina wohnt bei einer Gastfamilie in Fürth. Mit Bus und Zug pendelt sie jeden Tag zur Arbeit in die Königsstadt. Wenn sie nach Hause kommt, bereitet sie sich selbst landestypische Spezialitäten aus ihrer Heimat zu. Und wie schmeckt ihr die deutsche Küche? "Mein Gastvater hat Gulasch gemacht, das war sehr gut...ach das ist gar nicht typisch Deutsch? Gut, Schnitzel ist auch ganz in Ordnung", sagt sie mit einem Lächeln.

Mit ihrer Gastfamilie wird sie auch Heiligabend verbringen. Traurig, dass sie an diesem Tag nicht zuhause sein kann, ist die 21-Jährige nicht. Denn in ihrer Heimat wird das orthodoxe Weihnachten erst am 7. Januar gefeiert. "Zweimal Weihnachten zu feiern ist schon etwas Schönes", sagt sie. Weniger schön wird für die Studentin, dass sie im Januar sechs Uni-Klausuren ohne große Vorbereitung schreiben muss. "Aber ich bereue das Praktikum deswegen nicht, da ich in Zukunft unbedingt etwas in Deutsch machen möchte und die Erfahrungen hier sehr wichtig für mich sind."