Wenn Freude verjüngt, dann wird dem sozialdemokratische Urgestein Rainer Herrnleben eine ungeahnte Vitalkur zuteil. Glücksgefühle im Doppelpack darf der 75-Jährige jetzt erleben: er bekommt den Goldenen Ehrenring der Stadt Forchheim verliehen - und gleichzeitig gewinnt mit Uwe Kirschstein erstmals nach rund 70 Jahren unangefochtener CSU-Regentschaft ein SPD-Kandidat die Oberbürgermeisterwahl.

Ersteres empfindet Rainer Herrnleben als eine "sehr große Ehre" und letzteres als "eine Sensation". "Dass ich das noch erleben durfte", habe sein Parteigenosse Albert Dorn angesichts des Wahlsieges gesagt. Auf die Frage, ob er mit so etwas gerechnet habe, gesteht Herrnleben: "Ich hab' es mit gewünscht" - aber, dass der Wahlsieg so deutlich gewesen sei, das habe er nicht erwartet. "Ich hatte mit einem engeren Ergebnis gerechnet", gibt er zu. Seine Frau Ottilie hingegen war sich vom Wahlausgang sicher: "Ich hab' gleich auf Kirschstein getippt". Für die beiden ist damit ein politischer Traum in Erfüllung gegangen. "Ein schönes Ergebnis für Forchheim", freut sich Herrnleben: "Des is amol was andersch".


Hohe Auszeichnung

Der Goldene Ehrenring ist - nur noch übertroffen von der Ehrenbürgerwürde - die höchste Auszeichnung der Stadt. Damit wird das große Engagement Herrnlebens auf kommunalpolitischer Ebene honoriert. Seit 1965 ist Rainer Herrnleben gesellschaftlich aktiv: angefangen von seiner Tätigkeit als Leiter des Diskussionszirkels beim Kreisjugendring, bis hin zu seinem Engagement für die Erwachsenenbildung bei der Volkshochschule. Gleichzeitig begann 1965 mit dem Eintritt in die SPD seine kommunalpolitische Karriere.


Staatstragender Ton

Von 1968 an war er zehn Jahre lang Ortsvereinsvorsitzender und saß von 1972 bis 2014 für die SPD im Stadtrat, wo er weniger den kämpferischen sondern eher den staatstragenden Ton pflegte. Dies besonders in der Zeit von 1990 bis 1996, als Rainer Herrnleben das Amt des Dritten Bürgermeisters inne hatte. Zweiter Bürgermeister war seinerzeit Hermann Ammon (CSU). Diese Jahre an der Seite von OB Franz Stumpf, sei die beste Zeit für Forchheim gewesen: "Alles ist wie am Schnürchen gelaufen", erinnert sich Herrnleben, der jedoch auch politische Niederlagen einstecken musste: so bei den vergeblichen Versuchen in den Landtag einzuziehen (1970 und 1974) und 1978, als er daran scheiterte, "König" Otto aus dem Landratsthron zu heben.

Viel Zeit, Nerven und Geld hat er damit geopfert - "doch ich bereue nichts", sagt der Vollblutpolitiker in seiner Rückschau.