Touristisches Potenzial abseits des üblichen Tourismus-Marketings erschließen. Dies ist das Ziel eines "Literatur- und Schlüsselberger Weges", das im Rahmen eines Leader-Plus Projektes realisiert werden soll. Die Idee: Bus-Fahrten, Wanderungen, Postkutschenfahrten und Rad-Tourismus im Reich der Schlüsselberger, das im 18. Jahrhundert zur Wiege der Romantik wurde.

"Ein kreatives Nischenprodukt" nennt Toni Eckert, Kulturreferent des Landkreises Forchheim, diesen Wanderweg, der "kulturelle und kulinarische Ressourcen ausschöpfen" soll. Historische Fakten wie die Burgen Schlüsselberg (oberhalb Waischenfeld) und Schlüsselstein (oberhalb von Ebermannstadt), gegründet von den Edelherren von Schlüsselberg, denen Ebermannstadt nicht nur das Stadtrecht verdankt, sondern auch den Schlüssel im Stadtwappen, wirkten bis in die Gegenwart.


Hirstorischer Erlebnisweg

Da sich auch in Gößweinstein und im Markt Wiesenttal schlüsselbergische Strukturen von großer Nachhaltigkeit fänden, biete sich ein historischer Erlebnisweg von Waischenfeld nach Ebermannstadt geradezu an, findet der Kulturchef des Landkreises.

Die regionale Historie und die damit verbundene Reichsgeschichte aus der Zeit des 14. Jahrhunderts könne dem Gast höchst informativ und anschaulich vermittelt werden. Neben dem Wanderweg, der zu den historischen Schauplätzen führt, denkt Eckert auch daran, mittelalterliche Szenen nachzustellen und filmerisch aufzubereiten. Natürlich soll auch die Gastronomie entsprechend einbezogen werden.

Damit Fördermittel von der EU fließen, müssen die beteiligten Kommunen als Antragsteller im Rahmen des Leader-Projektes in Erscheinung treten. Nachdem die Gemeinderäte aus Gößweinstein, dem Markt Wiesenttal und Waischenfeld bereits positive Beschlüsse gefasst hatten, stimmte auch der Stadtrat Ebermannstadt zu, einen solchen Weg ins Leben zu rufen. Zum Schnäppchenpreis, den von den Gesamtkosten, die auf 100 000 Euro beziffert werden, zahlt die EU ganze 70 000 Euro. Da sich die Oberfrankenstiftung mit 20 000 Euro beteiligt, bleiben den vier Gemeinden nur noch jeweils 2500 Euro.


Wiege der Romantik

Mit dem neuen Projekt soll gleichzeitig die Rolle der Fränkischen Schweiz als Wiege der Romantik besser herausgestellt werden. Mit der Pfingstreise von Ludwig Tieck und Wilhelm Wackenroder im Mai 1793 habe die deutsche Romantik exakt zwischen Ebermannstadt und Streitberg ihren Ausgang genommen. Somit habe die Region ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal, das es gelte, ins Bewusstsein der Gäste zu rücken.

Außerdem war die Pulvermühle bei Waischenfeld von 5. bis 9. Oktober 1967 der letzte Tagungsort der "Gruppe 47", der die bedeutendsten Literaten des 20. Jahrhunderts angehörten. Das Treffen der etwa 80 Literaten, darunter Günter Grass, Martin Walser, Siegfried Lenz, Ingeborg Bachmann, Marcel Reich-Ranicki oder Hellmuth Karasek, sei in diversen Memoiren und in einer Beschreibung des Waischenfelders Anton Sterzl gut dokumentiert und stelle ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Region dar.