Aussage gegen Aussage am Dienstag im Amtsgericht: Der 34-jährige Angeklagte beteuerte, seine Hose geöffnet zu haben, um wild zu pinkeln. Eine Zeugin beschuldigte ihn jedoch, sie bespannt und sich dabei befriedigt zu haben.

Ausgangspunkt der Tatnacht war ein feucht-fröhlicher Abend auf dem Forchheimer Altstadtfest - inklusive Kneipentour. "Mir ging es richtig scheiße", sagte der Angeklagte, der nach eigener Aussage wenig verträgt und selten Alkohol trinkt.

In dieser Nacht aber machte der Mann eine Ausnahme. Die Folge: Als er am frühen Morgen des 26. Juni 2016 nach Hause lief, musste er sich auf dem Heimweg mehrfach übergeben. "Deshalb habe ich länger gebraucht und musste nach den vielen Getränken dringend pinkeln." Deswegen sei er auf eine Wiese abgebogen, habe die Hose heruntergelassen und uriniert.

Eine ganz andere Version erzählte allerdings die Belastungszeugin, die kurz zuvor von einer Freundin nach Hause kam und sich gerade im Schlafzimmer umzog: "Er hat hereingeschaut und sich dabei befriedigt", sagte die Frau, die umgehend die Polizei rief. Sie gab an, Blickkontakt mit dem Mann gehabt und ihn genau erkannt zu haben.


Zeugin ist sich sicher

"Als ich ihn sah, habe ich das Licht ausgemacht, mir etwas übergezogen und bin ans Fenster gegangen. Er hat in der ganzen Zeit weitergemacht." Erst kurz vor Eintreffen der Polizei sei er weitergegangen, so die Frau, die den Angeklagten im Nachhinein unter einer Auswahl von acht Polizeibildern sofort wiedererkannt haben will. Vor Gericht vertrat sie ihre Ansicht resolut. Sie betonte mehrfach: "Ich kann nur sagen, dass er es war. Da bin ich mir sicher." Weiteres Indiz sei, dass er sie bei einem zufälligen Treffen einige Tage später "ekelhaft angelächelt" habe.

Verteidiger Sebastian Platzek jedoch äußerte Zweifel am Tathergang. Er stützte sich vor allem auf die Aussage eines als Zeugen geladenen Polizisten. Dieser gab an, die Zeugin habe bei ihrer Erstvernehmung ausgesagt, der Mann sei hinter einem einige Meter entfernten Gebüsch gestanden. Als die Polizisten Bilder anfertigten, um zu prüfen, was man von ihrem Schlafzimmer aus genau sehe, ergänzte sie aber, er sei anschließend auch auf einer Treppe nahe des Fensters gestanden.

Außerdem gab die Zeugin vor Gericht auch auf die Frage, wie nackt sie gewesen sei, eine andere Antwort als im Vernehmungsprotokoll. Angesprochen auf die Widersprüche argumentierte sie mit einem Schock unmittelbar nach der Tat. Diese Aussage konnte der sie vernehmende Polizist jedoch nicht bestätigen.

Für Staatsanwalt Matthias Schmolke waren die Widersprüche jedoch kein Grund, an der Anklageschrift zu zweifeln. Er erinnerte an die einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten, der bereits mehrfach wegen exhibitionistischen Handlungen sowie sexuellen Vergehen an Kindern aufgefallen ist. "Seine Schuld steht für mich aufgrund der glaubhaften und detaillierten Aussage der Zeugin fest. Wer sich nicht sicher ist, würde nicht die Polizei rufen und Monate später immer noch das Gleiche behaupten."

Wo der Mann exakt gestanden habe, spiele keine Rolle, da auf dem Gelände die Laternen die ganze Nacht leuchten und es so überall gut einsehbar sei. Schmolke forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bewährung: "Sexuelle Vorstrafen ziehen sich durch sein Strafregister. Ich sehe die Gefahr weiterer Taten."

Verteidiger Sebastian Platzek hielt dagegen: "Hier soll eine Bestrafung aufgrund von Vorstrafen erfolgen." Er hielt die Zeugin für unglaubwürdig und den Antrag der Staatsanwaltschaft für unverhältnismäßig. Seine Forderung: Freispruch oder eine Geldstrafe.

Richterin Silke Schneider glaubte der Zeugin ("Warum sollte sie sich das ausdenken?"), wollte dem Angeklagten aber die Chance geben, "zu beweisen, dass das nicht mehr vorkommt". Die Vorstrafen lägen einige Jahre zurück, in denen nichts passiert sei. "Es spricht viel dafür, dass es ein einmaliger Ausrutscher im Rausch war", sagte Schneider. Ihr Urteil: fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Zahlung von 1000 Euro an die Arbeiterwohlfahrt.