"Weinen und Lachen liegen nah' beieinander", erklärte Oleg Popov, als er vor drei Jahren auf der Forchheimer Seniorenmesse "Seniofit" über Humor im Alter philosophierte. Jetzt weint die Zirkuswelt um ihn. Sie hat einen Weltklasse-Clown verloren - und Egloffstein seinen prominentesten Bürger.


"Friedlich von uns gegangen"

"Er hat bis zum Schluss in seinem geliebten Zirkus gearbeitet. Er ist während einer Tournee in Rostow am Don gestorben" - dies berichtet Popovs Ehefrau Gabriela unserer Zeitung am Telefon. Die gebürtige Egloffsteinerin kann und will unter dem Schock des unerwarteten Ereignisses nicht mehr sagen - verständlich. Nur so viel gibt sie preis:"Oleg ist friedlich von uns gegangen". Laut russischer Nachrichtenagenturen sei er am Mittwoch Abend, gegen halb 11 Uhr, sanft vor dem Fernseher entschlafen.


Medienrummel in Egloffstein

In Egloffstein hat sich die Todesnachricht wie ein Lauffeuer verbreitet - nicht zuletzt wegen des Medienrummels, der in dem sonst so beschaulichen Örtchen ausgebrochen ist. Wie Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU) berichtet habe die Gemeinde die Auffahrt zu Popovs Landhaus sprerren müssen - nachdem Fotografen versucht hätten das Grundstück zu betreten, um durch die Fenster der Villa Innenaufnahmen zu ergattern. Stefan Förtsch reagiert betroffen auf den Tod des prominenten Bürgers: "Es hat mich völlig überrascht. Es gab keine Anzeichen für eine Erkrankung. Vor sechs Wochen hab ich Oleg noch getroffen - ganz banal, beim Einkaufen im Supermarkt".Wie Förtsch berichtet, habe er von einem engen Vertrauten Popovs erfahren, dass es am kommenden Montag in Russland eine Trauerfeier geben werde, bei dem die Öffentlichkeit und die Zirkuswelt Abschied von ihrem Idol nehme. Erst danach werde entschieden, wo Popov beigesetzt werde- in Russland oder seinem Wunsch entsprechend in Egoffstein, der Heimat seiner Wahl.


Schmerzliche Kindheit

Wir treffen Oleg Popov letztmals 2013 in seinem Landhaus. Er hat ein schwarzes Hütchen auf, mit goldenem Zierband und einen bunten Schlips um den Hals.Ein kleiner Mann zwar - aber mit großer Ausstrahlung. So facettenreich seine Erscheinung ist, so vielschichtig ist sein Leben. Am 31. Juli 1930 wird Oleg Konstantinowitsch Popov unweit von Moskau in ärmlichen Verhältnissen geboren. Olegs Vater wird 1937 von Stalins Schergen verhaftet und verschleppt. "Wir haben ihn nie wieder gesehen", erzählt Oleg in seiner Biografie und gesteht unverblümt: " Dies ist und bleibt der größte Schmerz meines Lebens." Doch ein Teil des Vaters lebt bis zu seinem eigenen Tode in ihm weiter: Der Humor. Popov hat dies in einem Gespräch mit unserer Zeitung erkärt: "Soweit ich mich an meinen Vater erinnere, war er ein sehr fröhlicher Mensch - und ich glaube, dass ich dies von ihm vererbt bekommen habe".


Den Clown im Blut

Schon als 14-Jähriger tritt er zum anfänglichen Entsetzen der Mutter in die Zirkusschule ein. 1946 erhält er einen unbefristeten Vertrag beim Staatszirkus. Die Zirkuskarriere im Zeitraffer: In den 50er-Jahren geht es steil bergauf. Der kleine Mann mit der großen karierten Mütze wird zum Publikumsliebling - nicht nur daheim in der Sowjetrepublik sondern auch in Westeuropa: München, Frankfurt, Berlin, Brüssel und Monte Carlo bringt er zum Lachen. Die Krönung ist das Zirkusfestival in Monte Carlo 1982. Hier bekommt Oleg Popov von Fürstin Gracia Patrizia den Oscar der Zirkuswelt überreicht: Den "Goldenen Clown".


Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Oleg Popov wird vom Schicksal abermals hart geprüft, als seine Frau Alexandra 1989 unheilbar an Krebs erkrankt und stirbt. Eine Tragödie für den Clown. Ein neues privates Glück findet er im Alter von 61 , als er 1991 die 32 Jahre jüngere Gabriela kennenlernt.

Seine neue Frau ist Egloffsteinerin - ihr hat er es zu verdanken, dass das Felsenstädtchen zu seiner neuen Heimat wird. Für Egloffstein hat der musikalische Clown sogar ein Heimatlied komponiert. Es klingt fort, auch wenn Oleg Popov jetzt verstummt ist.
Er, der weise Clown, würde es so betrachten, wie damals im Gespräch mit dem FT: "Die Tragödie und die Komödie gehörten zueinander - so wie das Licht und der Schatten".