Die Kreisberatungsausschüsse des Bayerischen Bauernverbandes in den Landkreisen Bamberg und Forchheim haben sich "Vom Weltmarkt bis zur Region" auf den Weg gemacht und kamen dabei auch in Pretzfeld im Obstgroßmarkt "Fränkische Schweiz eG" an. Ihr Geschäftsführer Reinhold Wunder begrüßte die Mitreisenden in einem Betrieb, der regionales Obst verarbeitet, nachdem sie vormittags Betriebe besucht hatten, die am Weltmarkt tätig sind.

"Auf dem Land geht es ohne Ideen nicht mehr weiter", meinte Wunder und lobte den Obstgroßmarkt, der vor einigen Jahren noch Probleme hatte, doch jetzt ausgezeichnete Säfte und Schorlen aus regionalem Obst herstellt. "Aber die Regionalität muss echt sein, sonst wird sie vom Kunden nicht gewürdigt", erklärte Wunder.

Obstbau stadt Viehwirtschaft

Immer mehr junge Leute würden Obst anbauen, denn es sei weniger aufwändig als die Viehwirtschaft. "Da muss man halt früh und abends melken und kann nicht einfach Urlaub machen", sagte Reinhold Wunder, und der Obstanbau passe auch in die Gegend. Doch gäbe es auch hier neue Entwicklungen, beispielsweise Kirschenüberdachungen, die gerade konträr diskutiert würden. "Doch es ist nun mal so, dass jeder von uns nur schönes Obst kaufen will", zeigte Wunder auf.

Geschäftsführer des Obstgroßmarktes ist Manuel Rauch. Zuerst war 1930 eine Genossenschaft gegründet worden, dann kam 1954 die Kelterei dazu. "Wir haben 836 Mitglieder, wobei 250 davon Aktive sind", erklärte Rauch. Diese bringen jedes Jahr ihr Obst. Kirschen und Zwetschgen werden über den Frischmarkt vermarktet, die Äpfel werden gepresst, in Tanks gelagert und zu Säften und Schorlen verarbeitet.

Tanklager erweitert

Von 2009 bis 2011 wurde das Tanklager erweitert. "Die Altonanz der Äpfel ist relativ stark. Das heißt, wenn es im letzten Jahr einen Vollertrag ergeben hat, die Bäume richtig voller Obst hingen, dann gibt es heuer eine Ruhephase, also weniger Ertrag", erklärte Manuel Rauch.

Und noch ein kleiner Hinweis für Hobby-Obstgärtner: Jeder darf seine Äpfel nach Pretzfeld bringen. Auch wenn man nur eine kleine Menge Äpfel hat, kann man die hier entweder verkaufen oder ein Saftkonto anlegen, um über das Jahr Saft aus dem Markt holen zu können. Das im Obstgroßmarkt hergestellte Produkt ist so begehrt, dass immer wieder Anfragen aus Südtirol kommen. Denn die Produzenten dort würden gern "mehr Pepp" in ihre Säfte bringen. "Aber wir geben nichts her. Die haben das Problem, dass sie halt nur Anlagenobst verwenden können", erklärte Manuel Rauch. Und in Pretzfeld werden auch Äpfel von der Streuobstwiese mitverarbeitet. "Da sind alte Sorten aus der Region dabei und die machen den besseren Geschmack aus", ist der Geschäftsführer überzeugt. Und er verriet, dass sie dabei sind, ein Projekt aufzusetzen, damit Bauern gefördert werden, die alte Obstsorten anpflanzen.

Sollte der eine oder andere Obstbauer nun unsicher sein, welche Sorte auf seinem Grundstück wachsen könnte, hat er die Möglichkeit, sich von Hans Schilling beraten zu lassen. Der ist Kreisfachberater für Obstbau im Landkreis Forchheim und setzt sich mit Bauern zusammen, um ein komplettes Konzept zu entwickeln. Da geht es um Themen wie die richtige Sorte oder wie kann man Gifte vermeiden. Oder er führt Besucher durch die Versuchsanlage in Hiltpoltstein, wo es auch Veranstaltungen für Obstbauern, aber auch Hobby-Gärtner gibt.

Dort können Interessierte aus 60 Sorten ihre Lieblings-Apfelsorte aussuchen und können diese dann in einer Baumschule käuflich erwerben.

Dieses Jahr gibt es ein anderes Problem: Die ersten Kirschessigfliegen wurden gemeldet. "Im vergangenen Jahr ist die das erste Mal aufgetreten", erzählt Schilling. Sie kämen aus Japan und würden die Kirsche so fressen, dass nur die Fruchthaut am Baum hängen bliebe. Befallene Kirschen schmecken nach Essig.