Sie hat über die Jahre ein eher unauffälliges Leben geführt, die Pestkapelle von Obertrubach. Jetzt ist sie, frisch restauriert, von Pfarrer Werner Wolf wieder offiziell eingeweiht worden. Wolf dankte dem Himmel, dass er seine Schleusen so zuverlässig geschlossen hielt.

Einmal mehr zeigte die Volksseele von Obertrubach in bewegter Form, wie sehr Glaube, Heimat und Tradition der Bevölkerung im Herzen noch verwurzelt sind. Fast unauffällig, aber in landschaftlicher herrlicher Umgebung liegt die Kapelle über dem Ort. Mehr als 100 Besucher stiegen am Nachmittag hinauf, um der feierlichen Zeremonie beizuwohnen. Da war es selbstverständlich, dass die Jugendblaskapelle mit fast 30 Musikern den Rahmen verschönte und die Lieder begleitete und auch die Frauensinggruppegruppe der FSV-Ortsgruppe mitwirkte.
Pfarrer Wolf dankte allen freiwilligen Helfern, die unter der Regie von Kirchenrat Hans Distler in Hand- und Spanndiensten mit Mesner Helmut Gebhard mitgeholfen haben, dass die Kapelle in neuem Glanz erstrahlt.


Mit viel Geschick

Der Kirchenrestaurierungsbetrieb Friedmann aus Scheßlitz-Giech führte die Innen- und Außenputzarbeiten sowie die Vergoldungsarbeiten durch.
Zudem renovierte er die arg beschädigten Figuren wie die Folterknechte, Engelsköpfe und den Geißelheiland mit Fachwissen und viel Geschick. Die Kugel mit Turmkreuz am First fertigte Reinhard Fett aus Geschwand an. Der Familie Trautner dankte er für die sorgsame Pflege des Kirchleins über viele Jahre. Die große Spende eines nicht genannten Sponsors, sowie weitere Zuwendungen machten die Renovierung möglich.

Werner Wolf ging auf die Geschichte des Kirchleins ein, das in der Schicksalszeit des sogenannten schwarzen Todes, der Pest, im Jahr 1626 errichtet wurde. Obertrubach war damals fast vollständig ausgestorben. Seit der damaligen Einweihung der Kapelle wallfahren die Obertrubacher zu Fuß jährlich nach Amberg zum Maria-Hilf Berg im Gedenken an die Schrecken der Pest.

Feierlich segnete jetzt Wolf die Kapelle. Es folgten Fürbitten und Lieder. Bürgermeister Markus Grüner (CSU) dankte den Gläubigen für die Pflege. "Bei uns ist die Welt noch in Ordnung. Die Kapelle ist ein Mosaik von Menschen, die dafür einstehen", betonte er. Es folgt der Moment, der vielen unter die Haut ging. Pfarrer Wolf bat um zwei Minuten Meditation, in der die Glocken der Pfarrkirche St. Laurentius vom Tal aus zu läuten begannen.
Ein Gefühl von tiefem Glauben und inniger Heimatverbundenheit beschlich die Anwesenden. "Ihr seid die jungen Leute, die Christen. Als alter Pfarrer sage ich Euch, vergesst nicht den Glauben", mahnte Pfarrer Werner Wolf. Auch ihn selbst hatte der feierliche Moment sichtlich ergriffen.