Wer Pretzfeld besucht, sollte auch durch die Wiesen um Trubach und Wiesent spazieren. Drei Hinweistafeln machen anschaulich, wie bis vor kurzem das Areal mit Hilfe einfacher Technik bewässert wurde. In den Talräumen der Fränkischen Schweiz sind die meisten Relikte erhalten.

"Wir hatten unser Thema schnell gefunden", berichtet Ingrid Saal (Hiltpoltstein), die mit 16 anderen in der Gereonskapelle in Forchheim ihr Zertifikat als Kulturlandschaftsbeauftragte erhielt. Aus dem Raum Forchheim sind noch Edwin Dippacher, (Heroldsbach) Lutz Wagner (Ebermannstadt) und Hans Müller (Obertrubach) dabei. Über ihr Projekt, die Wässerwiesen bei Pretzfeld hinaus wollen sie sich als Multiplikatoren für die Wertschätzung der über Jahrhunderte entstandenen Kulturlandschaft einsetzen. Heimatpfleger Hermann Bieger, Pretzfeld, steuerte zu dem Projekt Informationsmaterial bei. "Seinem Wissen verdanken wir viel", sagt Saal. Das Quartett durchforstete alte Archivalien. Der älteste Hinweis befindet sich im Pfarrarchiv und ist datiert auf 1437.


Spurensuche vor Ort

Im Gelände suchten sie die erhaltenen Bauwerke auf. Besonders zu nennen sind hier eine Statue des heiligen Nepomuk an der Wiesent, neben der das Funktionsprinzip der Bewässerung durch eine Tafel erläutert ist. Am Bernetwehr an der Trubach Richtung Hagenbach zeigt das Gelände Spuren des sogenannten Rückenbaus. Wasserrinnen führten hier auf künstlichen Geländeerhöhungen in die Wiesen, sodass sich das Wasser verbreiten konnte. Dritte Station ist das Weidelwehr in der Nähe der Trubachmündung.

Durch Schautafeln und einen Flyer erfährt man, welche technischen Kniffe unsere Vorfahren einsetzten, um ihre Wiesen zu bewässern und damit zu düngen, aber auch, wie sie sich vor Hochwasser schützten. Etwas abstrakter brachte es bei der Zeugnisverleihung Bezirksheimatpfleger Günther Dippold zum Ausdruck: "Jeder trägt Geschichte mit sich herum." Die Arbeit der Kulturlandschaftsbeauftragten trage dazu bei, dass Spuren nicht verschwinden. "Wir müssen uns auf unsere Wurzeln besinnen. Sonst droht uns eine Art soziale Demenz."


Fachlicher Hintergund

Das Projekt wurde durch den Lehrstuhl für Landschaftsästhetik unter Markus Reinke von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf entwickelt. Anliegen der Ausbildungsleiter Chris Loos und Veronika Stegmann war es, Menschen zu finden und fachlich weiterzubilden, die "den lokalen Wissensschatz heben und weitergeben". Umgesetzt wurde die Ausbildung durch Lokale Aktionsgruppen aus dem Frankenwald, der Wohlfühlregion Fichtelgebirge, dem Sechsämterland und dem "Kulturerlebnis Fränkische Schweiz". Finanziert wurde das Projekt durch EU-Mittel und die Oberfrankenstiftung.

Neben der Ausbildung der 16 Absolventen entwickelten Loos und Stegmann ein Ausbildungskonzept, das künftig von der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen fortgeführt wird. Das Ziel: "Wir wollen, dass sich Kulturlandschaftsbeauftragte in ganz Bayern etablieren."