Die Fränkische Schweiz ist berühmt für ihre farbenprächtigen Trachtenkleider, die sogar in Reisebeschreibungen des 19 Jahrhunderts ausführlich behandelt wurden. Geholfen hat es leider nicht aus heutiger Sicht: Nur noch vereinzelt werden bei heimatkundlichen Veranstaltungen Männertrachten getragen.

Daher ist der Versuch von Dagmar Rosenbauer und Rosalie Postatny, die Männertracht neu zu beleben, ein hehrer Versuch, altes Kulturgut neu in Erinnerung zu rufen. Eduard Fensch, landeskundlicher Beauftragter für die bayerische Tracht wusste schon 1865 über die Männertracht der Fränkischen Schweiz: "Die Armut bequemt sich dem wohlfeilen Stoffe und dem simpelsten Schnitte und so treffen wir denn das lange Beinkleid mit Buntschuhen und eine ausgesucht geschmacklose Schirmmütze häufiger, als die landesübliche Bauerntracht."


Verlust

"Wir bemerken, dass diese Tracht fast vollständig verschwunden ist" schreibt Heinrich Leher 1892 über die Pretzfelder Männertracht traurig. 100 Jahre vorher - beobachte Ernst Moritz Arndt um 1798 in seinem Buch "Bruchstücke einer Reise von Bayreuth bis Wien" - trug Mann noch folgende "Kluft" in der Fränkischen Schweiz: "Die Menschen haben alte deutsche Bauerntracht, braun oder blau, mit weniger Veränderung der unsrigen. Doch tragen sie meistens schwarze lederne Hosen ohne Knöpfe und Schnallen am Knie, spitze Hüthe (Dreizack), das Haupthaar kurz beschnitten, meist mit ledernen Käppchen bedeckt. Die Hemden tragen die Männer auf dem Rücken offen. Statt des Schnürleibes tragen die meisten ein Leibchen, blank Knopf an Knopf, die Männer halten es ebenso mit ihren Westen - bis dicht an den Hals und über der Brust zugeknöpft."


Sonntags das "gute Gewand"

1810 fiel dem Gelehrten Georg Goldfuß beim Betrachten der Einwohner auf: "Die gewöhnliche Bekleidung der Männer bestehet aus kurzen Hosen, Jacken oder leinene Kitteln. Am Sonntage tragen sie schwarze Tuchröcke, schwarze lange Westen mit Ärmeln darunter, einen Hut mit drey Ecken und unter diesem ein Käppchen von Tuch oder Leder. Johann von Plänckner, Oberstleutnant und Reiseschriftsteller schaute 1841 auf seiner Reise durch die Fränkische Schweiz, ebenfalls ganz genau hin: "Die Männer tragen zum Sonntagsstaat tuchene Pantalons (Hose mit Hosenklappe wie eine Lederhose), zuweilen auch wohl noch kurze, lederne Beinkleider, Westen mit vielen Knöpfen und lange, jetzt meist blautuchene Oberröcke. Den Kopf bedeckt eine kostbare Pelzmütze oder ein dreieckiger Hut, an welchen die vordere Krempe als Sonnenschirm herabgeschlagen ist. Seltener ein runder Hut. Auf den Hüten prangt in der Regel ein Blumenstrauß."

Die Unterschiede bei der Männerkleidung resultierten aus den unterschiedlichen Gegenden, wo die Träger zu Hause sind. Im Hummelgau, Effeltrich und Hausen beispielsweise war die Pelzmütze Teil der Tracht; im Kern der Fränkischen Schweiz um Muggendorf und Gößweinstein herum der Dreispitz oder Schaufelhut. Um Pretzfeld war der Filzhut jedoch rund.


Manche Hüte waren rund

Reiseschriftsteller Gottlieb Zimmermann fiel das 1843 auf: (...) "unterscheiden sich die Bambergischen von den Bayreuthischen sogleich durch die eigenthümlichen Farben und Schnitt der Kleidung". Konrad Böhm, Verfasser des Trachtenbuches "Trachten in Bayern" schrieb 1989: "Die Tracht des Bauern in der Fränkischen Schweiz besteht 1865 aus einem rundköpfigen breitkrempigen Filzhut und auch die kurze, gelblederne Beinhose mit Wadenstiefeln und der langschößige Rock von Beidergemang (Gewebe aus Wolle und Leinen) oder dunkelblauem Tuch. Dieser Rock und das rote Goller unterscheiden sich nicht wesentlich von der Männerkleidung des übrigen Obermainkreises.

Aus diesen Beschreibungen lässt sich ohne weiteres eine erneuerte Männertracht für die Fränkische Schweiz ableiten. Genau das macht die Egloffsteiner Schneidermeisterin Rosalie Postatny in ihrer Werkstatt; mit Stoffen, die Trachtenexpertin Dagmar Rosenbauer aus Kunreuth ausgesucht hat.

Zum 25. Heimattag der Fränkischen Schweiz in Waischenfeld soll am kommenden Wochenende erstmals ein erneuerter "Goller", eine typische Männerweste nach Waischenfelder Art, getragen werden.