Ulrich Hain legt beinahe liebevoll einen Arm um seine Keramikfigur "Die Tänzerin" und streicht über ihre ausgeprägten Rundungen. Sie ist nicht besonders grazil, dafür aber sehr beleibt. Und dazu noch nackt.

Nein, sie entspricht nicht gerade dem westlichen Schönheitsideal von einer jungen und schlanken Gestalt. Die Frau ist keine typische Tänzerin. Dennoch reckt sie stolz ihren Kopf mit der etwas zu groß geratenen Nase in die Höhe. Daher erscheint sie dem Betrachter ein wenig skurril. Obwohl der Künstler aus Gießen diese Bezeichnung eigentlich nicht besonders mag. "Skurril bedeutet sonderbar. Ob das so ist, muss jeder für sich selbst entscheiden", sagt er über sein künstlerisches Werk.

Den Weg von Gießen nach Forchheim haben Hains Kunstwerke dank seiner Frau Inge gefunden. Die stammt aus Forchheim und hat ihren Mann dazu angeregt. Die Figuren sind meist kleine, beleibte Frauen und Männer, die physisch etwas unförmig sind, aber mit meist zufriedenen Gesichtern der Welt entgegenblicken.


Menschliches im Rathaus



Warum das so ist, ist für Hain ganz leicht zu beantworten. Sie zeigen "Menschliche Regungen". So lautet auch der Titel der Ausstellung, die derzeit in den Forchheimer Rathaushallen zu sehen ist."Das Material, der Ton, gibt mir die Chance, bei den Figuren eine statuenhafte Starre zu vermeiden und sie leben zu lassen", erklärt der 73-Jährige. Das habe auch viel mit dem Schaffensprozess zu tun. Kein Werkzeug sei nötig, um eine Figur aus Ton zu formen.

"Im Gestalten gehen meine Hände neue Wege, ungezwungen, manchmal ungeduldig, ohne Rücksicht auf Glätte und Feinheiten", sagt Hain. Daher ist der leicht formbare Ton für ihn auch das ideale Material. Das ermöglicht es ihm, dem Gegenstand so nah wie nur möglich zu kommen. Und tatsächlich, die Figuren "leben". Sie spielen Instrumente, strecken sich genüsslich, sitzen bequem mit ausgestreckten Gliedmaßen da oder scheinen ganz in sich versunken. Das Ziel seiner Arbeit, sagt er, sei nicht Eleganz, sondern Substanz zu schaffen.