"Der geregelte Tagesablauf ist weg, aber der Terminkalender noch voll", erzählt Christian Meier, Altbürgermeister und Ehrenbürger von Egloffstein, und lacht. Erst vor Kurzem wurde der 75-Jährige von Gößweinsteins Nachtwächter gefragt, ob er nicht noch eine Führung übernehmen könne. "Ich habe mittlerweile gelernt, auch mal ,nein' zu sagen, denn ich habe erkannt, was im Leben weniger wichtig ist", sagt Meier nachdenklich. Denn er hat zwei schwierige Operationen hinter sich bringen müssen.

"Ich bin dem Herrgott dankbar, dass alles so gut ausschaut", meint er weiter und erzählt voller Stolz, wie glücklich er mit seiner Frau Lilo ist. "Außerdem sind meine Tochter und mein Schwiegersohn wieder in Egloffstein und haben Nachwuchs bekommen. Das ist ein ganz neues Gefühl", schwärmt Christian Meier.

Als Bürgermeister war er viel unterwegs, viel mit Menschen zusammen. Jetzt ist er glücklich und zufrieden, wenn er gemütlich mit seinem Traktor zu seinen Kirschbäumen oder in den Wald unterwegs ist, denn dabei kann er die Aussicht genießen und die Natur neu entdecken. "Oft werde ich angesprochen und die Leute meinen ,jetzt hast du doch Zeit'", berichtet der Altbürgermeister, doch dem ist nicht unbedingt so, denn er ist nach wie vor der Vorsitzende des "Fränkische Schweiz Vereins" für Egloffstein. Da sucht er allerdings einen Nachfolger.

Meier singt nach wie vor bei den "Burgspatzen" und ist mit ihnen immer wieder unterwegs. Außerdem ist er Reiseleiter durch die Fränkische Schweiz oder Gästebetreuer für Reisegruppen. Meier ist auch viel im Wald oder arbeitet einfach im Haus. "Es gibt immer etwas zu tun", meint der Altbürgermeister schmunzelnd.


Die Patin nahm ihn zu sich

Christian Meier ist in Erlangen geboren und in Höfles auf einem Bauernhof mit drei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen. Als er sieben Jahre alt war, verstarb seine Mutter. "Ich habe sie in sehr guter Erinnerung", erzählt Meier. Seine Geschwister seien neidisch gewesen, da seine Patin ihr Patenamt richtig ausübte und ihn zu sich holte. In der Brauerei Hofmann in Hohenschwärz erging es ihm gut und er ging nach Thuisbrunn in die Schule. Als der Vater wieder heiratete, kam der Zwölfjährige wieder zurück in die Familie. "Das ist eine tolle Frau, die Kunigunde Meier, und mit 104 Jahren die älteste Frau Gräfenbergs", berichtet der Altbürgermeister.

Eigentlich sollte er den Bauernhof übernehmen, doch stattdessen besuchte er die Handelsschule in Nürnberg und wurde Kaufmann. Als er hörte, dass eine Stelle bei der "Schmidt-Bank" frei sei, bewarb er sich persönlich. Danach half er seinem Vater bei der Landwirtschaft. "Ich habe gerade den Stall ausgemistet, als eine Limousine in den Hof fuhr und der Bankier Schmidt ausstieg, um mir zu sagen, dass ich die Stelle bekomme", erinnert sich Meier.

Ein paar Jahre später besuchte er mit seinem Freund den Rosenmontagsball in Egloffstein. Dort spielte eine junge Frau am Klavier, in die sich Christian Meier verliebte und die er zwei Jahre später heiratete.

Zu dieser Zeit arbeitete er noch in Nürnberg, doch Bekannte ermutigten ihn, bei der Raiffeisenbank in Egloffstein eine Anstellung anzunehmen. Das tat Meier 1966 auch und stieg auf bis zum Kreisvorsitzenden. 1972 ließ er sich überreden und wurde Gemeinderat. 1976 übergab ihm der kranke Bürgermeister sein Amt - geplant war dies für zwei Jahre. Doch die Bürger wollten ihn für 32 Jahre.


"Ich war überall dabei'"

In dieser Zeit hat er viel für die Gemeinde bewegt. Es gab Reformen und viele Projekte. In der Raiffeisenbank blieb er als Aufsichtsrat. Unter anderem war Christian Meier 18 Jahre im Kreistag. "Ich war überall dabei", erzählt der Altbürgermeister und lacht.

Irgendwann habe er seine Frau Lilo auf Nachwuchs angesprochen. Und nach 20 Jahren Ehe kam Tochter Elisabeth zu Welt. "Wenn ich mit ihr auf dem Spielplatz war, dachten die Leute, ich bin mit meiner Enkelin unterwegs", erinnert sich Meier. 2008 übergab er das Amt an Stefan Förtsch und spielt jetzt lieber mit Enkelin Isabelle. "Der Übergang war aber nicht einfach", gibt Meier zu, denn der Nachfolger machte einiges anders und er selbst musste sich zurücknehmen. Doch zwischenzeitlich kann Christian Meier sein Leben in vollen Zügen genießen - gemeinsam mit seiner Familie.