Otto Stirnweiß ist in dieser Angelegenheit leidenschaftslos. Der Chef der gleichnamigen Schreinerei am Handwerkerhof 4 sagt, er werde sein Grundstück für den Mobilfunkmast zur Verfügung stellen: "Wenn der Mast genehmigt wird, dann ist gut, wenn nicht, dann eben nicht."
36 Meter hoch ist der Betonmast mit den zwei Plattformen geplant. Gebaut wird er von der Deutschen Funkturm GmbH mit Sitz in Nürnberg. Das Planungsbüro Fischer sitzt in Feucht und hat die Planzeichnungen bereits in der Schublade.
In einem Schreiben an die Anlieger hat Projektleiterin Ilka Götz auch schon die direkten Nachbarn informiert - und um Zustimmung gebeten. Einer dieser unmittelbaren Nachbarn ist das Montessori-Kinderhaus. Der Träger der Einrichtung hat die Planung bereits abgelehnt.
Die Mitarbeiterinnen des Kinderhauses sind besorgt. "Wir haben uns abgesprochen, dass wir das nicht möchten", sagt die Leiterin Jutta Rückert: "Wir betreuen 43 Kinder und haben die Verantwortung für sie. Solche Masten sind permanent aktiv, von ihnen geht eine gefährliche Strahlung aus, daher sind wir gegen den Mast."


Politik muss nicht gefragt werden

Doch was bedeutet dieses Nein für die Planung? Gerhard Zedler, der Chef des Bauamtes, hatte am Wochenanfang die Stadträte im Bauausschuss aufgeklärt: Rechtlich betrachtet, müsse die Politik in diesem Falle gar nicht gefragt werden. Denn: Im Mischgebiet, also auf dem Grundstück der Schreinerei Stirnweiß, sei der Bau der Mobilfunkanlage durch den Bebauungsplan legitimiert. Auch über die Höhe einer Mobilfunkanlage könne nicht gerechtet werden.
Otto Stirnweiß ist wegen der möglichen Strahlengefahr bislang nicht angesprochen worden. Nur ein Nachbar habe gegen den geplanten Betonmast protestiert - weil er hässlich sei. Stirnweiß selbst glaubt nicht an die Gefahr von Mobilfunk-Strahlen. "Schon gar nicht unterhalb einer Anlage."
Allenfalls müssten jene Bewohner besorgt sein, die weiter entfernt wohnten. So hatte im Bauausschuss auch Reinhold Otzelberger (SPD) argumentiert: Die bestehenden Masten auf dem Spinnerei-Gelände seien für das Kinderhaus eine größere Bedrohung, als ein neuer Mast direkt neben dem Kinderhaus.
"Schön sind die Türme nicht", räumt Planerin Juana Engel vom Büro Fischer aus Feucht ein: "Jeder will sie haben, keiner will sie sehen."
Wie wird der künftige Betreiber, die Deutsche Funkturm GmbH, auf die Proteste und Sorgen der Anlieger reagieren? Dazu wollte sich ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag äußern. Bis Redaktionsschluss geschah das aber nicht.