Brigitte und Ferdinand Haselmeier sind stocksauer. Das Ehepaar führt das Gößweinsteiner Landhotel Fränkischer Hahn in der Badangerstraße. Plötzlich und ohne jede Vorwarnung haben dort am vergangenen Montag die Ebermannstadter Stadtwerke mit Bauarbeiten begonnen. "Lärmintensiven Bauarbeiten", wie die Haselmeiers betonen. Es sei morgens kurz nach sieben Uhr gewesen, als die Baumaschinen die Pensionsgäste aus dem Schlaf gerissen hätten. "Unsere Werbung, dass wir ruhige Zimmer vermieten, klingt da geradezu wie Hohn", sagt Brigitte Haselmeier.
Sie ärgert sich vor allen Dingen über die die Informationspolitik des Gößweinsteiner Rathauses. "Man hätte die Anlieger vorher wenigstens fragen können", sagt Ferdinand Haselmeier. Einige Nachbarn wären nicht einmal mehr mit dem Auto aus dem Hof gekommen, weil da plötzlich diese Baustelle gewesen ist. "Und auch wir haben große Probleme mit unseren Gästen. Hätte man mit den Bauarbeiten nicht erst im November anfangen können?", fragt Haselmeier.
Die Haselmeiers stehen auf dem Standpunkt, dass die Bauarbeiten vor ihrer Pension keineswegs Arbeiten sind, die keinen Aufschub dulden. Schließlich wollen die Ebermannstadter Statdwerke dort "nur" die Stromleitung in der Straße verstärken.
Das hätte man auch noch im November, glaubt Haselmeier sicher. Dann hätten die meisten Gäste Gößweinstein schon verlassen. Am meisten ärgert er sich aber darüber, dass offenbar niemand von der Gemeinde zuvor mit den Anliegern gesprochen hat. "Jetzt werden auch noch unsere letzten Gäste vergrault, die eigentlich ihre Ruhe haben wollten", klagt Haselmeier. Er ist selbst einmal Bauamtsleiter gewesen und glaubt deshalb zu wissen, wovon er spricht.
"Wir beantragen hiermit den sofortigen Baustopp in der Badangerstraße und Verschiebung bis zum Ende der Saison", haben er und seine Frau inzwischen auch an Gößweinsteins Bürgermeister Georg Lang (CSU) geschrieben. Von Lang ist in der Sache bisher keinerlei Reaktion zurück gekommen. "Entweder befinden wir uns in einem Fremdenverkehrsort oder in einer Großstadt. Besonders erstaunt sind wir sowie die Anlieger, dass ohne Vorankündigung mit der Baumaßnahme begonnen wurde. So was nennt man Bürgernähe. Was nützt es, wenn man laufend darüber spricht und sich nicht daran hält", schreiben die Haselmeiers weiter.

Angst vor schlechtem Wetter


Paul Sponsel ist Marktgeschäftsleiter und hat auf die Beschwerde der Haselmeiers inzwischen reagiert: Die Baumaßnahmen seien notwendig gewesen. Zum anderen hätten die Ebermannstadter Stadtwerke durchaus Rücksicht auf die Pensionen genommen. "Die Arbeiten sind extra nicht in der Hauptsaison oder in der Ferienzeit durchgeführt worden", betont Sponsel. Ein späterer Baubeginn sei nicht möglich gewesen. Sonst hätte die Gefahr bestanden, in die Schlechtwetterphase einen vorzeitigen Wintereinbruch zu kommen. Eine Winterbaustelle mit den verbundenen Verschmutzungen wäre ja wohl auch nicht im Sinne der Anlieger. Zudem diene diese Baumaßnahme der Versorgungssicherheit der Anlieger.
Ferdinand Haselmeier befriedigen Sponsels Aussagen nur ein wenig. "Eine Winterbaustelle wäre mit Sicherheit nicht zu befürchten gewesen. Das hätte man problemlos zwei bis drei Wochen verschieben können."
Tatsache sei, dass seine Frau und er wegen der begrenzten Saison auf jede Einnahme angewiesen seien. Ein Verlust von zwei bis drei Wochen könnten im schlimmsten Fall Mindereinnahmen von bis zu 5000 Euro bedeuten. "Und die Saison wäre ohnehin Ende Oktober zu Ende gewesen. Solange hätten die Stadtwerke doch warten könen", sagen die Haselmeiers und verweisen auf die Nachbargemeinde Pottenstein.

Keine Lärmschutzverordnung


Dort gäbe es eine Regelung, dass planbare Baumaßnahmen nicht vor November stattfinden sollen. "Obwohl wir ein gepriesener Luftkurort sind, haben wir nicht mal eine Lärmschutzverordnung, was eigentlich ein Muss für einen Fremdenverkehrsort ist", sagt Haselmeier.
Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass sich die Haselmeiers ohnehin schon belastet fühlen: wegen der Umleitung und dem Straßenausbau in Richtung Kleingesee. Das Fahrzeugaufkommen in der Behringersmühler Straße habe seit dem um das Doppelte zugenommen.