Es gibt ihn, den David-Garrett-Effekt. Musiklehrer Ciprian Popa ist davon überzeugt. "Seine Auftritte sind ein positiver Faktor für das Instrument Violine. Insgesamt werden es immer mehr junge Leute, die Interesse an klassischer Musik haben."

Popa muss es wissen, unterrichtet er doch seit zwei Jahren fast 20 Kinder der Adalbert-Stifter-Mittelschule (AST) Forchheim in den Fächern Klavier und Geige; ansonsten ist er am Herder-Gymnasium im Einsatz.
Wie Melissa Celen. Sie lernt nun im zweiten Schuljahr das Instrument und beim Schulfest am Mittwoch, 17. Juni, ab 17 Uhr hat sie ihren ersten öffentlichen Auftritt. Beethovens "Ode an die Freude" wird als Zwischenstück in der Schulaufführung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" erklingen. Die Solostücke der Instrumentalschüler sollen, so Popa, die ganze Klassik abdecken.

Die Oper, deren Instrumentalpart und die Sologesangspartien von Profis übernommen werden, ist ein Teil des Musikförderprojekts des Kultusministeriums. Über die Stiftung zur Förderung von Zivilisation und Kultur hat Schulleiterin Cordula Haderlein im vergangenen Jahr drei Kammerkonzerte an die Schule holen können. "Wir waren geplättet, wie begeistert die Schüler waren", bekennt sie. Über die Stiftung konnte sie den Schülern dazu noch drei Probestunden Instrumentalunterricht anbieten.

21 probierten es aus. Fünf haben es dann gewagt, sich für ein Schuljahr zu verpflichten; zwei griffen zur Querflöte, zwei zum Klavier und eben Melissa Celen zur Geige. Im Moment übt sie eifrig, was ihr Lehrer gerne bestätigt, und hört auch so Musik von Beethoven. "Mein Mutter gab den Anstoß", erzählt sie, "sie war für Geige, weil fast jeder Gitarre lernt."

Das Loblied der Gärtner

Am Üben sind auch Selina und Beyza. Die beiden sind Teil des Opernchores. Ihre Rollen sind die Gärtner, die zum Schluss der Oper ein Loblied auf ihren Herrn Selim Bassa singen. Mit braunen Schürzen mit aufgesteckten Blüten steht der gemischte Chor auf der Bühne im Mensabau. Chorleiterin Julia Deutsch teilt an die Sänger bunte Blumenstängel aus, die sie vor ihrem Herrn ausstreuen sollen. "Stopp!", ruft sie, als die Kinder zu früh loslegen. Der zweite Versuch passt zeitlich, doch ist er noch zu stürmisch. Ein Mädchen schlägt vor, die Figur müsse wie ein Knicks ausschauen. Das finden alle gut. Und so wird die Choreografie dann festgelegt.

Ganz professionell. Doch vermutlich hat noch keiner der Sänger eine Oper erlebt. "Ja, ich habe noch nie eine Oper gesehen", bestätigt Selina, die ausdrücklich betont, dass sie sich als Sängerin in einem Opernchor "gut fühlt". Offenbar auch Beyza. Obwohl sie sagt: "Oper ist nicht mein Ding." Sie steht mehr auf Rock und Pop und möchte bei den Voice-Kids des Fernsesenders Sat-1 mitmachen.

Warum nicht, würden dazu Haderlein und Popa sagen. Gerade er ist davon überzeugt, an der Mittelschule ein großes Potenzial vorgefunden zu haben. In der aktiven Musikausübung sieht er eine Chance, dass die Schüler einen besonderen Teil ihres Lebens entwickeln. "Ich kann Mathe, das können viele; ich kann Geige, das ist doch was Besonderes", sieht es Haderlein unter dem Aspekt des Selbstbewusstsein, des Selbstwerts.

Dazu kommt bei der Opernaufführung noch ein Beitrag zur Schulgemeinschaft. Denn neben den Choristen und den Instrumentalisten hat die AG Gestalten sich um die Kulissen und Kostüme gekümmert. Die achten Klassen haben sich für bewertetes Pflichtprojekt ein Büfett aus 1001 ausgesucht und die Einladungen gestaltet.

Die Rektorin denkt schon ans nächste Schuljahr. Als bewährte Pilotschule kann sie wieder drei Konzerte anbieten und die Stiftung übernimmt wieder für ein Jahr die Kosten des Instrumentalunterrichts. "Es ist eine Art Anstoßförderung", erklärt sie. Haderlein ist sich sicher, dass wieder viele Schüler das Angebot, ein Instrument zu lernen, annehmen werden. Nicht zuletzt dank des Engagements von Ciprian Popa.

Er beschreibt es schlicht so: "Motivation ist alles". Man müsse die richtigen Stücke auswählen, was den Kindern Spaß macht. Dann könne man auch damit rechnen, dass sie einigermaßen üben.