An Fasching gehen Kindheitsträume in Erfüllung. Wer schon immer mal Arzt oder Polizist sein wollte, hat in der närrischen Zeit die Möglichkeit, sich genau als das zu verkleiden. Doch wie fühlen sich eigentlich die Leute, die jeden Tag in dieser "Verkleidung" unterwegs sind? Was halten sie davon, dass ihre Arbeits- und Einsatz-Kluft nun als Faschingskostüm verwendet wird?

Als Vorsitzender der Handwerkskammer kennt Werner Oppel, Chef des Heizungsbaus Oppel, viele Verkleidungen, die auf Berufe zurückgehen. "Kaminkehrer, die Glück bringen sollen, Maler mit ihren weißen Jacken oder auch wir Heizungsbauer mit den Blaumännern", zählt Oppel auf. "An Fasching kann jeder machen, was er will. Und wenn sich Menschen als Handwerker verkleiden, dann ist das ja auch eine gewisse Art Werbung für uns."
Heutzutage seien die Berufskleidungen auch ordentlicher als früher. "Ich lege da schon wert drauf, dass es sauber ist", sagt Oppel, "nach der Optik wirst du empfangen, nach dem Verstand wirst du entlassen." Deshalb sei es ihm wichtig, dass die Arbeitskleidung gepflegt ist.

"Wenn man mit ordentlicher Arbeitskleidung auftritt, wird man auch mit Respekt empfangen", weiß er. Außerdem glaubt er, dass die Arbeitskleidung auch Außenwerbung für das Unternehmen ist.
"Mittlerweile steht ja fast überall der Firmenname drauf", erklärt Oppel. Deshalb fügt er auch hinzu: "Wenn jemand sich an Fasching als Handwerker verkleiden möchte, kann er gern bei mir einen Blaumann ausleihen."




Josua Flier, Feuerwehrmann: Die Uniform ist keine Verkleidung

Josua Flierl ist Vorsitzender der Forchheimer Feuerwehr. Er habe ein anderes Gefühl, wenn er in die Uniform schlüpft. "Man repräsentiert nicht nur sich als Privatperson, sondern vor allem die Feuerwehr als öffentliche Institution. Dabei schwingt im Hinterkopf natürlich immer mit, dass das eigene Verhalten unmittelbar in Zusammenhang mit der Feuerwehr gebracht wird. Auf der einen Seite macht einen das Tragen schon stolz, auf der andern Seite muss man sich aber jederzeit seiner Verantwortung bewusst sein", findet Flierl.
Er sieht auch, dass Feuerwehrleute in Uniform nicht mehr als Privatperson, sondern eher als "Dienstleister" wahrgenommen wird. Die Öffentlichkeit unterscheide hier nicht zwischen Freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeuerwehren. "Der Bürger hat uns gegenüber eine gewisse Erwartungshaltung und bringt den Feuerwehrleuten auch großes Vertrauen entgegen, wie Umfragen regelmäßig bestätigen", betont Flierl.
Dass eine Feuerwehruniform als Faschingsverkleidung herhalten muss, findet Flierl nicht angebracht. "Wer sich aber gerne als "Held des Alltags" fühlen möchte, ist jederzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Forchheim herzlich willkommen", sagt er, "sollte man sich dennoch für eine Feuerwehrkleidung als Faschingsköstum entscheiden, so sollte diese auch als Verkleidung deutlich erkennbar sein."


Ulrich Kleiner, Arzt: Ein Arzt wird ernst genommen

Seit 2014 operiert der plastische Chirurg Ulrich Kleiner am Forchheimer Klinikum. Seine Arbeitskleidung ist mittlerweile für ihn ganz normal geworden. "Am Anfang war es sehr ungewohnt. Der lange Kittel war auch etwas hinderlich mit all dem Zeugs, was man darin mit sich herumschleppt. Später dann habe ich alle Taschenbücher verbannt und trage jetzt eigentlich nur noch einen Stift mit", sagt er. "Die Reaktion der Patienten ist ganz natürlich, denn wenn man zum Arzt geht, erwartet man auch einen Arzt." Manchmal ist er auch in zivil unterwegs. "Dann entschuldige ich mich hin und wieder bei meinen Patienten- die das aber nicht übelnehmen", sagt Kleiner, "sollte sich jemand beim Fasching als Arzt verkleiden, sollte er nicht den Fehler machen, betrunken Gäste zu behandeln. Ansonsten hab ich nichts dagegen."

Annkatrin Steimle, Flugbegleiterin: "Sexy Stewardess" ist realitätsfern
"Jede Uniform beinhaltet ja eine bestimmte Rolle, in die man schlüpft, wenn man sie anzieht", weiß Annkathrin Steimle, "sobald ich meine Uniform anhabe, bin ich sozusagen im ,Flugbegleiter-Modus'. Dann gilt unsere Uniformtrageordnung und bestimmte Regeln wie zum Beispiel kein Alkohol in Uniform, an dich mich natürlich halte, egal, wo auf der Welt ich mich gerade befinde."

Oft sei die Uniform auch wie eine Art Schutzschild und trenne die Privatperson Steimle von der Dienstperson Steimle. "Wenn zum Beispiel ein Gast sich über etwas ärgert, weiß ich, dass er nicht mich persönlich meint, sondern das, für was ich stehe", sagt die 27-Jährige. "Auch wenn ich mal einen schlechten Tag hatte und abends meine Uniform ausziehen kann, dann kann ich auch gleichzeitig meinen Ärger mit ablegen und mit in den Schrank hängen. Das macht schon vieles leichter."

In Uniform werde sie definitiv anders wahrgenommen. "Die meisten Leute schauen mich aufmerksamer und interessierter an. Vor allem hier zu Hause, wo es nicht viele Flugbegleiter gibt. In München zum Beispiel ist es schon gar nichts Besonderes mehr", sagt die Hausenerin. "Jeder hat eine bestimmte Vorstellung von einer Uniform und dadurch wird das Verhalten anders bewertet. Da mir das bewusst ist, verhalte ich mich in der Öffentlichkeit in Uniform automatisch anders, als ich es inkognito tun würde."

Wegen ihrer Uniform wird Steimle auch anderswo häufig als Ansprechpartner gewählt. "Am Bahnhof werde ich von Leuten gefragt, ob ich denn wisse, auf welchem Gleis der Zug nach XY abfährt. Genauso wenig kenne ich alle Flughäfen dieser Welt samt ihren Flugverbindungen. Durch die Uniform fällt vielen Menschen das ansprechen eben einfach leichter." Wenn sich an Fasching jemand in ihre Uniform schmeißt, findet Steimle das nicht schlimm. "Die meisten Faschingskostüme haben mit der Realität nur wenig zu tun. Gerade das Kostüm ,sexy Stewardess', bestehend aus kurzem, engen Kleidchen mit weitem Ausschnitt und hohen Schuhen, wäre tatsächlich eher unpraktisch beim Arbeiten. Mal ganz davon abgesehen, könnte ich mir nicht vorstellen, darin im Notfall ein Flugzeug zu evakuieren. Mit Sicherheit würden sich aber bestimmt einige Gäste darüber freuen, wenn wir so den Tomatensaft ausschenken würden", sagt Steimle, "irgendwie ist es auch ein Zeichen von Anerkennung, wenn sich jemand als bestimmter Beruf verkleidet. Leider ist das echte Flugbegleiter-Leben dann doch ein wenig unspektakulärer und nicht so glamourös, wie man es sich vorstellen mag. Dafür trage ich meine Uniform sehr gerne den Rest des Jahres." Und an Fasching? "Da gehe ich dann als was anderes!"