Roland Brütting, der Leiter des Verkehrsamtes, ist üblicherweise damit beschäftigt, Staus zu verhindern. Am Dienstag, auf dem Weg zur Arbeit, stand er um 7.30 Uhr plötzlich mittendrin und konnte "eine gefühlte Stunde" lang gar nichts mehr tun. Brütting steckte in der Unteren Kellerstraße fest, aber die ganze Stadt war ein einziger "Riesenstau" geworden.

Auf der Piastenbrücke standen die Autos. Keiner kam mehr auf die Untere Kellerstraße. Vom Norden her war die Bamberger Straße dicht und auch die Adenauer-Allee war "zugestaut".


Lastenreicher Pendelverkehr

Brüttings erster Gedanke: Auf der Autobahn muss ein Unfall passiert sein und nun wird der Verkehr über Forchheim umgeleitet. Doch das Problem war ein anderes und es könnte auch die nächsten Tage noch bemerkbar sein: Die Bahn beginnt mit dem Trassenausbau in Forchheim und hat daher am Güterbahnhof ein Logistikzentrum eingerichtet. Hier lagert die Bahn den Schotter für den ICE-Gleisbau.

Aus fünf Steinbrüchen wird das Material seit Wochenanfang in Richtung Forchheim transportiert. "Das bedeutet, dass 40 Lastwagen täglich im Pendelverkehr unterwegs sind", erläutert Roland Brütting. Während des Tages entzerre sich der Lieferverkehr.

Doch am Morgen, wenn die am Vorabend beladenen Lastwagen gleichzeitig ihre "Sternfahrt" (Brütting) in Richtung Forchheim starten, ist das Verkehrsnetz überlastet. Das war schon am Montag und besonders extrem am Dienstag auf der Eisenbahnbrücke zu beobachten. Dort stauten sich zehn LKW, die darauf warteten, über die Linksabbiegespur in Richtung Hainstraße zu kommen.

"Sauer" war Brütting am Dienstag, als er das ganze Ausmaß des Staus realisierte: "Man hätte schon mal vorher darüber reden müssen." Gestern haben nun Polizei, Deutsche Bahn und Forchheimer Verkehrsamt einen Plan geschmiedet.

Erstens: Die 40 Lastwagen werden zeitlich und räumlich versetzt in Richtung Logistik-Lager in der Hainstraße starten.
Zweitens: Die Bahn hat angeboten, einen Arbeiter in die Hainstraße zu schicken, um den Verkehr zu regeln. "Denn dort wird sich der Verkehr nach wie vor zwicken", ist Roland Brütting überzeugt.

Erhöht wurde am Dienstag das Verkehrschaos durch undiszipliniertes Fahrverhalten. "An den Grundsatz, nicht auf die Kreuzung zu fahren, wenn man sie nicht wieder verlassen kann, hält sich heute ja keiner mehr", bedauert Brütting. Daher stauten sich die Fahrzeuge beispielsweise auch in der Kreuzung am Zentralkauf. Die Polizei schickte eine Streife, um für Entwirrung zu sorgen.

Spätestens nächste Woche soll sich das Stauproblem aber von selbst lösen: Dann nämlich, so hat es ein Bahn-Sprecher angekündigt, stehen der Bahn weitere Lagerflächen rund um Baiersdorf zur Verfügung.