Die Gemeinde Leutenbach kommt aus dem Feiern nicht heraus. 2007 feierte man das tausendjährige Bistumsjubiläums mit einem "Millenniumslauf", vor wenigen Wochen beging die Landwehr ihr 200-jähriges Bestehen, nun geht es wieder um 900 Jahre. Denn 1112 wurde das Geschlecht der Edelfreien von Leutenbach erstmals urkundlich erwähnt.

Toni Eckert entführte mit seinen beiden Vorträgen die Zuhörer in das Jahrhundert der Salier. Damals wurde Leutenbach oberhalb der heutigen Kapelle Sankt Moritz von einer imposanten Burg dominiert. Wie diese Burg einmal ausgesehen haben könnte, war im Eingangsbereich des Pfarrheims zu sehen, wo nach historischen Vorgaben, Überfliegungen und maßstabsgerechten Vermessungen ein Modell gebaut worden war.
Die Geschichte der Edelfreien von Leutenbach, die ursprünglich aus dem Burgund stammten, ließ Eckert mit dem Investiturstreit beginnen, der mit Kaiser Heinrichs IV. Bußgang nach Canossa endete, um den päpstlichen Bann zu lösen. Engilhard liber homo de Ludunbach trug als Salmann (Treuhänder) von dessen Sohn Heinrich V. den Namen Leutenbach in seinem Familienamen, als er die Burg Albewinistein (wird in der Gegend um Betzenstein vermutet) an Bamberg und Bischof Otto I. verkaufte.

Der Vorname Friedrich wurde zu einem Leitnamen für die gesamte Familie der in der päpstlichen Urkunde "milites" (Grafen bzw. Edelfreie) Genannten und wurde bestimmten Geschlechtern zugewiesen - Arnstein, Walpoten, Aufseß, Waischenfeld, Schönfeld und Leutenbach. Von diesen Geschlechtern besteht heute nur noch eines, das derer von Aufseß.

Adelige Zuwanderer


Woher kamen diese Leute, die im 11. Jahrhundert häufig als Burgengründer auftraten? Es gab zwei Wellen adeliger Zuwanderung, die erste im 7. Jahrhundert im fränkischen Kampf gegen den Slawenkönig Samo und rund 100 Jahre später, als an der Regnitz fränkische Adelsgeschlechter den Jura in Besitz nahmen. Um 1100 hatte dieser Radenzgau die Ausdehnung des heutigen Oberfranken erreicht, den sich etwa 25 edelfreie Geschlechter untereinander aufteilten. An ihrer Spitze standen die Walpoten, die Leutenbacher standen in der Hierarchie, was Macht, Besitz und Ansehen betraf, relativ weit oben, an neunter oder zehnter Stelle. Bis 1203 werden in den Urkunden zehn Familienmitglieder genannt, dann verschwindet das Geschlecht im Dunkel der Geschichte. So erloschen die Reifenberger 1100, die Schlüsselberger 1347.

Ausgestorben, so Eckert, seien die Edelfreien wohl deshalb, weil sie bis zum 13. Jahrhundert keine Ehen mit Ministerialen zuließen. Eine noch unbewiesene Möglichkeit sei aber auch, dass die Leutenbacher am vierten Kreuzzug (1202 - 1204) teilnahmen und von dort nicht mehr zurückkehrten.

In karolingischer und ottonischer Zeit wurden Burgen zumeist als turmlose große Wallanlagen errichtet - in dieser Region sind dies der Hetzlas und der Hummerstein bei Gasseldorf. Die Festungen im Forchheimer Land entsprachen in ihrer Spornlage der Neideck und entstanden erst im 12. Jahrhundert unter den Staufern. Der größte Turmhügel dieser Art steht oberhalb von Ebermannstadt an der Straße zum Feuerstein. Ende des 11. Jahrhunderts entstanden Burgen in Gößweinstein, Waischenfeld und Pottenstein. Der Edelfreie Wirnt von Waischenfeld wurde 1078 im gleichen Atemzug mit Friedrich von Leutenbach erwähnt.
Der Forchheimer Kulturreferent Dieter George deutet Leutenbach als "Siedlung am lauten Bach". Folglich müsse der Ort vor 900 entstanden sein, eine Besiedlungstheorie, die sich auch mit der von Eckert deckt.