Seit zehn Jahren unterstützt die Grundschule in Langensendelbach mit Patenschaften für zwei Kinder die Hemalata-Waisenhäuser in Indien. Das reicht den Viertklässlern jetzt aber nicht mehr: Jetzt wollen sie mit dem Verkauf eines selbst verfassten Geschichtenbuchs ihren beiden Patenkindern - dem Jungen Vinoth Kumar und dem Mädchen Kalaiselvi - weitere Zuwendungen zukommen lassen.
Mit der Aktion beweisen Rektorin Beate Gerlich und die beiden Klassenlehrerinnen Silke That und Kerstin Neubauer zusammen mit den begeisterten Kindern, wie unkompliziert es bisweilen sein kann, Not leidenden und hilfsbedürftigen Menschen zu helfen.
Zu helfen haben sich Irmgard Casteluhn und ihr Mann Dieter seit 50 Jahren zu ihrer Aufgabe gemacht. Zu jener Zeit lebten sie berufsbedingt zehn Jahre lang im indischen Bomnay. Im Angesicht der vielen ausgesetzten Babys und Straßenkinder haben sie sich dann entschlossen, den Armen zu helfen.
Seit nunmehr 24 Jahren leitet das Ehepaar das Hemalata-Projekt, das sich zur Aufgabe gemacht hat, über 300 Kindern zwischen einem und sechzehn Jahren eine Heimstatt zu geben. Dort werden sie bis zum Ende ihrer Berufsausbildung ganztägig betreut.
Dort können sie Kindergärten, Schulen und Lehrwerkstätten besuchen. All das ist nur möglich dank Spenden aus dem Ausland. Denn der indische Staat selbst unterstützt das Projekt nicht. Irmgard Casteluhn versichert, dass schon verhältnismäßig kleine Zuwendungen genügen, um effektiv arbeiten zu können. "Bereits mit der Übernahme einer Patenschaft für 25 bis 30 Euro monatlich kann die Arbeit in den Hemalata-Häusern wirkungsvoll unterstützt werden", sagt sie.

Nur eine Geschichte

Als die beiden Langensendelbacher Lehrerinnen im November vergangenen Jahres ihre Buben und Mädchen mit der Idee eines Geschichtenbuchs konfrontierten, waren die gleich Feuer und Flamme. Jeder Langensendelbacher Schüler stand somit vor der Herausforderung, eine Geschichte rund um den Babyelefanten "Kaito", den Affen "Raudi" und den Löwen "Hadibar" zu schreiben.
Der neunjährige Luis Schlömer aus der 4b erinnert sich daran, dass die Idee, den Verkaufserlös des Buchs der Hemalata-Stiftung zugute kommen zu lassen, von einer Mitschülerin gekommen war.
Deren Eltern engagierten sich bereits seit Längerem für die indischen Waisenhäuser. "Ich habe mir dann eine Geschichte mit dem Titel "Rechtzeitige Hilfe" ausgedacht, bei der Kaitos und sein Freund Raudi durch einen Sturm in Treibsand gerieten und nur durch das schnelle Helfen des Panda-Vaters noch rechtzeitig herausgezogen werden konnten." Gerade einmal eine Stunde hat Luis gebraucht, sich die Geschichte auszudenken und anschließend auf das Papier zu bringen.

Reine "Ehrensache"

Für die gleichaltrige Luise Wiesbeck aus der Klasse 4a war es ebenfalls "Ehrensache", den Kindern in Indien zu helfen, die keinen Fernseher zuhause haben, sich keine Bonbons und Schokolade leisten und keine schicken Klamotten tragen können.
"Ich habe mir eine Geschichte rund um ein unheimliches Gewitter ausgedacht, bei der der kleine Elefant Kaito, ebenfalls bei einem furchtbaren Gewitter, ein unheimliches Quieken vernahm, das von einem kleinen, verängstigten Entchen hinter der Türe mit Namen Lena kam", berichtet sie.
Das Formatieren und Binden des Buchs hat eine Schülermutter übernommen, und dafür auch kein Geld verlangt. Das hat den Schülern die Gelegenheit gegeben, den Verkaufspreis von fünf Euro in vollem Umfang an die Hemalata-Stiftung zu geben. Abzüge gab es keine.
Es hat nur wenige Minuten gedauert, bis die gesamte Auflage von 70 Exemplaren vergriffen war. 350 Euro fließen damit jetzt aus Langensendelbach zu bedürftigen Kindern nach Indien.