Kreis ForchheimDominik Bigge, der Klimaschutz-Manager des Landkreises, stimmte die Kreisräte im Bauausschuss auf das Thema Elektromobilität ein. Politik und Verwaltung im Kreis Forchheim scheinen sich einig zu sein: Bei der Transformation zu einer post-fossilen Mobilität soll den E-Autos eine besondere Rolle zukommen.


Henne-Ei-Problem gelöst

Wie Landrat Hermann Ulm (CSU) anmerkte, wolle sich der Landkreis auch von einem "Henne-Ei-Problem" befreien; denn solange es nicht genügend E-Tankstellen gebe, würden viele nicht auf E-Autos umsteigen - und wenn nur wenige E-Autos herumfahren, werde niemand in die Ladestationen investieren wollen. Daher sieht Hermann Ulm das "Ausbaukonzept für die Lade-Infrastruktur" als "Startschuss und als Anschub für die Gemeinden".

Der Ingenieur und Städteplaner Leonhard Valier vom Büro für Städtebau in Bamberg stellte dem Bauausschuss am Mittwoch das Ergebnis seiner Standort-Forschungen durch.

Das Konzept wird von der Regierung von Oberfranken mit 60 Prozent bezuschusst. 30 Prozent übernimmt der Landkreis und zehn Prozent die Gemeinden des Landkreises.

Wie Leonhard Valier sagte, hätten die Mitarbeiter seines Büros in den 29 Kommunen des Landkreises 153 Standorte für Ladesäulen "identifiziert". Wobei die Priorität der Standorte unterschiedlich sei, weil sich nur 99 auf kommunalen Grundstücken befänden. 73 davon könnten laut Valier "mit der Städtebauförderung realisiert werden".

Hans-Jürgen Nekolla, SPD-Kreisrat und Gräfenberger Bürgermeister, lehnte es ab, Ladestationen "bei Lebensmittelmärkten auf der grünen Wiese aufzustellen". Die mit öffentlichen Geldern geförderten E-Tankstellen sollten der "Stärkung der Innenstädte" dienen, meinte Nekolla. Das war dann auch Konsens im Kreis-Bauausschuss.

Städteplaner Leonard Valier hält es "für realistisch", dass in den nächsten zwei bis drei Jahren 29 Ladesäulen entstehen - also in jeder Kreis-Kommune eine. Damit würde der Landkreis die Ziele der Bundesregierung unterstützen, die sich darum bemüht, dass bis 2020 in Deutschland eine Million elektrisch angetriebene Kraftfahrzeuge zugelassen sind. Im Jahr 2030 soll der Anteil der Zulassungen etwa 15 Prozent betragen, das wären sechs Millionen Fahrzeuge.

Der Landkreis Forchheim ist aktuell Spitzenreiter in Oberfranken, was die Zulassungen von E-Autos betrifft. Im Jahr 2010 waren zehn Elektrofahrzeuge im Landkreis angemeldet, 2014 waren es 40, im Juni dieses Jahres waren es über 80. "Gut, dass wir Dynamik in das Thema reinbringen", freute sich auch die Grünen-Kreisrätin Lisa Badum. Ein "sehr guter Schritt" sei der Ausbau der Lade-Infrastruktur auch deshalb, weil man die Gemeinden mit dem Thema E-Mobilität nicht alleine lassen könne: "Der Kreis muss es angehen."


Ein Viertel gefördert

Nachdem die Kreisräte das Konzept des Städtebau-Büros aus Bamberg für gut befunden hatten, stimmten sie auch dem dazu passenden Antrag der CSU zu: Die hatte die Förderung der E- Tankstellen gefordert. Rund 10 000 Euro kostet ein "Blechkasten" und die entsprechende Installation. Etwa ein Viertel so einer Ladestationen wird nun vom Landkreis bezahlt.