Die Studenten lauschten aufmerksam, als Peter Landendörfer aus seiner Praxis als Landarzt in Heiligenstadt erzählte. Seit etwa zehn Jahren lädt Landendörfer, der einen Lehrauftrag am Institut für Allgemeinmedizin an der Technischen Universität München (TUM) innehat, zu einem Exkurs nach Heiligenstadt und Bamberg zum Thema "Alter Mensch beim Hausarzt" ein.

Am vergangenen Freitag trafen die angehenden Mediziner in Heiligenstadt ein und wurden in ihre Unterkunft im "Haus Hofknecht" der Familie Bäßler in Oberleinleiter gebracht. Nach einem gemütlichen Abendessen und Berichten von Peter Landendörfer hielt Birgit Dietz, die Dozentin an der TUM an der Fakultät für Medizin und der Fakultät für Architektur ist, den Vortrag "Wo geht es denn hier zum Klo?". Dietz entwickelt derzeit mit Kollegen einen Leitfaden für ein demenzsensibles Krankenhaus, da etwa 40 Prozent aller über 65-jährigen Patienten in Allgemeinkrankenhäusern kognitive Störungen aufweisen.


Schnell ausgebucht

Am Samstag ging es dann nach Bamberg ins Zentrum für Altersmedizin, um praktische Erfahrungen zu sammeln. "Wir bieten 13 Plätze hierher an. Die sind in zehn Minuten ausgebucht", erzählte Peter Landendörfer.
Dem Arzt liegt die Geriatrie am Herzen. "Die wird an der Uni nur theoretisch gelehrt. Das ist etwas dürftig. Hier treffen die Studenten mit Altenpflegern, Physiotherapeuten oder Logopäden zusammen und tauschen sich aus. So wie das später mal als Hausarzt sein wird", erklärte der Allgemeinmediziner.

Wichtig sei es, dass sich der Arzt für den alten Menschen mehr Zeit nimmt, gut beobachtet und auch seine Intuition einsetzt. "Die Domäne eines Hausarztes ist die erlebte Anamnese, denn man wird mit dem Patienten gemeinsam alt und kennt seine Familienverhältnisse", berichtete Landendörfer. Er weiß, dass etwa 80 Prozent der Pflegebedürftigen noch zu Hause versorgt werden. Hier sei der Hausarzt gefragt, der mit dem Team der Sozialstation und der Familie den Patienten gemeinsam betreut.

"Als Hausarzt bist du auch für die quartäre Prävention verantwortlich, das Vermeiden unnötiger medizinischer Maßnahmen und dem Schutz vor Über- oder Untertherapie", erklärte der Hausarzt. Denn weniger helfe manchmal mehr. Den angehenden Medizinern erzählte Landendörfer, dass er sich für seine älteren Patienten besonders viel Zeit nehme, da viele alte Menschen an Einsamkeit leiden und den Besuch beim Hausarzt zur Kommunikation nutzen.

Eine der angehenden Medizinerinnen ist die 22-jährige Julia Mutschlechner: "Ich fand Doktor Landendörfer schon beim Vorbereitungsseminar richtig nett. Er kann so viel aus der Praxis erzählen." Sie selbst interessiert sich für Naturwissenschaften und die Funktionalität des menschlichen Körpers. "Es gibt immer mehr ältere Patienten, deshalb ist dieses Seminar so interessant", erklärte Julia Mutschlechner.

Benny Flad ist 32 Jahre alt und arbeitete vor seinem Medizinstudium 15 Jahre lang im Rettungsdienst. "Es war schon immer mein Ziel und Wunsch, als Arzt zu arbeiten", erzählte der angehende Mediziner.
Er findet, dass Landendörfers Seminar lebhaft, interessant und praxisnah ist. Von seiner späteren Arbeit hat er eigene Vorstellungen: "Ich kann mir gut vorstellen als Landarzt zu arbeiten, denn, ich möchte einen ruhigen Umgang mit meinen Patienten haben."


Faszinierender Umgang

Die 21-jährige Sabrina Wecker wollte schon immer anderen Menschen helfen und unterstützt schon seit Jahren soziale Projekte. Sie ist am Land aufgewachsen und möchte dort später als Ärztin tätig werden, weshalb sie sich sehr für Landendörfers Erfahrungen interessiert.
Der 30-jährige Daniel Kolb studiert Medizin "aus genereller Faszination von Abläufen am Menschen und der Möglichkeit, Menschen helfen zu können." Er möchte jedoch zunächst in der Intensiv- und Notfallmedizin arbeiten.