Es sieht aus wie im "Wilden Westen". Die Hütten bestehen aus ein paar Metallstreben, darüber Wellblech, das teilweise bereits einen Blick in den blauen Himmel preisgibt. Die Seitenwände sind eingefallen, die Fenster zersplittert. Die Balken sind morsch. Auf einer Metalltreppe tritt der Benutzer nach drei Stufen ins Leere, weil die restlichen Trittbretter fehlen.
Diese Abenteuerlandschaft liegt nicht irgendwo westlich des Mississippi, sondern mitten in Forchheim. Es handelt sich um die alte Laderampe des ehemaligen Forchheimer Güterbahnhofes, wo einst die landwirtschaftlichen Geräte der Maschinenfabrik Martin Frick verladen wurden. Die verrosteten Fenstersprossen geben einen ungewohnten Blick frei auf die Pfarrkirche St. Johannis. Wer das Areal betritt, fühlt sich wie in einer "Geisterstadt", ein Ort, der im Schatten einstigen Glanzes steht. Wäre da nicht der Lärm der vorbeifahrenden Autos, könnte man das Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit genießen, wenn der Wind durch die Ruine der ehemaligen Laderampe pfeift.
Die nördlich der Laderampe gelegene Halle ist mittlerweile abgerissen. Allerdings zeugen zerbrochene Metallrohre mit messerscharfen Kanten, die senkrecht in die Luft ragen, dass hier rohe Kräfte am Werk waren. Nichtsdestotrotz ist das Gelände sowohl von der Hainstraße her als auch vom ehemaligen Güterbahnhof her frei zugänglich. Eine Einladung an alle Abenteurer, verbunden mit nicht unerheblichen Gefahren.
Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes zwischen der Eisenbahnbrücke und dem Fußgängersteg an der Neuenbergstraße gehört der Deutschen Bahn AG. Von ihr hat der Forchheimer Logistiker Pohl Stellflächen für seine Lkw gemietet. Inklusive der ungenutzten Laderampe.
Seitens der Stadt werden die gravierenden Sicherheitsmängel offenbar ignoriert. "Das gehört uns nicht, das geht uns nichts an", zitiert Pressesprecherin Franke Struve die zuständige Mitarbeiterin des Liegenschaftsamtes. Die 1700 Quadratmeter große Fläche zwischen der Hainstraße und der Laderampe mit der Werkhalle der früheren Firma Frick gehört seit Mai 2013 den Forchheimer Stadtwerken. Dort soll ein Sammler für den überlasteten Kanal der Neuenbergstraße entstehen. "Wir müssen dafür sorgen, dass von unserem Gelände aus kein Zugang auf die Laderampe möglich ist", zeigt sich Michael Schlosser von den Stadtwerken einsichtig. "Eigentlich sollte das längst sichergestellt sein", findet Schlosser.

Bahn kann nur "auffordern"

Ab der Hangkante gehört das Areal der DB Netz AG. Die hat es im Mai 2000 an die Firma Pohl verpachtet. "Die Sicherungspflicht liegt beim Mieter", unterstreicht ein Sprecher der Bahn. Die Bahn sei nicht berechtigt "die mietereigenen Anlagen zu betreuen" oder instandzuhalten. "Wir können den Mieter lediglich auffordern, seiner Sicherungspflicht nachzukommen", so der Bahnsprecher.
Seitens der Firma Pohl war in den letzten vier Tagen keine Stellungnahme zu erhalten. Die einzige Auskunft am Telefon: Die Sache werde der Firmenleitung zur Kenntnis gebracht.