Kunstradfahren ist eine Sportart, die nicht nur viel Kraft und Konzentration braucht, sondern die auch sehr ästhetisch ausschaut. Da ist der seltene und relativ unbekannte Sport oftmals ein großer
Hingucker, wenn die Vereinsmitglieder von RMSV Concordia Kirchenehrenbach zeigen was sie können.
"Diesem Sport sollte mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden!", davon ist Claudia Schütz überzeugt. Doch da es dem Sport in den 1960er Jahren nicht gelungen ist, eine olympische Disziplin zu werden, sind Sponsoren nur schwer zu finden und die breite Masse kennt die Sportart oft gar nicht. In Europa gibt es nur ungefähr drei oder vier Länder, die Kunstradfahren qualitativ hochwertig betreiben. "Dabei liegt Deutschland absolut an der Spitze," erzählt Marion Leisner. Sie ist Trainerin der Einradfahrer. "Aber die Asiaten ziehen langsam nach: Malaysia, China und Japan sind inzwischen sehr gut im Kunstradfahren," ergänzt Trainerin Daniela Meixner.
Doch der relativ großen Unbekanntheit ihrer Sportart können die Kirchenehrenbacher fast nur Gutes abgewinnen: "Konkurrenz gibt es nur in den fünf Minuten der Kür," erzählt Andrea Kohl. "Die verschiedenen Vereine unterstützen sich gegenseitig bei den Wettkämpfen. Es kam schon vor, dass jemand von unserem Verein einen platten Reifen hatte und sich dann mal eben das Vorderrad bei der Konkurrenz ausgeliehen hat, um die eigene Kür fahren zu können," erzählt sie weiter.
Auch Daniela Meixner sieht das eher positiv. "Auch beim Kunstradfahren gibt es einen Weltmeister, aber der ist nicht, wie beim Fußball oder Basketball, für unsere Jugendlichen in weiter Ferne. Den amtierenden Weltmeister David Schnabel kann man regelmäßig auf Wettkämpfen treffen und mit ihm sprechen und sich mit ihm austauschen. Das spornt oft viel mehr an, als Idole, die von vornherein unerreichbar sind".
Auch wenn der Sport recht gefährlich aussieht, ist das Verletzungsrisiko eher gering. "Wir sind immer mit dabei und halten die Trainierenden so lange fest, bis wir nicht nur zu 100 Prozent, sondern zu 150 Prozent sicher sind, dass sie es allein können," erklärt Daniela Meixner. "Außerdem zeigen wir ja auch, wie man fallen muss und wir Trainer wissen ja genau, was zu tun ist. Sollten wir merken, dass jemand auf dem Rad ins Straucheln kommt, ziehen wir es blitzschnell weg, damit keiner ins Rad fällt. Oft sind wir Trainer also diejenigen, die sich dabei dann die blauen Flecken holen," lacht Christine Pieger.
Mit den teuren Kunsträdern sollte nur in der Halle gefahren werden. Bei anderem Untergrund ist die Gefahr zu groß, dass die sensiblen Spezialreifen beschädigt werden. "Außerdem ist ein Kunstrad schlichtweg nicht verkehrssicher. Es hat keine Lichter, ist ohne Gangschaltung und hat vor allem keine Bremsen," erklärt die 13-jährige Melissa. "Deshalb sind bei uns auch Jugendfreizeiten echte Jugendfreizeiten ohne Training, sondern eine Zeit, in der es nur darum geht, dass die Kinder Spaß haben und gemeinsame Zeit miteinander verbringen. Schließlich ist das Training doch sehr auf den Einzelnen fokussiert," erklärt Trainerin Meixner. Dann stehen Klettergärten, Nachtwanderungen und Abenteuerspielplätze auf dem Programm. Auch die nächste Jugendfreizeit wird wohl ein großes Abenteuer ohne Räder - es geht nach Rust.