Das Stadtoberhaupt Hans-Jürgen Nekolla (SPD) bleibt am Rednerpult stehen, überlässt es seiner Ratskollegin Renate Krause (FW) zusammen mit dem Bildhauer Wolfram von Bieren, zwei Kunstwerke am Beginn der Stufen zum Kriegerdenkmal zu enthüllen. Damit würdigt Nekolla in hohem Maße Krauses Engagement, mit Wolfram von Bieren einen Künstler gefunden zu haben, der die Pläne der Stadt, ein unvergängliches Friedenszeichen zu setzen, umgesetzt hat: zwei Friedensbotschaften in den beiden Handläufen.

Die gemeinsamen Aktionen Engagierter sollen im Vordergrund der kleinen Feierstunde stehen. "Die meisten haben die rund 60 Aufmärsche miterlebt, die das Leben praktisch zum Erliegen brachten", erinnert Bürgermeister Nekolla an die wöchentlichen Aufmärsche der rechten Szene bis 2009, "durch den kreativen Widerstand haben wir deutliche Zeichen gesetzt und gezeigt, dass wir den längeren Atem haben."

Ein Mahnmal

Kopfnicken bei den Gästen, Stadträten, Bürgern, Vertretern des Bürgerforums und der Kirchen sowie dem Chor der Realschule Gräfenberg und dem Posaunenchor, die diese feierliche Enthüllung musikalisch umrahmen. "Für wen sind Kriegerdenkmäler?", fragt Manfred Schwab, Autor und Mitglied des Bürgerforums. Denkmäler seien für alle da. Kriegerdenkmäler seien Geschichtsbücher für die, die daraus lernen wollen. Und Kriegerdenkmäler seien Mahnmale. Die Botschaft seines Gedichts sorgt für Totenstille. Auch eine Schülerin beendet eine kurze Geschichte mit den Worten, dass oft vielleicht nur eine Stimme zum Frieden in der Welt fehle.

Eine Stimme für den Frieden sollen die beiden Handläufe am Fuße der 276 Treppenstufen zum Kriegerdenkmal sein. Die Namen der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg sind in den Tafeln am Kriegerdenkmal verewigt. Diese Gefallenen zu würdigen, das war der Beginn der Neonazi-Aufmärsche. Wie genau das aussah, daran erinnert Schwab in seinem Beitrag in dem Buch "NSX". Über 60 Autoren aus Deutschland haben Texte über und gegen die Neonazis geschrieben.

Schwab liest seine Erfahrungen und Erinnerungen über die Aufmärsche und vor allem des Widerstands vor. "Wir wollen Braune nur im Weckla", stand beispielsweise auf einem Plakat am Grill der Nazigegner. Bei weiteren Aktionen seien sie des Verstoßes gegen das Vermummungsverbot bezichtigt worden, erinnert Schwab, der dann den Bogen zum Vorhaben, aus dem Kriegerdenkmal ein Friedensdenkmal zu gestalten, spannt: zwei Handläufe an der angedeuteten Friedenstreppe am Jägersberg.

Genau dort haben die Neonazis zuerst ihre Reden gehalten, auf Trommeln geschlagen. Daran erinnert Günter Pierzdig vom Gräfenberger Bürgerforum in seiner Rede. Er lässt die vielen Aktionen und Reaktionen, auch das Verhalten der Polizei und die Verzweiflung so manchen Bürgers Revue passieren. "Wir merkten, dass es Spaß machte, die Demokratie zu verteidigen", sagt Pierzdig.

Vor allem der Handlauf an der rechten Seite der Stufen zum monumentalen Denkmal versinnbildlicht diese Demokratie. Er ist waagrecht angebracht, deutet an, dass alles in der Waage liegen soll. Betont wird dieses Gleichgewicht durch die Friedensbotschaft, die Wolfram von Bieren dort verewigt hat mit dem Spruch des Propheten Jesaja: "Und Frieden wird sein der Gerechtigkeit Frucht."