Die Grundlage für das 40-seitige Werk ist eine "Kriegschronik" des Ersten Weltkrieges, die der damalige Ortspfarrer Johannes Bergdolt 1914/15 verfasst hat. Sie liegt seither im Archiv der Pfarrgemeinde Affalterthal und führte ein mehr oder weniger unbekanntes Dasein.

Die Chronik war zwar schon Pfarrer Hans-Jürgen Johnke bekannt, aber erst sein Amtsnachfolger Pfarrer Michael Maul, 31 Jahre, unterzog sich der Mühe, Seiten daraus zu studieren und zu "übersetzen", um eine Predigt zu verfassen. So kam dieses Dokument in das Bewusstsein der Ortsbürger.

Der Vorstand des Heimatvereins Affalterthal als Hüter der Dorfgeschichte entschloss sich daraufhin, daraus eine Heimatkundeschrift zu gestalten. Einerseits, um an die Toten des Ersten Weltkrieges zu erinnern, andererseits, um das Leben damals vor 100 Jahren näher zu beleuchten.

Kaum einer kann heute noch nachvollziehen, wie das Leben 1914 war, als Deutschland in den Krieg gezogen ist und in der Folge Millionen deutsche Soldaten einen Gestellungsbefehl erhielten. Es war die Zeit, als es noch einen Deutschen Kaiser, Wilhelm III., gab und ein bayerischer König über das Volk regierte.

Aus der Kirchengemeinde Affalterthal hatte die Militärbehörde 132 Männer - 44 davon aus Affalterthal - einberufen. Sie mussten in den Krieg, vor allem nach Nordfrankreich, ziehen. Von den 44 Männern sind 19 "auf dem Feld der Ehre", wie es damals von offizieller Seite aus hieß, gefallen. Für jeden Gefallenen hat Pfarrer Bergdolt und sein Nachfolger Pfarrer Spieß zu Hause einen Trauergottesdienst gehalten, in dessen Verlauf er aus dem Leben des Verstorbenen berichtete.

Die Lebenserinnerungen an die 44 Gefallenen stützen sich auf die Erzählungen der Verwandten und die Militärakten. Der Lebenslauf der gefallenen Soldaten fand nach dem Gottesdienst Eingang in die Affalterthaler Kriegschronik und blieb daher erhalten.


Telegramm wurde erwartet

Alles begann am 1. August 1914. Pfarrer Bergdolt brachte aus Egloffstein die Nachricht mit, dass Deutschland in den Krieg ziehe und die Generalmobilmachung erfolge. Im Wirtshaus Förtsch, der Telefon- und Telegrafenstelle des Dorfes, erwarteten die Männer die Ankunft des Telegramms.

Das ist prompt abends um halb neun gekommen und wurde vom Pfarrer verlesen. In ihm sind alle wehrfähigen Männer in die Kasernen beordert worden. Den Ernst der Lage erkannten die Affalterthaler Soldaten daran, dass auch der Landsturm mit den schon gedienten älteren Soldaten ebenso in die Kasernen einberufen worden waren.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, fand der Abschiedsgottesdienst für alle Soldaten in der Kirche statt. Danach trafen sich die Soldaten im Pfarrhaus, um mit dem Pfarrer gemeinsam ein letztes Mal zu beten. "Es überwiegte dabei der Ernst der Lage und das Gefühl, dass den Ausziehenden Schweres bevorstand", so heißt es dazu in der Chronik.

Bald waren die Männer fort und alle Arbeit lastete auf den Frauen, Kindern und den Alten. Sie leisteten unter anderem Feuerwehrdienst, bedienten die schweren Maschinen. Die Feldarbeit blieb auch an ihnen hängen. Sogar an Sonntagen ist auf den Feldern gearbeitet worden, so dass sich der Pfarrer manches Mal über mangelnden Kirchenbesuch beklagte. Leidtragende waren vor allem die Kinder. Die Schule fiel meist aus, weil auch die Lehrer fort waren, das Bezirksamt hat sogar die Sommerferien bis Ende Oktober verlängert, damit die Ernte rechtzeitig vor dem Winter eingefahren werden konnte.

Und es dauerte nicht lange, bis die ersten Todesmeldungen von gefallenen Soldaten eintrafen und Trauer verursachten. Konrad Förtsch war der erste gefallene Soldat aus Affalterthal. Schon bei einem Gefecht am 21. August in Nordfrankreich hatte ihn eine Gewehrkugel tödlich getroffen. Mit ihm verlor sein Vater einen Schuhmachergehilfen und die Gemeinde Affalterthal den Wasserwart und Dreschmaschinenbediener.

Manchmal starben Soldaten auch an harmlosen Verletzungen wie Fritz Dorn, der wohl nur einen Streifschuss in die Hand bekommen hatte. Im Lazarett, wo Sanitäter die Wunde versorgten, hatte er sich eine Infektionskrankheit eingefangen, an der er verstarb. Schicksale dieser Art zeigen sich viele in der Kriegschronik, was deren historischen Wert steigert. Schließlich bringt sie Licht ins Dunkel vieler Ereignisse. Distanziert betrachtet schreibt Pfarrer Bergdolt in den Vorbemerkungen zur Chronik: "Dass die Schattenseiten manchmal stärker hervortreten als die Lichtseiten, bedrückt uns selbst. Aber ich glaube, es der geschichtlichen Wahrheit schuldig zu sein, diese nicht zu beschönigen."
Ergänzt wird die Schrift mit der Geschichte der Affalterthaler Kirchenglocken, die im Ersten Weltkrieg teilweise als Rohstofflieferanten abgeliefert werden mussten. Die Affalterthalerin Erna Backof, die seit 20 Jahren als Mesnerin der Kirche dient, hat ein einfühlsames Gedicht über die Läute-Zeiten der Glocken verfasst hat. Es ist ebenfalls in der Schrift abgedruckt. Die Kriegschronik wird ab dem 1. Mai in der Affalterthaler Kirche nach dem Gottesdienst für Interessierte zum Mitnehmen bereit liegen.