Auf den Landkreis Forchheim kommt demnächst eine neue Millionen-Investition zu. Mit nur einer Gegenstimme beschloss der Kreisausschuss auf seiner jüngsten Sitzung, das Amtsgebäude in der Löschwöhrdstraße zu verkaufen und dafür einen Neubau zu planen.

Landrat Hermann Ulm (CSU) hatte bereits vor der Abstimmung seine Haltung klar gemacht: "Das Thema beschäftigt uns schon seit Jahren. Nun sollten wir gründlich alle möglichen Varianten prüfen. Wir brauchen nun eine Grundsatzentscheidung, denn jede Verzögerung kostet den Kreis Geld."

In schlechtem Zustand

Hintergrund für die Entscheidung ist, dass das alte Amtsgebäude mit dem Amt für Abfallwirtschaft, der Kommunalaufsicht, Teilen des Jugendamtes und dem Kreisjugendring in einem schlechten Zustand ist.

Das Dach ist nicht gedämmt, die Böden herunter gekommen, Wände sind feucht und der Brandschutz mangelhaft. Außerdem ist das Haus nicht barrierefrei und es müsste aufwendig mit Aufzügen ausgerüstet werden. Reinhold Göller, Jurist am Landratsamt, erläuterte dem Kreisausschuss, was die unterschiedlichen Varianten wie Sanierung sowie ein abgespeckter und ein aufwendigerer Neubau kosten würden. Demnach müsste für einen Umbau mit aufwendiger Sanierung rund 3,9 Millionen Euro eingeplant werden.

Ein Ersatzbau neben dem Landratsamt für die gleiche Zahl von Mitarbeitern, die heute im Löschwöhrd-Anwesen tätig sind, würde laut Göller 4,75 Millionen Euro kosten - abzüglich einer Million Euro, die der Verkauf des alten Standortes bringen würde. Für die dritte Alternative, ein Neubau mit Platz für bis 91 Kreis-Angestellten, müssten zwischen 6,8 und 7,5 Millionen Euro einkalkuliert werden.

Göller war sicher, dass diese Schätzungen in die richtige Richtung gingen. So koste nämlich die Erweiterung des Landratsamtes Ansbach für rund 100 Mitarbeiter 6,5 Millionen Euro. CSU-Fraktionssprecher Edwin Dippacher lehnte in der Aussprache eine Sanierung ab: "Nun müssen wir aber weiter vertiefen, wie groß ein Neubau sein muss. Unsere eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt."

Beruhigendes von der Kämmerin

Dem schloss sich auch Wolfgang Fees von der SPD an. Er gab aber zu bedenken, ob für eine solch große Investition der Kreis überhaupt genügend Geld zur Verfügung habe. Schließlich gebe es ein jährliches Minus von zwei Millionen Euro im Haushalt des Landkreises Forchheim. "Ein überschuldeter Privathaushalt kann sich auch nicht ein Haus leisten, ein neues Auto, einen Urlaub und eine schicke Küche", ergänzte er. Hier konnte ihn aber Kämmerin Carmen Stumpf beruhigen: "Eine solche Finanzierung wird sich über viele Jahre erstrecken, aber sie ist grundsätzlich machbar." Dank spezieller staatlicher Kreditprogramme belaufe sich die Zinsbelastung auf nur 0,2 Prozent bei einer Dauer von zehn Jahren.

Viele offene Fragen

Franz Schmidtlein von den Freien Wählern bat alle Beteiligten um eine sorgfältige Abwägung und warnte ebenfalls vor den hohen finanziellen Mühen. Karl Waldmann, Fraktionschef der Grünen, kritisierte die Diskussion und stellte in Frage, ob denn wirklich alle Ideen durchdacht seien: "Es gibt viele offenen Fragen. Zudem ist auch nicht geklärt, welche Zusatzkosten während der Bauphase auf den Kreis zukommen."

Hier nannte er Mietzahlungen in Höhe von bis zu 100 000 Euro pro Jahr. Doch Landrat Ulm entkräftete solche Befürchtungen: "Wir können schließlich auch nach einem Verkauf bis zur Fertigstellung eines Neubaus im Löschwöhrd-Anwesen bleiben und sparen uns so eine hohe Miete."

Es gibt schon heute zahlreiche Projektentwickler, die Interesse am Kauf des Gebäudes mit seinen über 2000 Quadratmetern Nutzfläche haben. Das zumindest deutete Ulm an. Ein gutes Geschäft mit einem guten Preis sei aktuell also kein Problem. Mehr Kopfzerbrechen macht da die Tatsache, dass der Landkreis mit der Schulsanierung aktuell ein 50 Millionen-Euro-Projekt stemmen muss.