Bus fahren soll im Landkreis Forchheim noch attraktiver werden. Auf Antrag von Lisa Badum (Bündnis 90/Die Grünen) verabschiedeten die Mitglieder des Kreis-Verkehrsausschusses einstimmig eine Ausdehnung der Bus-Abfahrtszeiten um zwei Stunden in den Abend hinein. Die Mehrkosten dafür bezifferte der für den öffentlichen Personennahverkehr zuständige Abteilungsleiter am Landratsamt, Klaus Hummel, pro Jahr auf rund 230 000 Euro.

Zuvor hatte Kathrin Peschke von der Verwaltung die Pläne für eine Verdichtung der Abfahrtszeiten vorgestellt. Sie betonte, dass nahezu auf allen Linien eine Verbesserung erreicht werden könne. Ausgenommen seien nur einige wenige Linien, die ausschließlich auf den Schülerverkehr ausgelegt seien.


Mehr Busse, mehr Personal

Durch die zusätzlichen Fahrten in den Abendstunden, die mehr Busse und mehr Personal erforderten, fielen die Fahrten des Anruf-Sammeltaxis weg. Noch nicht klar sei, wie sich der Nachbarlandkreis Erlangen-Höchstadt zu der Neuerung stellt. Vor allem bei den Fahrten zwischen Neunkirchen am Brand und Erlangen oder von Forchheim über Heroldsbach nach Zeckern und Höchstadt sei der Nachbarlandkreis mit im Boot. "Da müssen die Erlanger mitbezahlen", erklärte Peschke. Eine entsprechende Rückmeldung liege aber noch nicht vor.


Busse bis 21 Uhr

Grundsätzlich sehe die Neuregelung eine Ausweitung der Hauptverkehrszeiten bis 20.30 Uhr vor. In Forchheim verkehren die Busse fahrplanmäßig bis 21 Uhr. Die Mehrausgaben dafür bezifferte Peschke auf 34 000 Euro.

Detailliert ordnete die Verwaltungsangestellte die Mehrkosten auch den anderen Linienbündeln zu. Nicht enthalten sind in der Gesamtsumme von 230 000 Euro die Kosten für den Rufbus. Da müsse erst die Nachfrage abgewartet werden, konterte Peschke eine Nachfrage von Kreisrat Edwin Dippacher (CSU), der wissen wollte, ob es hier Erfahrungswerte oder eine grobe Schätzung gebe. Erst dann könne man Zahlen bekanntgeben.


Mehr Potenzial abschöpfen

Auch die nächste Frage von Edwin Dippacher, wie viele Fahrgäste durch die Änderung wohl auf den Bus umsteigen würden, konnte Klaus Hummel nicht exakt beantworten. Es sei von einer verstärkten Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel auszugehen, versicherte der Abteilungsleiter. Das belegten die Zahlen des Stadtbusverkehrs in Forchheim, der durch die Modernisierung um 70 Prozent zugenommen habe.

Hummel erinnerte daran, dass die Ausweitung des Linienverkehrs in den Abend hinein gemacht werden solle, um das Fahrgast-Potenzial auszuschöpfen und die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln zu steigern.
Vor allem die Arbeiter und Angestellten in Erlangen sollen zum Umsteigen bewegt werden. Bisher konnten sie wegen der fehlenden Anschlüsse am Abend auch das morgendliche Angebot an Bussen und Bahnen nicht nutzen, weil sie nicht wussten, wie sie heimkommen sollten.

Reinhold Otzelberger (SPD) hakte nach: Den Ausgaben stünden also auch Einnahmen durch zusätzliche Fahrgäste gegenüber. Die Frage sei nur, ab wann diese Einnahmen dem Landkreis auch vergütet würden. Immerhin sei das Abrechnungssystem des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg recht komplex. Das interessierte auch Werner Wolf (FW).


Abrechnungs-Probleme

Dazu erklärte Hummel, dass es zwar Mehreinnahmen geben werde, jedoch nicht die tatsächlichen Zahlen abgerechnet würden. Das geschehe erst nach der nächsten Fahrgast-Erhebung. Ein Problem dabei: Diese Erhebungen werden nur alle fünf Jahre durchgeführt. Allerdings könne der Landkreis Forchheim auf eigene Kosten eine solche Erhebung auch zwischendurch in Auftrag geben.

Landrat Hermann Ulm (CSU) bekräftigte, dass langfristig der öffentliche Personennahverkehr der Gewinner sei. "Ich freue mich über die Ausweitung, vor allem für die Berufspendler", unterstrich Ulm.

In Kraft treten wird die Änderung allerdings erst ab 2018. "Selbstverständlich hätten wir uns eine raschere Umsetzung gewünscht ", bekannte Lisa Badum. Sie sah aber auch einen Vorteil. Die Wartezeit könne dazu genutzt werden, um das Angebot besser bekannt zu machen.