Polizeihauptkommissar Christian Obenauf bereitet den Versammlungsraum in der Forchheimer Polizeiinspektion vor. Ganz kurzfristig wurde am Donnerstag zum Weiberfasching ein Pressekonferenz anberaumt. Ihr Thema: Der wahnsinnige Anstieg von Verbrechen am Morgen.

Alle Einsatzkräfte der Inspektion Forchheim waren gefordert, nachdem kurz nach 7.30 Uhr die ersten Meldungen kamen, dass zu ihren Arbeitsplätzen eilende Männer mit scharfen Waffen attackiert worden sind. Um sie ihrer Manneszier zu berauben.

Obenauf legt noch die eingegangenen Meldungen parat, da geschieht das Unfassbare vor den Augen der Medienvertreter: Hinter einem Wandschrank verborgen, schnellen zwei schwarz bekleidete Arme vor und greifen zum Kragen des Polizeibeamten. In der Linken hält der heimtückisch Agierende eine gefährliche Waffe: eine Büroschere, der er - der Dreistigkeit nicht genug! - zuvor in den Diensträumen der Polizei entwendet hatte.
Dem beherzten Eingreifen der anwesenden Journalisten ist es zu verdanken, dass die Täterin überwältigt werden konnte. Sie wurde zwischenzeitlich in Polizeigewahrsam genommen.

Zeitgleiche Anschläge

Wie inzwischen aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde, waren besonders Geldinstitute und Behörden der Ort für die unerklärlicher Weise zeitgleichen Anschläge auf ausschließlich männliche Mitarbeiter. Glimpflich davon gekommen sind offenbar die Angestellten der Vereinigten Raiffeisenbanken. Ihnen ist es gelungen, dem räuberischen Ansinnen durch die Zahlung eines hohen Lösegeldes zuvorzukommen.
Dank ausgeweiteter Recherchen aller verfügbaren Kräfte im Haus ist es dem FT gelungen, mit zwei der bedauernswerten Opfer zu sprechen. Einer der vielen Geschädigten ist Markus Wosnitzka von der Sparkasse Forchheim. Ihm wurde übel aufgelauert, als er die Hauptstelle betrat. Kaum hatte er das Gebäude betreten, griff - "ratzfatz" - eine Frauenhand zu. "Und weg war meine Krawatte", berichtet er.

Ebenfalls Banker ist Tobias Vollrath, bei der Volksbank Forchheim. Er war so geistesgegenwärtig, sich von der Angreiferin ihre Taktik schildern zu lassen. "Schuber auf, Schere raus, im Eilschritt ins Zimmer 76, Krawatte gepackt und schnipp-schnapp ab." Als Täterin benannte er die Kollegin aus Zimmer 33. Doch als die Ermittler dort eintrafen, war der Raum leer.

Inzwischen kann die Polizei erste Fahndungserfolge verzeichnen. In einer öffentlichen Gaststätte fanden die speziell geschulten Ermittler eine Art Lager der Verbrecher. Fein säuberlich angeordnet lagen um eine Männerbüste die abgeschnittenen Beutestücke. Wie ein hinzugezogener Polizeiprofiler daraus folgert, könnte das Tatmotiv im religiösen Bereich zu suchen sein: Opfergaben für eine - bislang allerdings - unbekannte Gottheit. Seine zweite Theorie greift auf Rituale im alten Babylon zurück. Dort soll es vor Tausenden von Jahren üblich gewesen sein, der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin als Dank für das Erhören der Bitten ihrer Anhängerinnen das wesentliche männliche Körperteil als Votivgabe zu weihen.

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns noch eine sensationelle Meldung: In das Fahndungsnetz der Forchheimer Polizei geriet eine mutmaßliche Täterin. Seit 2009 greift Edelgard Striegel jedes Jahr einmal zur Schere, um sich an Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) zu vergreifen.

Trophäensammlung

Ihre Trophäen verwahrt sie ganz kühn in unmittelbarerer Nähe ihres Opfers. In einem Wandschrank neben der Tür zu seinem Amtszimmer. Jedes Beutestück hat sie mit Datum und einer Kurzbeschreibung versehen. Über das Motiv ihrer heimtückischen Angriffe, die jeweils im Februar stattfanden, schweigt sie sich aber aus.
Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung dieser schrecklichen Verbrechen.