Mit nur 23 Jahren hat Thomas F. (Name von der Redaktion geändert) schon einiges hinter sich: acht Einträge im Bundeszentralregister, eine abgesessene Haftstrafe und er selbst wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Der junge Mann kämpft vor Gericht nicht nur mit seinem Schicksal, sondern auch mit den Tränen.

Nachdem Thomas F. im Juli letzten Jahres aus dem Gefängnis entlassen worden war, versuchte er, einen Fuß auf den Boden zu bekommen, bemühte sich um eine Ausbildungsstelle. Im März diesen Jahres dann der Rückfall. Die Polizei durchsucht die Wohnung des 23-Jährigen - und das hat er sich selbst zuzuschreiben. Nach einem Streit mit seiner Freundin raucht er Kräutermischungen und droht mit Selbstmord. Sie weiß sich nicht mehr zu helfen und ruft die Polizei.


Schlagring zufällig gefunden

An diesem Tag findet die Polizei in der gemeinsamen Wohnung einen Schlagring. Dieser verbotene Gegenstand darf nicht in der Wohnung aufbewahrt werden. "Es geht hier weniger um den Schlagring als um den Rückfall", betont Richterin Silke Schneider, "es ist halt blöd, wenn man gerade aus dem Gefängnis kommt."

Den Schlagring habe er geschenkt bekommen und nie einsetzen wollen, erklärte Thomas F. , zudem sei er gerade dabei, mit der Bewährungshelferin und einem Suchtberater eine Langzeittherapie zu beantragen. Ebenso habe er die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen, das in eine Ausbildung münden könnte.

Die Tränen laufen dem jungen Mann über das Gesicht, als Richterin Schneider und Verteidiger Norbert Hahn über die Vergangenheit des 23-Jährigen sprechen. Es scheint ihm bewusst zu sein, wie eng es für ihn ist. "Das ist alles schon blöd, aber Sie sind ja selbst schuld", sagt Schneider zu Thomas F..

"Ich bin froh, dass der Kräuterladen jetzt geschlossen ist", sagt der Angeklagte und beteuert, dass ihm sein Drogenproblem bewusst sei. Bei seinem Plädoyer betonte Staatsanwalt Christian Schorr, dass es für ihn nur zwei Möglichkeiten gebe. Entweder es komme zu einer kurzen Freiheitsstrafe, bei der eine Bewährung nur schwer zu begründen sei, oder es komme zu einer hohen Geldstrafe. "In Ihrem Register sind bisher nur Eigentumsdelikte", sagte Schorr und begründete damit die Geldstrafe, "aber Sie müssen wissen, jede weitere Kleinigkeit führt Sie unweigerlich ins Gefängnis." Er forderte 90 Tagessätze zu je 15 Euro.


Zu viel Freizeit ist nicht gut

Auch Verteidiger Hahn plädierte für eine Geldstrafe. Er hob hervor, dass sein Mandant seine Suchtproblematik erkannt habe und nun auf einem guten Weg sei. "Zu viel Freizeit führt dazu, dass viele Dummheiten entstehen können", stellte er fest und verband damit die Hoffnung, dass Thomas F. einen Ausbildungsplatz bekommen werde. "Sein Leben war bisher eine Katastrophe", sagte Hahn.

Der 23-Jährige hatte das letzten Wort und sagte, dass es ein Fehler gewesen sei, das Geschenk anzunehmen und auch, dass es doof war, wieder Kräutermischungen zu rauchen.

Richterin Silke Schneider verurteilte ihn zu 90 Tagessätze zu je 50 Euro. "Eigentlich müssten Sie wieder rein", sagte sie, "Sie sind so jung und waren schon so lange im Gefängnis. Sie haben diese Chance jetzt verdient. Nutzen Sie sie und gehen Sie zur Therapie." Das Urteil ist bereits rechtskräftig.