Tomaten, Kartoffeln, Krautköpfe, Obst und Brot: Mit einer bunten Vielfalt an Lebensmitteln wird in den Kirchen Erntedank jetzt gefeiert. Die Grundschüler wurden im Religionsunterricht ausdrücklich auf diesen Tag vorbereitet. Sie wissen deshalb genau, was es mit dem Fest auf sich hat und warum Christen in aller Welt an diesem Tag Gottes Schöpfung gedenken.

Nun fordert aber einer aktuellen Umfrage des Meinungsinstitus YouGov zufolge die Mehrheit der Deutschen die Abschaffung des Religionsunterrichts. An dessen Stelle würden sie einen Werteunterricht setzen. Religion habe in der Bildung nichts zu suchen, so kann man das Ergebnis zusammenfassen.


Staat und Kirche

Aber so leicht ist das nicht. "Es gibt ein Konkordat, einen Vertrag zwischen Kirche und Staat", sagt Schulamtsdirektor Ulrich Löhr.
Dieser Vertrag hat unter anderem den verpflichtenden Religionsunterricht zum Inhalt. In Bayern gibt es deshalb noch das Angebot des konfessionsbezogenen Religionsunterrichts. Allerdings hat jeder Schüler auch die Möglichkeit, in den Ethikunterricht zu gehen. Neben Informationen über die verschiedenen Religionen stehen hier die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens im Vordergrund. Trotzdem: "Viele entscheiden sich für den Religionsunterricht."

Vor allem in den Grundschulen wird er gerne genutzt und bereitet den Kindern auch viel Freude", sagt Löhr. Er wisse das aus vielen Gesprächen mit Eltern und Lehrern. Auch hier gehe es ja um die Werteerziehung. "Es wird ein biblisch fundiertes Wertebild vermittelt", betont der Forchheimer Pfarrer P. Heinz Weierstraß.
Da es sich bei Religion an den Schulen um ein Unterrichtsfach handelt, muss die Wahl zwischen Religionsunterricht und Ethik gegeben sein. Die Kinderbibeltage, die regelmäßig in drei seiner Kirchengemeinden angeboten werden, würden von vielen Kindern genutzt. Das zeigt ein großes Interesse an den Geschichten des Alten und Neuen Testaments und bekräftigt die Aussage des Schulamtsdirektors Löhr.

Dass es bei den Jugendlichen anders aussieht, ist eine Herausforderung an die Religionslehrer. Sie haben die Herausforderung, die Jugendlichen weiterhin für Religion zu begeistern. Fast jeder, der mit Jugendlichen arbeitet, kennt auch deren Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens. Es sind Glaubensfragen, die in der Pfarrei und in der Kirche, aber auch im Religionsunterricht beantwortet werden.

Die Meinung in den Lehrerkollegien ist wohl ähnlich geteilt wie in der Gesellschaft. Die Hälfte der Eggolsheimer Lehrerschaft findet den Religionsunterricht sinnvoll, die andere Hälfte vermutet, es ginge auch mit einem Werteunterricht. Persönlich gibt es für Andreas Kehl, Schulleiter der Volksschule Eggolsheim, schwerwiegende Gründe, den Religionsunterricht zu lassen. "Wir leben in einer christlichen Kultur mit Werten, die durch eine christliche Werteerziehung vermittelt wurde", betont Kehl. Das beinhalte auch die Traditionen, die sonst sicher verloren gingen. Er sei ein weltoffener Mensch, aber man dürfe nicht vergessen, wo man herkomme. "Man kann darüber nachdenken, ob es eine Benotung braucht." Die Forderung nach einer Abschaffung des Religionsunterrichts beantwortet er mit einer Gegenforderung: "Viele reden über eine Abschaffung des Religionsunterrichts, doch keiner über eine Abschaffung der Feiertage.

An Allerheiligen bleibt dann jeder gerne zu Hause", sagt Kehl. Wer das fordere, solle an jedem Feiertag zur Arbeit gehen; dasselbe gelte für Menschen, die aus der Kirche austreten.


Grundlegende Basis

Bis vergangenes Jahr gab es an zwei Forchheimer Schulen, der Martin-Grundschule und der Adalbert-Stifter-Grundschule, Islamunterricht. Der entsprechende Religionslehrer fehlt heuer, deshalb fällt auch das Unterrichtsangebot aus.

Doch hinsichtlich der Umfrage nach Abschaffung des Religionsunterrichts kennt Schulamtsdirektor Ulrich Löhr noch eine andere Entwicklung: "Viele, die aus der Kirche ausgetreten sind, entscheiden, dass ihre Kinder dennoch den christlichen Religionsunterricht besuchen", informiert Löhr.
Und Florian Sassik aus Weißenohe, der vor einer Woche zum Diakon geweiht wurde und selbst Religion an Schulen unterrichtet, sieht in dem Religionsunterricht die Werteerziehung als grundlegende Basis für das zwischenmenschliche Zusammenleben: "Wenn man sich an die zehn Gebote halten würde, würde alles funktionieren."