Seine Unterschrift hätte ihm 60.000 Euro eingebracht. Aber Reinhold Wunder hat die Unterschrift nicht geleistet - und daher muss er nun auf das Geld verzichten. Auch der Versuch, sich das Geld vor Gericht zu erstreiten, ist gescheitert. Reinhold Wunder und sein Bruder Johannes sind enttäuscht. Für 750.000 Euro haben die Brüder in Unterleinleiter eine Biogasanlage gebaut. Gemessen an der Investitionssumme sei die Förderung von 60.000 Euro ohnehin "lächerlich", kritisiert Reinhold Wunder.

Die Geschichte wirkt auch deshalb erstaunlich, weil Reinhold Wunder selbst am Landwirtschaftsamt arbeitet, also im Umgang mit Formularen und Anträgen vertraut ist. Wunder hatte die Kostenliste für den Bau der Biogasanlage handschriftlich verfasst und seine Förderwünsche dem Landwirtschaftsamt vorgelegt. Die Behörde hatte die Liste genau aus dem Grund nicht anerkannt, weil sie handschriftlich verfasst und nicht unterschrieben worden war.


Vergleichsfälle zählen nicht



Reinhold Wunder protestiert vehement: "Es war nur eine Kostenzusammenstellung". Die Unterschrift unter diese Zusammenstellung habe er "bewusst nicht geleistet". Begründung: "Mit der Unterschrift auf dem Formblatt hätte ich etwas bestätigt, obwohl ich noch gar nicht wusste, was auf mich zukommt".

Die Firma Bioenergie Wunder berief sich auf Vergleichsfälle: Da hätten ähnliche Nachweise ausgereicht, um eine Förderung zu erhalten. Weil die Brüder Wunder mit dieser Argumentation nicht durchkamen, klagten sie vor dem Verwaltungsgericht in Bayreuth gegen den Freistaat Bayern.

Doch die Klage wurde jetzt vor dem Verwaltungsgericht abgewiesen. "Eigentlich habe ich in diesem Verfahren schon mit einem Gewinn gerechnet", reagierte Reinhold Wunder ernüchtert auf das Urteil.

Schließlich sei die Biogasanlage im Rahmen der Dorferneuerung erbaut worden; und die Fördermöglichkeit sei im Rahmen der Dorferneuerung zugesagt worden. Alles sei ordnungsgemäß gelaufen, die halbe Ortschaft werde dank der Anlage mit Wärme versorgt, "die Dorfentwicklungsansätze kommen voll zum Tragen". Doch das Gericht interessierte sich für diese Zusammenhänge offenbar nicht. Der Jurist Ulrich Stemmler aus Landshut, der in diesem Verfahren den Freistaat vertrat, sagt: "Das Gericht war überrascht wegen der schlampigen Vorgehensweise, weil Wunder doch selbst bei der Landwirtschaftsbehörde arbeitet".


"Formaljuristisch"



Drei Jahre hätte die Firma Bioenergie Wunder Gelegenheit gehabt, den Verwendungsnachweis abzugeben. "Er war am Ende nicht unterschrieben, daher wurde die Förderung versagt", sagt Ulrich Stemmler. Reinhold Wunder ist verärgert, dass das Gericht das ganze Verfahren "auf die formaljuristische Ebene runtergebrochen" habe. "Der ganze Ablehnungsbescheid trieft vor Fehlern", sagt er. Doch diese Fehler seien vor dem Verwaltungsgericht gar nicht zur Sprache gekommen. Jetzt denke er mit seinem Bruder darüber nach, vor das Verwaltungsgericht nach München zu ziehen.