"Es war eine Odysee", erinnert sich Andrea John. Die Katze sah ziemlich verfilzt aus, hatte schlechte Zähne und eine Zahnfleischentzündung, als sie von der Finderin im Tierheim abgegeben worden war.
Dort wurde die Katze, die aufgrund der zwei Buchstaben in der Tätowierungsnummer kurzerhand "Hape" genannt wurde, ärztlich behandelt. Sie bekam einen warmen Platz und wurde - soweit das überhaupt möglich war - gekämmt.

Zwei lesbare Buchstaben
Andrea John versuchte mit ihrem Handy, über "Tasso" den Namen der Besitzerin ausfindig zu machen. Tasso ist eine zentrale Stelle, wo Besitzer ihre Tiere registrieren lassen können. Aber: Fehlanzeige. John unternahm einen weiteren Versuch und fahndete nach dem Tierarzt, der die beiden lesbaren Buchstaben tätowiert hatte.
Sie fand tatsächlich den Arzt. Der erinnerte sich und konnte eine Nummer nennen, mit der es John nochmals bei Tasso versuchte. Treffer! Als Besitzerin war eine Frau namens Susanne Litz aus Schlüsselfeld registriert. Und der Kater hörte auf den Namen "Fernando".

Vermisst wurde der Vierbeiner bereits seit dem Jahr 2012. Andrea John wählte die in Tasso eingetragene Nummer der Besitzerin. Keine Verbindung. Und auch im Telefonbuch war Susanne Litz nicht mehr zu finden. "Ich habe im Internet nach Nachbarn geschaut und dann dort angerufen", sagt John. So erfuhr John, dass Susanne Litz tatsächlich noch in der Nähe wohnt. Wo genau, wusste aber keiner. Was John stattdessen herausbekam, war die Telefonnummer ihres Arbeitgebers.

Schier unglaublich
Dort rief sie an - und wurde vertröstet: Ja, die gesuchte Frau arbeite hier. Aber nein, zu sprechen sei sie nicht. Sie habe heute einen freien Tag. Aufgeben kam für John dennoch nicht infrage. Nachdem sie auch die Nummer des Bruders herausbekommen hatte, rief sie kurz entschlossen dort an. Der wiederum übernahm nur zu gern die angenehme Pflicht, seine Schwester über die schier unglaubliche Neuigkeit zu informieren.

"Mein Bruder macht wohl einen schlechten Witz", waren Susanne Litz erste Gedanken. Abends gegen halb elf hatte ihr Bruder sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass Fernando wieder aufgetaucht ist.

Dann konnte es Susanne Litz nicht mehr ausgehalten. Am anderen Tag klingelte sie früh am Morgen die Tierheimmitarbeiterin John aus dem Bett. Kurz darauf machte sie sich schon auf den Weg nach Forchheim. Ihr Arbeitgeber zeigte vollstes Verständnis, freute sich mit mit und gab seiner Mitarbeiterin und gab Susanne Litz einen Tag frei. "Ich war überglücklich", erzählt Litz. Sie habe unter dem Verlust ihrer Katze sehr gelitten.
"Es war schlimm. Ich musste sogar Beruhigungsmittel nehmen. Man malt sich die schrecklichsten Dinge aus. Ob Fernando eingesperrt worden ist oder sogar einem Katzenfänger in die Hände gefallen ist."

Fernando ist der Chef
Vor gut einem Jahr, als Susanne Litz schon nicht mehr daran gedacht hatte, Fernando jemals wieder zu sehen, hat sie zwei neue Katzen zu sich genommen.

Ein Problem für Fernando scheint das nicht zu sein. "Er hat sich gleich wieder ausgekannt. Jetzt sitzt er auf dem Sofa und schnurrt. Er ist der Chef", sagt Susanne Litz. Wie er von Schlüsselfeld nach Forchheim gekommen ist, darüber kann sie nur spekulieren. Katzen haben nicht selten das Verlangen, einfach in ein offenes Auto zu steigen und es sich unter dem Sitz bequem zu machen.

Eine Familie aus der Nachbarschaft von Susanne Litz ist seinerseits in Richtung Forchheim gezogen. Vielleicht ist Fernando damals unbemerkt in das Umzugsauto gestiegen oder hat es sich in einem der Umzugskartons bequem gemacht. "Das ist keine Seltenheit bei Katzen", sagt Andrea John. Eine Zeit lang muss der Kater einen guten Futterplatz gehabt haben, ansonsten hätte er viel verwahrloster ausgesehen.
Jetzt aber hat Susanne Litz statt ursprünglich einer plötzlich drei Katzen. "Sie bekommen alle drei ihre Streicheleinheiten", freut sich die Schlüsselfelderin.