Diesen Moment wird Olgers Basha wahrscheinlich nie vergessen: Er hat den Quali mit 2,6 bestanden. "Zuerst habe ich es nicht geglaubt", erinnert sich der Jugendliche an den Moment, als er vor einer Woche sein Prüfungsergebnis erhalten hat.

Für die Sozialarbeiterin Christiane Arndt, die gerade mit Schülern und dem Bayerischen Rundfunk das Projekt "My Story" beendet hat, ist diese Erfolgsgeschichte die Story schlechthin. "Mit viel Hoffnung und Engagement ist es möglich, ans Ziel zu kommen", sagt sie. Olgers habe dies verinnerlicht und gelebt. Sein Ziel war es, den Quali zu schaffen. Dafür hat er viel und hart gearbeitet. Immer in der Hoffnung, das Ziel auch zu erreichen. "Ich bin allen sehr dankbar dafür", sagt Olgers.

Denn viele Ehrenamtliche kümmerten sich um Olgers und verbrachten Nachmittag für Nachmittag mit dem jungen Mann, um mit ihm Mathe oder Geschichte zu büffeln.


Anfangs nur mit Zeichensprache

Mathe, vor allem aber Italienisch und Englisch hatte er bereits in seiner albanischen Heimat gelernt. Deutsch konnte er nicht. "Wir haben uns anfangs auf Englisch und in Zeichensprache unterhalten", erklärt Arndt. In der Ganztagesschule, deren Leiterin Julia Holzmann ist, wurde der Stundenplan an die Erfordernisse der Flüchtlingskinder angepasst.

Vor allem der Deutsch-Unterricht wurde ausgebaut. Anfangs gab es keine staatlichen Mittel dafür. Trotzdem übernahm die Diakonie den Unterricht. Die später zusätzlich gewährten Stunden bewirkten ein intensiveres Lernen von Deutsch als Zweitsprache. Selbst Grammatik und Vokabeln wurden nun auch vormittags gepaukt. Nur ein halbes Jahr später hat der ehrgeizige Jugendliche den Quali jetzt in der Hand. Jeder der Ehrenamtlichen hat den großen Willen, den Ehrgeiz und das Potenzial in dem Jungen gesehen. "Er ging so motiviert und zielstrebig an die Sache heran", freut sich Arndt.

Der Quali bringt Olgers in Albanien zunächst nichts. Die Schulsituation ist dort anders, schwierig. Viele haben schlechte Noten, können schlecht lesen. Aber er braucht den dortigen Schulabschluss, um seinen Berufswunsch verwirklichen zu können. "Ich würde gerne Elektriker werden", sagt der 16-Jährige.
Christiane Arndt wusste von dem Wunsch und organisierte einen Praktikumsplatz. Bei Elektro Heid konnte der junge Mann dann Berufsluft schnuppern. Er hat dort auch einen guten Eindruck hinterlassen. "Sie hätten ihn gleich eingestellt", weiß Arndt.

Doch nun kommt es anders, denn die Familie wird nächsten Freitag Deutschland wieder verlassen. Sie gehen freiwillig, wissen sie doch, dass Albanien als sicheres Herkunftsland eingestuft worden ist. Dort als Elektriker zu arbeiten, wird aber schwierig. Olgers Schwester beispielsweise hat Englisch studiert und ist Lehrerin. Eine Anstellung bekommt sie nur, wenn sie viel Geld bezahlt. Aber Olgers bleibt seinem Grundsatz treu, mit viel Arbeit und Zuversicht an sein Ziel zu kommen. Sein nächstes Ziel kann er bereits klar formulieren: "Ich hoffe, irgendwann wieder nach Deutschland zu kommen."