Die frühere stellvertretende DGB-Vorsitzende Engelen-Kefer sprach beim Neujahrsempfang des DGB Forchheim. Wie sehr sie die geplanten Freihandelsabkommen zwischen der EU mit Kanada bzw. mit den USA derzeit umtreibt, wurde schnell deutlich. Mit ihrer Rede und ihren Forderungen begeisterte sie die Gewerkschafter in Forchheim.

"Wir lassen uns unseren Sozialstaat nicht durch den Investitionsschutz aushöhlen oder gar auflösen!", sagte Ursula Engelen-Kefer. "Wir brauchen jetzt Courage. Es geht nicht um die Interessen der Mächtigen in der Wirtschaft, es geht um die Interessen der Menschen!", so Ursula Engelen-Kefer.

In ihrer Rede sprach sich Engelen-Kefer nicht generell gegen Freihandel aus. "Der Handel muss aber fair sein und darf nicht zu jeden Bedingungen stattfinden." Sie warnte eindringlich vor überzogenen Erwartungen. "Für einen vorhergesagten Zuwachs von ein paar Tausend Arbeitsplätzen dürften wir nicht unsere Rechte und soziale Sicherung aufgeben", erklärte Ursula Engelen-Kefer. Außerdem warnte sie davor, dass alle Beschäftigten gleichermaßen profitieren könnten. Wenn die Normen für die immer wieder zitierten Blinker standardisiert würden, nütze dies natürlich den Beschäftigten bei den großen Automobilherstellern. Die Krankenpflegerin habe davon aber nichts. "Bereits jetzt müssen wir uns fragen, warum verdient die Krankenpflegerin so viel weniger?"

Und dabei stehe der Verlust der Arbeitnehmerrechte im Raum. "Von den acht ILO-Kernarbeitsnormen haben die USA nur zwei und Kanada nur sechs ratifiziert. Auch weitere Arbeitsstandards gibt es in den USA nicht: "Weder das Übereinkommen über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, zur Arbeitsinspektion und Aufsicht noch zur Sozialen Sicherheit wurden ratifiziert. Leider gibt es genug Beispiele für die Verhinderung von Gewerkschaften in den einzelnen US-Bundesstaaten, auch von deutschen Konzernen." Damit sei dies kein fairer Handel, sondern die Beschäftigten müssten die Zeche bezahlen.

Die DGB-Kreisvorsitzende Christa Gerdes dankte allen, die sich im Januar an der Mindestlohnaktion beteiligt haben. "Obwohl das Jahr noch jung ist, haben wir als DGB drei wichtige Zeichen gesetzt", so Gerdes. Neben dem Mindestlohn, fordert der DGB-Forchheim den freien Sonntag. Außerdem rief Gerdes auf, sich an den Aktionen gegen Rassismus zu beteiligen.

Der DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt ging in seinem Grußwort auf die Verbesserungen der Rente ein. "Jetzt muss es aber weiter gehen!", so Eckardt. Dringend müsse die Absenkung des Rentenniveaus gestoppt werden. Nachdenklich und erheiternd waren sowohl die Gedichtlesungen als auch das Grußwort von Dr. Manfred Böhm von der Katholischen Betriebsseelsorge. red