Die Bühne war gerade mal zwei Meter lang und eineinhalb Meter breit. Darauf stellte Stepptänzer Klaus Bleis selbst Größen wie Fred Astaire, Ginger Rogers oder Sammy Davis junior in den Schatten. Zusammen mit der Geigerin Anna Möllers und dem Keyborder Budde Thiem begab sich das außergewöhnliche Trio im Gasthaus Sponsel auf eine Zeitreise durch die letzten hundert Jahre der Jazzmusik.

Aus dem Jahr 1926, dem Jahrzehnt, in dem der Stepptanz laut Budde Thiem seine Blütezeit erlebte, stammte das Eingangsstück "Breezin' along with the Breeze", komponiert von Johnny Marvin. Ob Film-Musik wie "Tea for two" aus dem Streifen "Bezaubernde Frau" mit Frank Sinatra oder fernöstliche Klänge à la Duke Ellington ("Istanbul"): Der Stepptänzer aus Erlangen, der bei Carnell Lyons (Missouri), Brenda Bufalino (New York) und anderen Altmeistern des Stepptanzes gelernt hatte, zeigte, dass er Musik in den Beinen hat.


Jazz gleich Stepp

Da Jazz jene Musikrichtung war, zu der gesteppt wurde, interpretierte Bleis unter dem Beifall des Publikums Klassiker des Jazztanzes. Dazu gehörte das von Billy Strayhorn, einem "Lohnschreiber" von Duke Ellington komponierte Standard-Stück "Take the A-Train", das zu einem Symbol der Swing-Ära wurde ebenso, wie der von Trompeter Freddi Hubbard komponierte langsame Walzer "Up jumped Spring" oder die Komposition "Well you needn't" von Theolonious Monk; ein Stück, das zum festen Repertoire von Miles Davis (1956) oder Klaus Doldinger (1963) gehörte.

Beschwingt leichtfüßig steppte Bleis zur rokoko-artigen Kennmelodie der Miss-Marple-Filme. Budde Thiem verriet, dass die Komposition, die hierzulande sogar in den Charts landete, aus der Feder des 1925 geborenen Filmmusikers Ronald Alfred "Ron" Goodwin stammt.


Paddle of roll

Mit einer A-Capella-Choreografie demonstrierte Klaus Bleis nach der Pause die ganze Palette des Stepptanzes. Das klopfende Geräusch, das die kleinen Metallplatten an den Schuhsohlen erzeugen, steigerte er bis zum lebendigen, rhythmischen Klappern. Mal schleiften die Beine leise schleichend über den Boden, mal zeigte der Fuß-Künstler Sprünge und schnelle Schritt-Kombinationen, die an einen Pferdegalopp erinnerten.

Zeitweise setzte die Fußspitze leicht verzögert auf dem Boden auf und auch die kraftvollen Schläge wurden durch Synkopen leicht verzögert ausgeführt. Klaus Bleis begeisterte mit rasant-schnellen Paddle-and-Roll-Rhythmen ebenso wie mit elegant-fließenden Soft-Shoe-Choreografien.

"Ein bisschen so wie die Figuren der Augsburger Puppenkiste", lästerte Budde Thiem, als Klaus Bleis, der auch am Schlagzeug-Besen zu begeistern wusste, mit steifem Oberkörper Dave Brubecks "Take five" im Stile von Irish-Step interpretierte; begleitet von Banjo (Budde) und Fiedel (Anna Möllers). Wer seine Augen schloss, konnte bei "In a sentimental mood" von Duke Ellington die Schuhe förmlich über den Sand schleifen hören.


Standards neu interpretiert

Südamerikanisch lebendig wurde es bei einer der bekanntesten Bossa-Nova-Nummern, dem Jazz-Klassiker "One note Samba" aus der Feder von Antonio Carlos Jobim. Ebenfalls ein Jazz-Standardstück ist der C-Jam-Blues, komponiert von Duke Ellington, interpretiert aber auch von Count Basey, Nat King Colde, Oscar Peterson oder Django Reinhardt.

"Caravan" aus der Kriminalkomödie "Charade" oder irische Folklore (Danny-Boy) unterstrichen die musikalische Bandbreite, die das außergewöhnliche Trio dem Publikum zu bieten hatte.

Als Zugabe interpretierten Budde, Möllers und Bleis die Kennmelodie des "Aktuellen Sportstudios", die Thomas Reich 1963 komponiert und Max Greger mit seiner Big Band damals eingespielt hatte.