Aika lässt sich ungern viel Zeit. Schon gar nicht wenn sie jagen darf. Ein Fuchs ist ihr Ziel. Umgeschaut, entdeckt, besiegt, getötet. Länger benötigt Aika nicht, um den Fuchs zu reißen. Sie ist ein fünf Jahre alter Parson-Russel-Terrier, und Besitzer Erich Fiedler, Kreisjagdberater, ist stolz auf seinen Jagdhund. Auf diese typische Weise hat Aika auch vor rund einem Jahr einen Fuchs auf dem Bauernhof eines Jagdgenossen erlegt. Aber diese Jagd hatte noch ein Nachspiel.
Einige Tage später bemerkte Fiedler, dass Aika sich auffällig häufig kratzt. Seine Schlussfolgerung: Der Fuchs war an Räude erkrankt und hat Aika die Milben übertragen. Räudemilben sind winzig kleine Spinnentiere, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. "Ich habe sie mit Shampoo versucht wegzuwaschen. Das hat nicht geklappt", erinnert sich der 57-Jährige aus Obertrubach. Aufgekratzte Stellen ihres Körpers beginnen zu eitern, sie verliert ihr gesamtes Fell. Eine Infektion, die bis zum Tod des Hundes führen kann. "Also blieb nur noch die Möglichkeit zum Tierarzt zu gehen", sagt er.
Große Sorgen hatte Fiedler jedoch nicht um seine Hündin. "Ich habe einen guten Freund, der Tierarzt ist. Von daher waren meine Bedenken eher gering, dass Aika an der Infektion verendet." Nach einem Vierteljahr regelmäßiger Behandlung war sie geheilt und geht längst wieder auf Jagd.
Die Fuchsräude ist kein neues Phänomen in der Region, wird jedoch immer mehr zum Problem. Helmut Zenker, Vorsitzender des Landesjagdverbandes Bayern, Kreisgruppe Forchheim, kennt die Hintergründe dieser ansteigenden Infektionsrate. Bewusst wurde den Jägern die akute Situation bei einem gemeinsamen Treffen. Dabei fiel ihnen auf, wie häufig in letzter Zeit Füchse mit Räude aufgefunden wurden.

Fuchspopulation nimmt zu


Wie viele Füchse im Landkreis Forchheim von der Seuche befallen sind oder waren, kann Zenker nicht beziffern. "Sie tritt nicht mehr vereinzelt auf, sondern flächendeckend im ganzen Landkreis Forchheim", sagt der 69-jährige Jäger. Das liege daran, dass die Fuchspopulation stark zugenommen habe und dadurch der Kontakt zu anderen Artgenossen immer enger werde. In der Folge werden Krankheiten leichter übertragen. "Die Milben setzen sich in der äußeren Hautschicht fest. Dies führt bei den Tieren zu enormen Juckreiz. Die Folge ist, sie kratzen sich, die Stelle eitert, und es kommt zu Haarausfall", erläutert Helmut Zenker.
Auch für Hunde, wie im Fall von Aika, besteht Ansteckungsgefahr. "Hunde wälzen sich gerne, und wenn sie es an einer Stelle tun, wo ein verendeter Fuchs infiziert mit Räude lag, können sich die Hunde schnell durch Aufnahme der Milben anstecken", weiß der Experte. "Oder ein toter Fuchs liegt im Gebüsch, und der Hund steckt sich durch den Kontakt mit dem Kadaver an", fügt er hinzu.
Vorbeugend gibt es nur die Möglichkeit einer Räudeimpfung beim Tierarzt. Andere Alternativen zum Schutz vor dem Milbenbefall gibt es derzeit noch nicht.
Die Forchheimer Tierärztin Tamara Eichtmayer hat in den vergangenen Wochen keine Häufung erkrankter Hunde an der Seuche feststellen können. "Es kommt immer mal wieder vor, aber nicht oft. Meistens sind es Jagdhunde, die an dieser Infektion erkranken, weil sie im engeren Kontakt zu den Füchsen stehen", sagt die Tierärztin. Zenker und Fiedler betonen, dass Hundehalter sich unbedingt daran halten sollten, die Hunde an der Leine zu führen.
Einen weiteren Grund für die steigende Fuchsräude sieht Zenker in der mäßigen Ausbeute der aktuellen Jagdsaison. Für die Jäger war es schwierig, Füchse zu erlegen. Das ist größtenteils mit dem geringen Schneefall zu erklären. Der Schnee sorgt für das Licht im Wald, damit Zenker und seine Kollegen die nachtaktiven Tiere schießen können. Ohne das Licht sehen die Jäger jedoch die Füchse nicht. "Normalerweise erlegen wir ab November die Tiere, aber sie konnten weiterhin frei herumlaufen", sagt Helmut Zenker.
Er sieht sich und seiner Jägerkollegen in der Pflicht, bei solchen Fällen die Öffentlichkeit zu informieren: "Wenn Füchse in so eine Krankheit involviert sind, wird dies nicht groß beachtet. Sobald aber die Menschen davon betroffen sind, werden alle gleich hellhörig", sagt er. Aber auch die Menschen können sich an der Räude anstecken. Beispielsweise beim Streicheln des Hundes können Milben übertragen werden. Dann entsteht wie bei den Tieren ein Juckreiz. Jedoch sind die Milben auf der menschlichen Haut keine Gefahr.