Bamberg/Forchheim — Wie war noch gleich die Adresse des Forchheimer Herder-Gymnasiums? Auf diese Frage können Internet-Suchmaschinen relativ schnell eine passende Antwort geben. Wie das technisch funktioniert, erklärt der Bamberger Professor für Medieninformatik Andreas Henrich am kommenden Samstag bei der Kinder-Uni im Herder-Gymnasium in der - genau! - Luitpoldstraße 1 in Forchheim.

Herr Professor Henrich, was erwartet die Jungen und Mädchen, die am 29. November in Ihre Vorlesung kommen?
Andreas Henrich: Mir geht es darum, Verständnis dafür zu wecken, wie Suchmaschinen funktionieren, was dahinter passiert und wie die Suchmaschinen dazu kommen, bestimmte Seiten vorne im Suchmaschinen-Ranking anzuzeigen. Und ich möchte den Kindern auch deutlich machen, welche Tipps und Tricks man anwenden kann, wenn man bestimmte Seiten und Informationen finden möchte.

Die aktuelle KIM-Studie, die das Mediennutzungsverhalten von Sechs- bis 13-Jährigen untersucht, besagt, dass 74 Prozent dieser Altersgruppe mindestens einmal pro Woche eine Suchmaschine benutzen. Braucht es da dann überhaupt Ihre Vorlesung?
Ich glaube, dass es die umso mehr braucht! Weil es ja so ist, dass Kinder Suchmaschinen einfach so benutzen und sich sicherlich keine Gedanken darüber machen, was hinter ihrer Suchanfrage passiert. Das ist einerseits gut, denn die Technik soll uns ja im Alltag unterstützen. Auf der anderen Seite möchte die Kinder und Jugendlichen dafür sensibilisieren, dass das alles ihr Leben beeinflussen kann - ihr Suchverhalten und das, was sie zu sehen bekommen und was nicht. Es geht mir auch darum zu zeigen, dass allgemein verfügbare Suchmaschinen eben nicht alles können, und dass es für spezielle Problemstellungen spezielle Suchlösungen gibt.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Man unterscheidet zum Beispiel verschiedene Sucharten: Die meisten Leute suchen etwas, von dem sie schon wissen, dass sie das suchen - aber sie haben einfach die Internetadresse vergessen. Früher hat man sich Lesezeichen angelegt und damit gearbeitet. Aber das macht ja kaum noch einer, weil die Suchmaschinen so praktisch sind und man eine Suchanfrage immer wieder stellen kann. Darauf sind Suchmaschinen heute auch optimiert. Denn sie verdienen ihr Geld ja nicht unbedingt damit, dass sie möglichst gute Suchergebnisse für tiefschürfende Fragestellungen liefern.
Die meisten Anfragen sind einfach total trivial, und die Suchmaschinen sind froh, dass sie sie beantworten dürfen, denn das können sie gut. Und sie können auch noch viel Werbung platzieren und sonstige Dinge machen. Wenn einem das zu oberflächlich ist, kann man speziellere Suchmaschinen verwenden: Fragt man beispielsweise die Suchmaschine Wolfram Alpha, wer der Präsident von Deutschland ist, dann bekommt man nicht einfach nur ein paar Dokumente, die diese Information vielleicht enthalten, sondern eine schöne Übersicht, wer jemals Präsident von Deutschland war, wer es zur Zeit ist, eine Biografie dazu und ähnliche Dinge. Ein weiteres Beispiel für spezielle Suchmaschinen sind Kataloge von Universitätsbibliotheken, die die Kinder-Uni-Besucher vielleicht später für ein P-Seminar mal brauchen.

Geben Sie den Kindern in der Vorlesung Tipps, welche Suchmaschinen sinnvoll für sie sind?
Ja, ich werde ein paar Vorschläge dazu machen. Und vor allem will ich im Hinblick auf das Thema Information Retrieval - das ist die wissenschaftliche Disziplin, die hinter der Suchmaschinen-Technologie steht - ein Gefühl dafür schaffen, was man eigentlich macht, wenn man eine Suche in eine Suchmaschine eingibt, welche unterschiedlichen Sucharten es gibt und wo ich die besten und zuverlässigsten Informationen zu meiner Suchanfrage finde.

Normalerweise bringen Sie erwachsenen Studierenden Medieninformatik bei. Sind Sie aufgeregt, dass Sie am Samstag vor Neun- bis Zwölfjährigen stehen werden?
Ich denke schon, dass man sich umstellen muss (lacht). Ich finde das schon spannend!