Es ist Donnerstagmorgen in der Unteren Kellerstraße (UKS) in Forchheim. Sechs freiwillige Helfer wuseln durcheinander, tragen stapelweise Klamotten durch die Gegend und schleppen große Kartons mit unsortierter Wäsche. In den Regalen türmen sich die Kleidungsstücke und auf den Stangen im Flur ist kaum mehr Platz. "Das sieht jetzt viel aus, aber wenn dann wieder ein Schwung kommt, ist das Zeug ganz schnell weg", sagt Monika Zobel. Sie ist eine der rund 20 freiwilligen Helfern, die regelmäßig in der UKS sind.


Besonderheit der UKS

Die UKS ist eine Erstaufnahmeeinrichtung. Deshalb geht es dort anders zu als in den anderen Flüchtlingsunterkünften im Landkreis. "Es gibt mehrere solcher Notunterkünfte in Oberfranken", erklärt Oliver Hempfling, Pressesprecher bei der Regierung von Oberfranken. "Was es in welchen Notunterkünften gibt, ist unterschiedlich. Es gibt da keine Vorgaben", erklärt er. Vieles werde von freiwilligen Helfern vor Ort gestemmt. "Die Verweildauer in den Erstaufnahmestellen ist sehr kurz. Die Asylbewerber kommen mit dem Bus an und werden registriert", erklärt Hempfling, "diese Daten geben wir dann in ein EDV-System ein und schließlich werden sie verteilt."
Wenn sie dann verteilt sind und eine feste Unterkunft haben, bekommen sie auch Geld vom Landratsamt. "Von dem Geld können Sie dann Kleidung und Essen selbst kaufen", erklärt Holger Strehl, Pressesprecher des Forchheimer Landratsamts.

"Die wenigsten hier sind länger als fünf Tage da", weiß auch Nicole Fischer. Sie hilft ebenso wie Monika Zobel ehrenamtlich. "Wenn die Busse ankommen, werden die Flüchtlinge nicht direkt registriert. Meistens geben sie erst einmal ihre Personalien ab und kriegen dann ein Zimmer zugewiesen", sagt Zobel. Am folgenden Tag werden sie dann offiziell registriert, es sind freiwillige Ärzte da, die Notfallversorgung machen, und es kommt eine Gruppe Freiwilliger, die Kleidung verteilt. "Oft haben sie Schuhe an, die ihnen gar nicht passen", sagt Zobel, "oder einfach keine warme Kleidung."

Die Klamotten, die sie verteilen, haben die Freiwilligen gespendet bekommen. "Die Spendenbereitschaft ist vor allem für Kinder groß", erklärt Zobel, "wir brauchen aber noch vermehrt Männersachen in kleinen Größen und Schuhe."

Seit kurzem haben die Freiwilligen ein Außenlager, in dem sie zum Beispiel Sommersachen, aber auch Klamotten in bestimmten Größen, für die in der UKS momentan nicht genug Platz ist, lagern. Trotzdem müssen die Ehrenamtlichen auch Spenden entsorgen. "Wir sichten die Sachen und sortieren sie", sagt Zobel, "und wenn die Sachen verdreckt sind oder stinken, dann geben wir die nicht weiter. Ein bisschen Menschenwürde muss erhalten bleiben."


Online-Organisation

Manchmal hat die UKS einen Durchlauf von 200 Menschen pro Woche. "Das funktioniert nur über das Ehrenamt und viele Spender", sagt Nicole Fischer, "die Behörden sind unterbesetzt und können in der Kürze der Zeit zum Beispiel gar nicht so viele neue Handtücher besorgen." Nach der Ankunft der Busse geben sie zwei Tage hintereinander die Güter aus. Organisiert wird das über eine Facebook-Gruppe und per E-Mail. Die Gruppe wurde vor acht Wochen gegründet und hat mittlerweile fast 500 Mitglieder. Viele davon bringen gelegentlich Spenden vorbei. Nur ein Bruchteil schaut tatsächlich regelmäßig in die UKS. Aber wer da ist, packt an. "Es ist vielfältige Arbeit", sagt Zobel, "eigentlich findet sich für jeden etwas, der helfen möchte." Auch die Hintergründe der Freiwilligen sind unterschiedlich: von Rentnern über Berufstätige und junge Mütter ist alles dabei. "Die Gruppe soll eine Plattform für viele Ehrenamtler sein", erklärt Zobel. Der Austausch mit den Helfern aus andern Unterkünften im Landkreis funktioniere gut. Wenn zum Beispiel etwas in einer Unterkunft benötigt wird und in der anderen übrig ist, werden die Güter umher gefahren. "In der Gruppe wollen wir auch keine politische Diskussion", weiß Zobel, "das sind Leute, die Hilfe brauchen und wir wollen helfen. Da ist es egal, wo sie her kommen."


HYGIENEBOX

 Was ist das? Die Hygieneboxen sind die erste Ausstattung mit dem Nötigsten.

Was soll rein? Jeweils ein Duschgel, ein Shampoo, eine Körperlotion, eine Zahnpsta, eine Zahnbürste, ein Deo, ein Einwegrasierer, ein Päckchen Taschentücher und einmal Kekse oder Schokolade. Alles sollte mit geschlechtsneutralem Duft sein.

 Wo kann man die Boxen abgeben? Monkey Business, Forchheim; Horst Kreller Montagebau, Forchheim (nur freitags 14 bis 17 Uhr); 's blaue Stäffala, Forchheim; Bettenhaus Amtmann, Forchheim; Obi Markt, Forchheim; Dienstleistungen Kraus Forchheim und Hallerndorf; Regnitz-Apotheke, Forchheim, Marien-Apotheke Kirchehrenbach und Lauger's Service Forchheim.