Sportschützen sind Studien zufolge oft stark mit dem giftigen Schwermetall Blei belastet. Forscher des Klinikums der Universität München haben bei Kleinkaliber- und Großkaliber-Schützen Mittelwerte von 114 bis 136 Mikrogramm Blei pro Liter Blut gemessen. Einzelne Probanden erreichten sogar Spitzenwerte von rund 500 Mikrogramm Blei pro Liter Blut.

Rudolf Schierl vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin bestätigte entsprechende Medienberichte. Demnach müsse ab einem Wert von 250 Mikrogramm Blei pro Liter Blut laut Umweltbundesamt mit akuten Gesundheitsschäden gerechnet werden. Normal sei ein Wert von etwa 30 Mikrogramm.

Auch eine bislang unveröffentlichte Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen ergab nach Angaben eines Behördensprechers, dass auch bei jugendlichen Schützen, die nur mit Luftdruckwaffen schießen dürfen, die Bleiwerte leicht erhöht sind. "Das sind keine Werte, die jetzt eine akute Vergiftung nach sich ziehen würden. Aber das sind Werte, die langfristig vollkommen unerwünscht sind - insbesondere für kritische Bevölkerungsschichten wie Jugendliche, aber auch Frauen im gebärfähigen Alter", sagte Hermann Fromme vom LGL.


Blei gelangt über Lunge ins Blut

Die Forscher fanden heraus, dass das Blei beim Abschießen der Munition freigesetzt wird. Beim Einatmen gelangt es in die Bronchien und über die Lunge ins Blut. Messungen ergaben, dass sich der Blei-Wert im Blut der Schützen binnen einer Stunde fast vervierfachte, bei Zuschauern im selben Raum verdoppelte.

Experten raten daher, dass Sportschützen keine bleihaltige Munition mehr verwenden sollten. Außerdem sollten an den Schießständen effektive Lüftungsanlagen eingebaut werden. Kurzfristig könnten auch Atemmasken Schutz bieten.

Im Landkreis Forchheim gibt es etwa 53 Schießstände, sagt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamts. Laut Bayerischem Sportschützenbund sind derzeit etwa 7285 Sportschützen gemeldet und auf 54 Vereine verteilt. In den meisten wird mit Luftdruckgewehren geschossen, also an sogenannte Zehn-Meter-Ständen. Nur der Schießstand in Drügendorf ist offen, der Rest ist in geschlossenen Räumlichkeiten - die bleihaltigen Dämpfe können so schlechter entkommen.

Reinhardt Glauber, Altlandrat und Schießstandsachverständiger in Pinzberg, weiß um die Blei-Problematik. Er glaubt, dass sich mittlerweile viele Schützen über die Gefahren im Klaren sind. Doch das war nicht immer der Fall, erinnert er sich. "Ich kann nur aus meiner Jugend erzählen. Wir haben mit Bleikugel geschossen, Blei gegossen und das alles ohne Mundschutz. Rückblickend denke ich mir: Gott, was hast du gemacht."
Für ihn sei das A und O bei Schießanlagen eine entsprechende Raum-Belüftung. Denn: Dadurch werden die bleihaltigen Dämpfe entfernt. Doch dies sei in der Vergangenheit oftmals nicht beachtet worden, so Glauber.
Genauso oder sogar gefährlicher als das Schießen sei für ihn die Säuberung der Schießanlagen. "Die bleihaltige Munition zerschlägt sich, der Staub lagert sich ab und wenn es nicht fachmännisch gesäubert wird, ist das ein großes Problem." Fachmännisch bedeutet, dass der Staub nicht gekehrt, sondern abgesaugt wird. Denn andernfalls verteilen sich die Bleireste im Raum.

Worauf ebenfalls geachtet werden sollte, ist, dass die Räume nicht von Jugendlichen, Frauen oder Schwangeren gesäubert werden, so Glauber.
Ebenfalls kritisch seien Rückstände der Verbrennungsmunition - also Pulverreste, die beim Schießen nicht verbrannt werden, sondern durch die Explosion nach außen geraten. "Werden die Ablagerungen nicht entfernt, könnte es zu einem Brand kommen, was in Deutschland bereits passiert ist."


Studie wird kritisch betrachtet

Der Bayerische Sportschützenbund teilte mit, es lasse sich aus den Studien kein belastbarer Zusammenhang zwischen Ausübung des Schießsports und höheren Bleibelastungen der Schützen im Vergleich zu Nichtschützen ableiten.

Der Verband kritisierte zudem, eine der Untersuchungen komme zu "widersprüchlichen Ergebnissen". Zudem mangele es ihr bei der Betrachtung erwachsener Schützen an einer Kontrollgruppe. Die neuen Vorschriften zu Lüftungsanlagen in geschlossenen Schießstätten trügen zudem dem Schutz der Sportler bereits Rechnung. Würden diese beachtet, bestehe keine Gefahr. Und weiter schreibt der Verband in einer Mail: "Der unterstellte Zusammenhang zwischen Ausübung des Schießsports und höheren Bleibelastung der Schützen im Vergleich zu Nichtschützen lässt sich seriöser Weise aus den von Ihnen genannten Arbeiten nicht ableiten."