Bis zum 11. Mai ist im Fränkische-Schweiz-Museum die Sonderausstellung "Genutzt - Abgelegt - Gefunden. Verborgene Schätze aus fränkischen Synagogen" zu sehen. Martina Edelmann vom Kulturmuseum in Veitshöchheim und der Tüchersfelder Museumsleiter Rainer Hofmann haben sie jetzt eröffnet. Die Schau zeigt Dachbodenfunde aus fränkischen Synagogen.
Dazu gehören religiöse Objekte wie Thora-Wimpel und Gebetbücher, aber auch Geschichten, Warenlisten und sogar Strafarbeiten, die Einblicke in den Alltag jüdischer Landgemeinden geben. Vor allem gibt die Ausstellung aber einen Einblick in die Arbeit des Genisa-Projekts im unterfränkischen Veitshöchheim, das erstmals komplett diese wertvollen Zeugnisse jüdischer Kultur in einer wissenschaftlichen Datenbank erfasst und allen Interessierten zur Verfügung steht.

200 jüdische Landgemeinden

Seit 2009 gibt es diese Ausstellung im Kulturmuseum in Veitshöchheim nun schon. Sie macht jetzt Station in Tüchersfeld. Ergänzt wird die Ausstellung mit Exponaten aus der Umgebung.
Über viele Jahrhunderte hat jüdisches Leben die Dörfer und Kleinstädte Frankens geprägt. Seit dem 16. Jahrhundert entstanden in Franken über 200 jüdische Landgemeinden, die in vielen Orten bis zu ihrer Auslöschung durch die Nationalsozialisten bestanden.
Als noch bestehende Zeugnisse jüdischer Geschichte gelten vor allem die Reste ehemaliger, heute baulich veränderter Synagogen oder auch die oft außerhalb einer Ortschaft liegende jüdische Friedhöfe.
Zu den Spuren jüdischen Lebens zählen auch die Genisa-Funde aus Synagogen, wie sie nun im Museum gezeigt werden. Dazu gehört der Bamberger Siddur aus dem 16. Jahrhundert, gefunden in der ehemaligen Synagoge in Dormitz. Es handelt sich dabei um eine kostbare Pergamenthandschrift, die nun erstmals im Fränkische- Schweiz-Museum als Leihgabe der Öffentlichkeit gezeigt werden kann. Darauf ist Museumsleiter Hofmann besonders stolz. Diese Handschrift enthält neben Gebeten auch Liturgien für die hohen Feiertage, religiöse Belehrungen und kabbalistische Abschnitte. "Die Funde aus einer Genisa sind als historisches Quellmaterial unbedingt weiterzubearbeiten und unter verschiedenen Ansätzen zu beachten", sagt Edelmann dazu.
Genisa-Funde spielen bei der Erforschung der Kultur des Judentums in Franken bisher nur eine untergeordnete Rolle, da sie weder zugänglich noch inventarisiert waren. Das haben Edelmann und seine beiden Mitarbeiterinnen Beate Weinhold und Elisabeth Singer-Brehm jetzt aber gemacht. Sie haben die Funde aus Synagogen aus Reckendorf, Altenkunstadt, Lichtenfels, Bayreuth und Dormitz komplett durchgesehen und in der Datenbank erfasst.
Es fanden sich aber nicht nur religiöse Objekte, sondern auch Rechnungen und Quittungen, Briefe an Freunde oder Verwandte, Verlobungs- und Eheverträge und Dokumente zur Ehescheidung. Gerade diese Zeugnisse jüdischen Lebens machen die Tüchersfelder Ausstellung zu einem Ereignis.