Das ehemalige Krankenhaus ist als Baustelle löchrig geworden. Ein eingerüsteter Durchgang am alten Eingang der Klinik öffnet nun den Weg zur Innenseite der Stadtmauer. Wer sich hier durchzwängt, erhält inmitten der Innenstadt einen neuen Blick auf das alte Forchheim. Nach dem Abriss des Schwesternwohnheims ist in der Mitte ein freier Raum halb so groß wie der Rathausplatz entstanden, rechts daneben schmiegt sich die in Wohnhäuser verwandelte ehemalige Artilleriekaserne an die Wiesent.

Am wenigsten fällt ein Halbrund zur Linken auf. Die ringsum begrünte Böschung an der Stadtmauer schließt derzeit Berge von Bauschutt ein. Kein attraktiver Anblick. Und doch: Auf Dieter George übt dieser Ort einen magischen Reiz auf. "Ich brauche wenig Fantasie, um mir hier ein Freilichttheater in Form eines Amphitheaters vorzustellen", erklärt der städtische Kulturreferent.


Platz für 500 Zuschauer



George kann die Sitzplätze am Hang schon vor sich sehen - entweder komplett im Halbkreis mit einer Bühne an der Stirnseite oder nur auf einer Seite mit dem Podium gegenüber. Bis zu 500 Zuschauer könnten hier Platz finden. "Das Abstand zu den Anwohnern ist ausreichend", sagt George und ergänzt, dass freilich "eine Wand als akustische Reflexion und Schallschutz zu erstellen wäre". Elektronische Verstärker sollten hier nicht zum Einsatz kommen. Genutzt werden könnte der neue Veranstaltungsort auch für Freiluft-Lesungen der neuen Stadtbibliothek, die ja im alten Klinikgebäude entsteht.

Einen Namen für das Projekt, das in der vergangenen Woche bei der Veranstaltung zum "Integrierten Stadtentwicklungskonzept" (Isek) vorgestellt wurde, gibt es schon: "Amphiforte". George erklärt: "Der Begriff ist zusammengesetzt aus Amphitheater und Fortifikation, also Festung."


Eine Idee vom OB



So sehr der Kulturreferent begeistert ist von der Vorstellung, ein Amphitheater in die Altstadt zu setzen - die Urheberschaft für die Idee reklamiert er nicht für sich. Diese Ehre gebühre dem Forchheimer Oberbürgermeister Franz Stumpf (WUO/CSU). In der natürlich begrünten Rundung im Knick der Stadtmauer habe der "OB als Freund und Kenner des klassischen Altertums" als Erster die Ähnlichkeiten mit antiken Arenen entdeckt. Bei Ortsterminen habe sich Stumpf schon von Experten bestätigen lassen, dass seine Pläne umsetzbar sind.

Die Theater-Vision steht allerdings nicht allein für sich - das ist Dieter Georg ganz wichtig. Sie ist eingebettet in das Gesamtkonzept von einer "Kulturmeile Forchheimer Festung". Diese soll sich eines Tages erstrecken vom Kasemattenmuseum "Rote Mauer", das im Mai eröffnet wird, über die Kaiserpfalz, den für die öffentliche Nutzung noch zu erschließenden Saltorturm, das Krottental, die Valentini-Bastion und dem möglichen Amphitheater bis zum nördlichen Wasserschloss und der Parkanlage an der Ritter-von-Traitteur-Schule. George bezeichnet den Plan für diese Kulturmeile als "konkrete Utopie".


Ein Langzeitprojekt



Der Wunschtraum sollte seiner Ansicht nach also mit einiger Anstrengung zu realisieren sein. "Wohl aber nicht mehr in meiner Amtszeit", räumt George ein, der noch gut drei Jahre bis zum Ruhestand hat. Aber vielleicht gelingt es dem Kulturreferent bis dahin, das Projekt auf den Weg zu bringen. Der Anfang ist sicher am leichtesten: die Beseitigung der Schuttberge.