von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Kreis Forchheim — Wenn man mit offenen Augen durch die Landschaft geht, kann man viele jagende Greifvögel beobachten und hier und da ein possierliches Tierchen über die Wiesen huschen sehen. Viele Greifvögel bedeutet eben, dass es viele Mäuse gibt.
"Auf den Streuobstwiesen gibt es außerordentlich viele Mauselöcher", sagt Friedrich Oehme vom Bund Naturschutz. Wenn es gute Bedingungen wie den trockenen Sommer gibt, vermehren sich Mäuse eben stark. Natürlich verachten auch diese Nager Leckerbissen nicht. Ob das die Körner von auf Ähre stehendem Getreide sind, die bei der Ernte herabfallen oder heruntergefallenes Obst. "Da hat man nichts dagegen. Aber wenn sie sich an den Wurzeln der Bäume vergehen, dann sterben die Bäume ab", meint Oehme.
Mehrere Landkreise, vor allem in Oberfranken, haben an den Folgen der Mäuseplage zu knabbern. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat deshalb eine befristete Notfallzulassung vom 1. September bis 29. Dezember 2015 umgesetzt, um auch in Bayern die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Feldmaus zu geben, also mit der chemischen Keule gegen die vielen kleinen Nager vorzugehen. "Eine solche Verordnung löst immer eine gewisse Besorgnis hervor, denn es gibt eine Reihe von Beispielen, dass solche Gifte auch andere Organismen schädigen. Vor allem die großflächige Ausbringung macht in diesem Zusammenhang Sorgen", sagt Helmut Schmitt, Vorsitzender der LBV Kreisgruppe Forchheim.


Gift auch gefährlich für Vögel

Grundsätzlich bedeute ein gutes Mäusejahr auch ein gutes Jahr für Mäusebussarde, Füchse und andere Mäusefresser", erklärt Schmitt. Diese natürlichen Feinde hätten durch die vielen Mäuse auch im Winter genügend Futter und das stimmt den Vogelschützer eigentlich zuversichtlich, denn die Natur regle das von sich aus. Auch Falken, Bussarde und die Schleiereule habe sich vermehrt, weiß Oehme. Natürlich vergraben die Mäuse ihre Wintervorräte, die dann duften und durchaus auch Wildschweine anlocken. Diese graben die Wintervorräte aus, mitsamt der Maus. Doch: "Wenn jetzt viele Bauern meinen, zur chemischen Keule greifen zu müssen, bedeutet das auch Gefahr für die Beutegreifer der Mäuse. Durch Gift verendete Mäuse werden oft von Vögeln oder Füchsen gefressen und so kann das Gift auch in den Körper der Beutegreifer kommen", sagt Schmitt, den das sehr nachdenklich stimmt.
Friedrich Oehme plädiert daher, zunächst mit Vergrämungsmethoden gegen die Mäuse vorzugehen. Kleine Lavasteinchen, mit ätherischem Öl getränkt in die Gänge hineinlegen und diese dann zutreten, damit der Duft nach innen wirkt, ist eine Vergrämungsmethode. "Wo man sie nicht haben will, sollte das Gras kurz gehalten sein, damit sie sichtbar für Greifvögel werden", rät Oehme. Gerne stellt der Naturschützer Stangen auf, damit der Beutegreifer diese leichter erwischt. Auch die einfache Methode des Fangens und Wegbringen im landwirtschaftlichen Bereich nennt Oehme als Gegenmaßnahme, ohne gleich chemisch gegen die Nager vorgehen zu müssen. "Wir Menschen sollten nicht immer gleich zum Gift greifen, sondern das Gleichgewicht fördern", appelliert Oehme, denn ein kleiner Verlust gehöre auch dazu. Zudem sollten diese Giftstoffe nicht an der Oberfläche sein.
Das sieht auch Werner Nützel, Geschäftsführer des Bauernverbandes Forchheim. "Es gab schon immer einen Schädlingsbefall. Das Thema ist schon tausend Jahre alt. Aber die Mäuseplage ist hier kein Thema", kann Nützel beruhigen. Er weiß auch, dass professionell vorgegangen werden muss, wenn Mäuse in Massen auftreten. Das wird mit der Lochtretmethode geprüft. Auf einer 250 Quadratmeter großen Fläche werden alle Mauselöcher zugemacht. Wenn nach 24 Stunden 20 oder mehr Löcher wieder offen sind, wird von einem Mäusebefall gesprochen. Im Landkreis Forchheim wurde das anders als in anderen Landkreisen nicht beobachtet. "Das beruhigt mich ungemein", sagt Nützel, der auch von Landwirten noch keine Beschwerden wegen Mäuse erhalten hat. Wachsam werden alle sein.