Einen Hilferuf richtet Roland Kraus, Jagdpächter im Revier Wiesenthau, an Jäger und Landwirte gleichermaßen. Es geht darum, die Wiesen zu kontrollieren, damit grausame Wildverletzungen bei der Mahd verhindert werden. Immer schnellere Landmaschinen und moderne Erntemethoden lassen dem Niederwild kaum eine Überlebenschance. Der Fränkische Tag sprach jetzt mit dem Jagdpächter, BBV-Präsident Hermann Greif und Kreisjagdfachberater Erich Fiedler über dieses Thema.

Tausende Rehkitze, so Kraus, fallen jährlich den Messern der Kreiselmähwerke zum Opfer. Schwerverletzte Tiere sterben dabei einen qualvollen Tod. Mit einer tierschutzgerechten Frühmahd ist es seiner Meinung nach möglich, dem Einhalt zu gebieten. Die erste Grünlandmahd fällt demnach in der Regeln in die Brut- und Setzzeit von Wildtieren. Die Elterntiere, vorwiegend Rehe, führten ihre Jungtiere in den vermeintlich sicheren Schutz des hohen Bewuchses der Wiesen. Dort sind sie kaum zu entdecken. Droht ihnen Gefahr, ducken sie sich mit ihrem natürlichen Instinkt in ihrem Versteck und sind kaum noch auszumachen. Der Kreiselmäher erwischt sie leider trotzdem.

Wildretter können helfen

Diverse Möglichkeiten sind mittlerweile entwickelt worden, um vorbeugend tätig zu werden, meint Kraus. Eine kostengünstige Möglichkeit sei etwa die Vergrämung mit Fladerbändern, mit nächtlich spielenden Kofferradios und Knistertüten, die einen Tag vor dem Mähen in der Wiese aufgestellt werden. Mäht der Landwirt die Flächen von innen nach außen, ermöglicht dies Fasanen und Feldhasen die Flucht während der Mahd.

Damit ist allerdings der Erfolg, alle Jungtiere aus den Flächen zu bringen, immer noch nicht gewährleistet. "Ich habe mir einen sogenannten Wildretter angeschafft, den ich verleihe", nennt Kraus eine weitere Methode. Dabei handelt es sich um eine Art Hupe, die auf den Traktor oder Mäher gestellt wird, und während der Arbeit permanent einen hohen Signalton abgibt. Das Wild soll damit aufgescheucht werden.

Die Landwirte haben Kraus zufolge damit gute Erfahrungen gemacht und nutzen das Gerät rege. Aber: Bei kleinen Rehkitzen hilft auch dieses Gerät nicht. Sie bleiben in ihrer Deckung liegen, machen sich noch kleiner.
Im vernünftigen Umgang zwischen Landwirt und Jäger sieht BBV-Präsident Hermann Greif den bestmöglichen Erfolg. "Wir rufen unsere Jäger einen Tag vor Mahd an und sie durchkämmen die Wiese systematisch. So haben wir dieses Jahr Unfallopfer vermieden", erzählt Greif. Der größte Effekt, so ist er überzeugt, wird erreicht, wenn der Jäger und weitere Personen unmittelbar vor der Mahd gemeinsam durch die Wiesen gehen. Ein gut trainierter Jagdhund, der gehorcht, ist dabei sehr hilfreich.

Die Farbe Blau

So weit, so gut - allerdings bedeutet dies einen hohen personellen Aufwand. Unterstützend sind technische Hilfsmittel hilfreich. Dazu gehört die erwähnte Vergrämung einen Tag vor dem Mähen, so dass die Rehe rechtzeitig am Abend ihr Kleines aus der Wiese wegbringen. Werden Gegenstände wie blaue Flüstertüten, eine Art Vogelscheuchen mit Plastiktüten, länger als einen Tag vorher aufgestellt, verpufft die Wirkung, da sich die Tiere daran gewöhnen. Die Farbe Blau ist übrigens wichtig, da sie in der Natur nicht vorkommt und abschreckend auf das Wild wirken, wie Kreisjagdfachberater Erich Fiedler erläutert. "Jäger und Landwirte haben ein gemeinsames Interesse. Es ist überhaupt nicht lustig, wenn ein Reh verletzt wird", sagt Greif.

Es gebe leider keine Statistik zum Erfolg der Prävention, ergänzt Kreisjagdfachberater Erich Fiedler. Als besondere Herausforderung sieht er den Einsatz der Lohnunternehmer. Oft weiß der Landwirt nicht genau, wann dieser wirklich mit seinem schweren Gerät zum Einsatz eintrifft, was den zeitlich richtigen Einsatz der geschilderten vorbeugenden Methoden sehr erschwert. Dazu kommen diese Unternehmen oft mit Maschinen von über zehn Metern Mähbreiten, die mit hoher Geschwindigkeit arbeiten. Da, so Fiedler, haben dann weder Fuchs, noch Hase, noch Reh eine Chance, zu entkommen.

Miteinander reden

Die drei Gesprächspartner verweisen auch auf ein Gesetz, das den Landwirt zum Tierschutz und vorbeugenden Maßnahmen verpflichtet. Die Botschaft von Kraus, Greif und Fiedler: Kommunikation und enge Zusammenarbeit helfen am besten. Begriffe, die sich im Laufe der Gespräche immer wieder wiederholen. Und: Es gibt diverse Methoden und dennoch keine absolute Sicherheit, wie die Gespräche zeigen. Jedes verletzte oder getötete Tier ist jedoch eines zu viel.