Mittwochabend in der Buchhandlung Fränkische Schweiz: Noch nach Ladenschluss tummeln sich im hell erleuchteten Innenraum viele Besucher, die in Kleingruppen angeregt miteinander diskutieren und es sich schließlich auf der ausreichend vorhandenen Bestuhlung bequem machen.
Horst Eckert, gegenwärtig einer der bekanntesten Krimiautoren Deutschlands, liest an diesem Abend aus seinem neuesten Werk ,,Wolfsspinne", das nach ,,Schwarzlicht" und ,,Schattenboxer" den nunmehr dritten Band in der Reihe ,,Vincent Veih ermittelt" bildet.

Eckert widmet sich in seinem spannenden Politthriller einem so aktuellen wie hochbrisanten Thema: der Mordserie an neun türkisch- und griechischstämmigen Migranten sowie einer Polizistin, die Deutschland von 2000 bis zum Jahr 2006 erschütterte und für die erst 2011 der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) haftbar gemacht werden konnte. Entsprechend gespannt war das Ebermannstadter Publikum an diesem Abend. Das Ehepaar Rauch beispielsweise besucht öfter Lesungen in der Buchhandlung, um sich auf diesem Weg umfangreich über ein Buch zu informieren, das man später zu kaufen beabsichtigt. Auch Gertraud Walter ist ein Fan des gedruckten Buches und liebt besonders Krimis.


Agile Körpersprache

Nach der offiziellen Begrüßung durch den Geschäftsführer der Buchhandlung Wolf Sander ruft Horst Eckert seinem Publikum zunächst das Ausmaß der Taten und einige Schlaglichter der Aufklärungsarbeit durch Polizei, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft in Erinnerung.

Deutlich wurde dabei vor allem, dass der Schwerpunkt seines schriftstellerischen Interesses vor allem auf dem ,,Wie" der Aufklärung liegt. Seinen mit ruhiger und sonorer Stimme vorgetragenen Ausführungen sucht er dabei mit sehr agiler Körpersprache Nachdruck zu verleihen. Die dabei eingesetzten gestikulierenden Arme sind vielleicht auch Spiegelbild einer inneren Aufgebrachtheit. Nach eigenem Bekunden war es die ungeheure ",Monstrosität der Taten und des politischen Hintergrundes", die ihn zum Schreiben des Krimis veranlasst hätten.
Detailliert setzte Eckert seine Zuhörer über die Vielzahl der in seinen Augen vorhandenen Ungereimtheiten und Widersprüchlichkeiten in Kenntnis, die sich bei der Aufklärung der Mordserie ergeben haben.

Der erste Teil der Lesung fokussiert die Ereignisse in Eisenach ab dem 4. November 2011. In einem Wohnwagen werden die Leichen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gefunden. Selbstmord, so die offizielle Theorie.
Horst Eckert setzt in seinem Politthriller an dieser Stelle an und erzählt die Geschichte eines dritten Mannes, des V-Mannes Ronny Vogt, der die beiden Männer, die im Buch andere Namen tragen, erschießt. Fiktion und Wirklichkeit werden dabei äußerst gekonnt und spannend miteinander verwoben.

Im Laufe des Abends wird deutlich, dass Horst Eckert ein fundiertes Wissen rund um den historischen Fall der NSU-Mordserie verfügt. Dies bestätigen auch interessierte Rückfragen aus dem Publikum zu seinen Recherchemethoden. Die Kernfrage am Ende der Lesung lautet jedoch: Was ist Realität, was ist Fiktion im Roman ,,Wolfsspinne"? Der Autor betont, dass er kein Sachbuch über den NSU schreiben wollte und auch keine eigene Beweisführung beabsichtigt. Er versuche vielmehr, mit "schriftstellerischen Mitteln "der Wahrheit nahezukommen".