Wenige Wochen, nachdem Helge Höppner die Leitung im Jugendhaus übernommen hatte, bekam er Besuch von vier Stadträten. Das war im September 2010. Rückblickend kommt dem 39-jährigen Diplomsozialpädagogen dieser Besuch wie ein Schlüsselerlebnis vor: Die Räte hatten ihn gefragt, welche "Angebote" er denn nun im Jugendhaus machen werde. Und Höppner hatte begonnen, laut über den Begriff "Offene Jugendarbeit" nachzudenken. Irgendwie scheinen ihn die Stadträte nicht verstanden zu haben, erinnert sich Höppner. Immer wieder hätten sie ihn gefragt, welche Angebote er den Forchheimer Jugendlichen denn nun machen wolle.

"Offene Jugendarbeit", sagt der Pädagoge, "heißt ja gerade so, weil sie offen ist, weil sie Raum für Entwicklung geben will." Die Arbeit im Jugendhaus sei "ich hohem Maße bestimmt durch die Besucher selbst".
Diese Botschaft scheint bei der Politik und in der Verwaltung nicht so recht angekommen zu sein, resümiert Höppner. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. "Schade, ich wäre gerne geblieben."

Dieser Abgang passt für Annette Prechtel in das Bild der Forchheimer Jugendarbeit. Im Januar habe Jugendpfleger Johannes Mann "das Handtuch geschmissen", erinnert die FGL-Stadträtin - "und der Bericht über die Hintergründe steht bis heute aus". Höppners Arbeit könne sie nicht einschätzen, sagt Prechtel; eine Debatte über die Jugendarbeit werde "leider nicht geführt, die Jugendarbeit wird vom Oberbürgermeister nicht gewichtig genug genommen".


Schon wieder ein Neuanfang



Der fraktionslose Stadtrat Peter Kaiser sagt, er könne "nicht beurteilen", warum Höppner ab 1. September die Leitung im Jugendhaus abgeben muss. Vor zwei Jahren sei mit ihm ein Neuanfang gemacht worden. "Jetzt schon wieder ein Neuanfang?", fragt Kaiser verwundert und spekuliert, "ob die zuständige Stelle bei der Stadt Forchheim richtig besetzt ist".

Bei der Stadt ist über die Hintergründe zum Fall Höppner wenig zu erfahren. Gabriele Obenauf, die Chefin im Amt für Jugend, Bildung, Sport und Soziales, sagt, dass eine "Umstrukturierung" geplant sei: "Wir versuchen einen Neuanfang." Mehr Kontinuität sei gefragt, sagt die Amtsleiterin. Zwei neue Sozialpädagogen werde es geben, jeder mit einem 30-Stunden-Vertrag. So könne das Haus in der Kasernstraße regelmäßiger mit einem Pädagogen besetzt werden. "Nicht äußern" will sich Obenauf zur Personalentscheidung Höppner. Nur soviel: "Wir denken, dass es nötig war."

Und worin soll nun der Neuanfang bestehen, außer in veränderten Öffnungszeiten? Gabriele Obenauf spricht von einer "verstärkten Kooperation des Jugendhauses mit anderen Trägern"; von einer "Anknüpfungen mit anderen Gruppen". Höppners Kollegin, die Erzieherin Jutta Dafner, möchte zu einem Neuanfang "nichts sagen". Sie ist seit fünf Jahren im Jugendhaus beschäftigt. Der Neuanfang wird ohne Jutta Dafner stattfinden. Die Erzieherin wird künftig in der städtischen Kindergartenarbeit tätig sein.


Neuer Führungsstil



Helge Höppner sagt von sich, er habe "im Jugendhaus aufgeräumt". Dabei hat er sich beispielsweise gezielt für eine "vielfältige Altersstruktur" eingesetzt. Sein Vorgänger habe vergleichsweise eher einen Laissez-faire-Fürungsstil gepflegt, meint der 39-Jährige: "Die Folge war, dass es wenig Besucherströme im Jugendhaus gab."
Höppner nimmt für sich in Anspruch, einer "Kerngruppe von Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren" das Jugendhaus erst zugänglich gemacht zu haben. Ein gutes halbes Jahr habe das gedauert; seitdem sei "die kulturelle Herkunft und der Bildungshintergrund der Besucher weiter gefächert".

Bei dieser Neustrukturierung habe er sich "geradlinig" verhalten und sei wohl auch manchen Gruppen "auf die Füße getreten". Prominentestes Beispiel: die Musikinitiative Megafon. "Die machen eine tolle Arbeit", betont Höppner, aber es sei eben nicht "der Kernbereich" seines Konzeptes gewesen, "diese Gruppe zu fördern". Daher hätten die Megafon-Leute ihn "als Leiter nicht akzeptiert".

Und so hat der gebürtige Frankfurter auch in Forchheim erlebt, was ihm wiederholt unterkam, seitdem er als Zehnjähriger aus der hessischen Großstadt nach Bayern kam. "Immer wieder begegne ich Menschen, die einen mit wenigen Informationen und vielen Vorurteilen abstempeln." Von Anfang an hätten "Politiker, Passanten oder Verwaltungsmitarbeiter" versucht, zu sagen, "wie es zu machen wäre" - ohne im Detail Bescheid zu wissen.
Die Jugendarbeit sei eben nicht ohne Weiteres messbar oder statistisch darstellbar. Beispiel Auslastung: Manchmal sei das Jugendhaus leer, dann plötzlich tummeln sich dort wieder 60 Jugendliche gleichzeitig. "Fakt ist, dass die Einrichtung einen hohen Bekanntheitsgrad in Forchheim hat", sagt Höppner. "Rund 400 Jugendlichen ist die Einrichtung ein Begriff", das lasse sich durch Facebook-Einträge belegen. Für viele, die regelmäßig kämen, sei das Jugendhaus wie ein Wohnzimmer. "Und für viele ist es auch Ersatz für die Familie", ist Höppner überzeugt.