Alles schien so schön zu sein - man glaubte schon die Glocken läuten zu hören. Doch wer dachte, der Weg wäre frei für die "Hochzeit" zwischen der Volksbank Forchheim und der VR-Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach (EHH), der hatte sich getäuscht. Die Fusionsgespräche sind abgebrochen worden. Darüber unterrichtete der Vorstandsvorsitzende der Forchheimer Volksbank, Gregor Scheller, jetzt in einem Pressegespräch und verhehlte dabei nicht: "Das kam relativ überraschend".

Um beim Hochzeitsbild zu bleiben: selbst der Name des neuen Paares war schon geboren - Volksbank Raiffeisenbank Franken Mitte hätte das junge Glück heißen sollen. "Die Vision war es, eine neue zukunftsträchtige und wettbewerbsstarke Genossenschaftsbank im Herzen Frankens zu schaffen", erklärt Gregor Scheller. Das sollte eine Antwort sein auf die aktuellen Entwicklungen im Bankengewerbe - mit den Herausforderungen der Digitalisierung, des demographischen Wandels, der zunehmenden Regulatorik und des niedrigen Zinsniveaus, das die Ertragslage der Banken belastet. Vor diesem Hintergrund und der Erfahrung aus zahlreichen Fusionen beider Häuser seit Beginn der 90er Jahre, so erläutert Gregor Scheller, sei es Ansporn gewesen, zu Beginn des Jahres Gespräche miteinander aufzunehmen mit dem Ziel eine neue Genossenschaftsbank zu entwickeln. "Zwei leistungsstarke Partner haben sich auf Augenhöhe dieser herausfordernden Aufgabe angenommen", so Gregor Scheller.


Gewinnbringende Perspektiven

Die gemeinsame Bank hätte eine Bilanzsumme von 2,1 Milliarden Euro und ein Geschäftsgebiet mit 300 000 Einwohner aufgewiesen. Zirka 500 Mitarbeiter hätten nahezu 120 000 Kunden betreut. Und der neue Vorstand hätte sich zusammengesetzt aus drei Forchheimer Köpfen ( Gregor Scheller als Vorstandsvorsitzendem, Alexander Brehm und Joachim Hausner) sowie zwei Erlanger "Häuptlingen" (Johannes Hofmann als Vize-Vorstandsvorsitzendem und Hans-Peter Lechner).

"Hätte, hätte - Fahrradkette", würde wohl Peer Steinbrück dazu sagen. Die Erlanger Volksbank-Genossen jedenfalls sagten im letzten Moment "Stopp" zu den von ihnen eigentlich initiierten Fusionsgesprächen.


Unterschiedliche Philosophien

Gregor Scheller zeigt sich verwundert: "Überraschend erklärten am 17. Dezember die Vorstände der VR-Bank EHH, Hofmann und Lechner, dass sie unter den aktuell erkennbaren unterschiedlichen Strukturen der beiden Banken eine erfolgreiche Umsetzung der ursprünglichen Vision für nicht vorstellbar halten".

Von unserer Zeitung genauer nach den Hintergründen befragt, erklärt VR-Vorstandsmitglied Hans-Peter Lechner: "Die beiden Philosophien der Häuser konnten nicht zusammengeführt werden". Jedes Haus sei erfolgreich, aber in eine gemeinsame Bank würden nicht zwei Konzeptionen passen. "Wir sind eine Mainstream-Bank", formuliert Lechner, "die Forchheimer sind sehr individuell aufgestellt". Lechner nennt vor allem drei Punkte, an denen es gescheitert sei: unüberbrückbare Unterschiede der Kreditrisiko-Strategien, der Eigenanlagestrategie (welche Wertpapiere kauft man) und der Aufbauorganisation der Gesamtbank. Letzteres erklärt Lechner damit, dass Erlangen eine sehr ausgeprägte zweite Führungsebene habe.

Forchheims Volksbank-Chef Gregor Scheller indes betont: "Wir haben eine schlankere Hierarchie". "Wir bedauern den Abbruch der Gespräche. Aber für uns geht damit die genossenschaftliche Welt nicht unter!", erklärt Gregor Scheller. Und wie nehmen die Mitarbeiter die Nachricht des Scheiterns der Fusion auf? Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Häusern: "Insbesondere unsere jüngeren Mitarbeiter bedauern das", berichtet Joachim Hauser von der Volksbank Forchheim. Die VR-Bank EHH indes lässt verlauten: "In der Belegschaft ist eher eine Erleichterung spürbar".