Auch wenn die Früchte im Einweckglas versteckt sind, schon beim Anblick läuft einem das Wasser im Munde zusammen. In mindestens 100 Gläsern konserviert Birgit Greif Obst, und zwar die Früchte, die sie selbst anbaut. Daneben stehen Einleggurken, die kleinen würzigen, mit Gurkenessig eingekochten Beilagen zur Brotzeit. Sauerkraut wird ebenfalls im Fass haltbar gemacht.

Im Hause Greif ist das Anlegen von Vorräten schon immer üblich. "Die Landwirte sind seit Generationen eher konservativ und gehen immer auf Vorrat für die eigene Familie. Für mindestens ein bis zwei Wochen könnte jeder Landwirt autark leben", weiß Werner Nützel, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands Forchheim.
Damit ist aber nicht nur viel Arbeit verbunden. Man braucht geeignete Lagermöglichkeiten. "Viele Keller eignen sich nicht, um Äpfel aufzuheben oder Kartoffeln einzulagern", sagt Greif. Der geeignete Keller muss kühl und dunkel sein, damit die Äpfel oder die Kartoffeln nicht faulen, treiben oder grün werden. Ein altes Sprichwort aus der Zeit hat sich bis heute bei den Landwirten gehalten. "Eigener Herd ist Goldes wert", nennt Nützel das Sprichwort, das den Nagel auf den Kopf trifft, wenn es zu einem Notfall käme. Die älteren Leute, die den Krieg noch erlebt haben, kennen das nur zu gut. "Wenn die Städter kamen, wurde getauscht. Schmuck gegen Fleisch", nennt Nützel ein Beispiel.


"... kennen die Leute nicht mehr"

Auch der Forchheimer Matthäus Endreß aus Serlbach erinnert sich an die Städter, die mit Rucksäcken zum Schachern kamen. Bauholz wurde beispielsweise gegeben, um ein Stück Dörrfleisch zu erhalten. Die Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten gingen mit Säcken die abgeernteten Getreidefelder durch, um liegen gelassene Ähren aufzuheben und diese dreschen zu lassen, in der Hoffnung, dass es für die Herstellung eines Brotes reicht, erinnert sich Endreß. "Flurwächter waren von der Stadt Forchheim angestellt worden, die im Wald und auf den Feldern aufgepasst haben, damit nichts gestohlen wurde", erinnert sich Endreß. Wer doch vor lauter Hunger geklaut hatte, wurde ermahnt. "Man musste beide Seiten sehen", erklärt Endreß. Den Diebstahl und den Hunger.

Seine Frau weckt noch immer Obst und Gemüse ein, kocht Marmelade und gefriert portionsweise Suppengrün ein. "Das kennen und können die jungen Leute fast nicht mehr", ist sich Endreß sicher. Früher kamen die Menschen noch, um Kirschen zum Einwecken zu kaufen. Bis zu den Wohlstandsjahren in den 60ern. "Heute können die Leute alles in Dosen kaufen, den Nachfolgern der Einmachzeit", bezeichnet Endreß die Konserven.


Keine Speisekammern

Tatsächlich ist die Zahl der Kleinhaushalte gestiegen, viele Wohnungen haben keine Speisekammer und die Häuser entweder keinen oder einen ungeeigneten Keller. Ob es daran liegt oder die Menschen die Pläne der Bundesregierung eher als Panikmache betrachten - ein völlig verändertes Einkaufsverhalten ist in den Supermärkten nicht zu beobachten.

Den etwas stärkeren Absatz von Zucker oder Mehl mit dem Aufruf in Verbindung zu bringen, wäre für Ringo Sauer, den Bereichsleiter Food und Non Food im Globus spekulativ. "Von dem ganzen Thema merken wir noch nichts", sagt Sauer, der auch nicht glaubt, dass es hier ankommt. Auch im Ebermannstädter Rewe-Markt ist nichts Ungewöhnliches beobachtet worden. Im Notfall wäre der Markt schneller leer, meint Sauer. Doch das würde in Forchheim 46 Warenhäuser treffen. Innerhalb von drei Tagen würde die Ware wieder aufgefüllt sein.
Selbst die Landwirte bevorraten nicht mehr in den Mengen und Umfang wie früher. Da hatte jeder Landwirt Schweine, Kühe, Enten und Gänse. Hatte damit Federn fürs Bett, die Weihnachtsgans und den Sonntagsbraten. Aus der Milch wurde selbst Butter hergestellt und das Obst für die Marmelade kam aus dem Garten. Oft gehörten auch Bienen dazu und Honig fehlte somit auch nicht. Im Winter gab es Schwarzwurzeln zu essen. In gemeinschaftlichen Backöfen wurde Brot gebacken, im Rhythmus von drei bis vier Wochen. Das war dann zwar hart geworden, aber noch essbar.


Autarkes Leben ist unbekannt

Erst in den 60ern kamen die Gefrierhäuser in den Dörfern an. Jedes Haus hatte in dem Gefrierhaus ein Gefrierfach. Erst mit der Modernisierung und demzufolge der Spezialisierung der Landwirtschaft hat sich dieses komplett autarke Leben auch verändert. Dennoch: "Einen kleinen Vorrat zu haben, ist nicht das Schlechteste", findet Werner Nützel.