Die einen fürchten um ihre Tomaten, die anderen um Ruhe und Ordnung rund um die Kleingartenanlage Sonnenbad - und auch Ärger über den Umgang mit Steuergeldern macht sich Luft . Die Stimmung in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Vereinsgaststätte ist gereizt, als sich über 50 Anwohner über die Pläne informieren lassen, das Hotel "Easy" in der Friedrich-v.-Schletz Straße in ein Kinder- und Jugendhaus für 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder umzuwandeln. Doch schon am nächsten Tag nimmt das Vorhaben ein überraschende Wende: Der Hotel-Besitzer will sein Haus offensichtlich nicht mehr verkaufen. "Der Notartermin ist abgesagt worden", teilt Ralph Wnendt unserer Zeitung mit.Er ist Bereichsleiter des Jugendhilfeträgers "ForJu", der das Haus für Flüchtlingskinder erwerben und betreiben wollte.


Akzeptanz durch Aufklärung

Also war es umsonst, das Bemühen von KreisjugendamtsleiterinnDagmar May durch Aufklärung bei den Bürgern Akzeptanz zu erreichen? Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WuO) hat als Moderator der Informationsveranstaltung jedenfalls gleich zu Beginn ein Zeichen der Bürgernähe gesetzt, als er den Anwohnern erklärt:" Wir wollen, dass Sie als erste von den Planungen erfahren und auch Einwände geltend machen können". Der OB verhehlt nicht, dass die Vielzahl von Flüchtlingen, die ins Land strömen, problematisch sei. Gleichwohl nimmt er engagiert Stellung für eine Aufnahme. Als praktizierender Katholik verweist Stumpf darauf, dass das Christentum mit der Herbergssuche begonnen habe: "Daher sollten wir helfen, wenn jemand in Not ist."


Erinnerung an eigene Jugend

Stumpf bittet die Bürger darum, sich an die eigene Jugend zu erinnern, die wohl vergleichsweise "wohlbehütet" verlaufen sei und appelliert an das Verständnis gegenüber Jugendlichen, die sich mutterseelenalleine durchgeschlagen hätten, um ihr Leben zu retten. Und Stumpf betont immer wieder, dass kein normales Asylbewerberheim entstehen solle, sondern ein Jugendhaus, in dem die Minderjährigen rund um die Uhr von pädagogischem Personal betreut werden. Dies unterstreicht auch Jugendamtsleiterin Dagmar May, deren Behörde für unbegleitete Flüchtlingskinder zuständig ist. Man sei verpflichtet 103 unbegleitete unterzubringen, erklärt Dagmar May. In Kirchehrenbach und Ebermannstadt habe man bereits zwei Notquartiere und sei gezwungen weitere Unterbringungsmöglichkeiten bereit zu stellen. Mit "ForJu" habe man einen anerkannten Träger gefunden der schon in Bamberg Jugendhäuser unterhalte.

Auf die Frage von Anwohnern, wie viele Betreuer für die 30 Jugendlichen, die nach Forchheim kommen sollen, zuständig seien, sagt er: Die Zahl der Jugendlichen könne man halbieren, dann habe man den Betreuerschlüssel. Aber auch dies kann den Unmut einiger Anwohner nicht beschwichtigen - im Gegenteil: "Bei uns gibt es auch bedürftige Kinder, wer kümmert sich um die?", ruft eine Frau dazwischen. Ein Mann mit aggressiven Gesichtszügen. verlangt in barschem Ton Auskunft darüber, zu welchem Preis das Hotel verkauft werde. Oberbürgermeister Franz Stumpf hält entgegen, dass nichts öffentlich finanziert werde. Was zwischen dem Eigentümer und der Betreibergesellschaft ablaufe, dies gehe die Öffentlichkeit nichts an. "Für mich wäre die wichtigere Frage", so versuchte der OB zur Sachlichkeit zurückzuführen, "an wen kann man sich wenden, wenn's mal Ärger mit den Bewohnern gibt." Den Anwohnern wird versichert, dass es eine Bereitschaftsdienst-Nummer gebe, unter der die Dienst habenden Betreuer im Hause stets erreichbar seien.

Skepsis unter den Zuhörern kommt auf, als ein Anwohner fragt, ob es sein könne, dass in das Haus plötzlich nicht mehr Jugendliche kämen, sondern Erwachsene - und von den Betreibern die Antwort erhält: Es sei natürlich möglich, dass eine Betriebserlaubnis gekündigt werden könne.

Als der Fragesteller nochmals nachhakt und konkret wissen will, ob die Betreibergesellschaft "die Hütte" auch verkaufen könne und jemand anderes erwachsene Asylbewerber rein setzt, gibt Ralph Wnendt von "ForJu" unverblümt zu: "Ja".Da weiß der Bereichsleiter noch nicht, dass der Hotelbesitzer schon am nächsten Tag sein Verkaufsangebot zurückziehen wird.


Wütender Hotelbesitzer

Inhaber Sergio Bia reagiert wütend, als sich unsere Zeitung nach den Gründen erkundigt: "Ich habe den Behörden verboten eine Versammlung abzuhalten, so lange ich Inhaber diese Hotels bin", zürnt er. Schon durch die Ankündigung habe er hohen Schaden erlitten - "es kommen keine Kunden mehr".