Nein, eine offizielle Abschiedsfeier wollte Hans Weisel (BGW) eigentlich nicht. Und doch konnte er sich als scheidender Bürgermeister der Gemeinde Wiesenthau einem Wunsch seiner gemeindlichen Mitarbeiter nicht ganz verschließen. Weisel machte aus gesundheitlichen Gründen seinem Nachfolger Bernd Drummer (BGW) Platz, den die Wähler der Gemeinde mit überwältigender Mehrheit ins Amt beriefen.

Drummer hielt auch die Laudatio im Sportheim der DJK-FC Schlaifhausen. Gleich eingangs stimmten die Kleinsten aus dem Kindergarten treffend "Ich bin a Dorfkind" an. Heimatverbunden, wie es Hans Weisel immer war und ist, sollte es schon ein "fränkisches Liedla" sein, wie Kindergartenleiterin Hildegard Krolopper sagte.


Zwölf Jahre Bürgermeister


Drummer reflektierte das lange Wirken Weisels für die Kommune. 18 Jahre Gemeinderat, davon sechs Jahre als Zweiter Bürgermeister und seit 2002 zwölf Jahre Bürgermeister sprechen eine deutliche Sprache. Weisel sei hilfsbereit, fleißig, sparsam, familiär, emotional, begeisterungsfähig, aber auch streng und aufbrausend gewesen. Es gab viele Attribute für ihn.

In den letzten Jahren hielt er jährlich an die 60 Trauungen. Weisel hinterlässt ein geordnetes Haus, vor allem eine schuldenfreie Gemeinde. An Investitionen sparte der Gemeinderat nicht. Dabei zeigte sich die sparsame Gemeinde großzügig bei der eben abgeschlossenen Kirchenrenovierung.

Wie ein roter Faden zog sich die Pflege von Kindertagesstätte mit neuen Anlagen und einer Vorzeigeschule durch die Jahre. Schulleiterin Ulrike Kratz war mit dem Schülerchor angetreten. Für den Elternbeirat taten es Cornelia Siebenhaar, Christine Niemeyer und Tanja Schütz, für die Mittagsbetreuung Helga Drummer.

"Für die Kinder sind wir immer da, sie sind unsere Zukunft", betont Weisel. Ohne Kindergarten und Schule würde ein Dorf sterben. "Früher haben am Dorfweiher 25 Kinder gespielt, heute sieht man keines mehr", stellt er mit Sorge fest. Die Kinderzahl sei stark rückläufig. Umso wichtiger sieht er die Ansiedlung junger Familien.

"Ich war nie nachtragend, sage offen meine Meinung", beurteilt sich Weisel selbst. 800 000 Euro Schulden habe man in zwölf Jahren abgebaut, 2,5 Millionen Euro für Infrastruktur investiert, die Vereine gefördert. Bei aller Anstrengung weiß Weisel: Allen kann man es nie Recht machen. Weisel freut sich, mit Roland Meixner nach langen Bemühungen für Schlaifhausen einen Feuerwehr-Kommandanten gefunden zu haben.
Das Thema neues Bauland in Wiesenthau und Schlaifhausen oder den Wirtschafts- und Radweg nach Kirchehrenbach versteht er als wichtige Ziele in naher Zukunft.

Landrat Hermann Ulm (CSU) sah sich in einer Zwitterstellung. Gekommen ist er als Landrat, gedankt hat er Weisel für die gemeinsame Zeit als Bürgermeister- und früherer Berufskollege. Konsequenz und Gerechtigkeit habe ihn als guter Pädagoge ausgezeichnet. "Wir hatten beide unser Büro in der VG Gosberg, du hast mich oft, da ich nur ein kleines Auto fuhr, auf längeren Dienstreisen mitgenommen", dankte Ulm.

Ein Bilderbuch über zwölf Jahre in der Gemeinde demonstrierte die Geschichte. Der Zweite Bürgermeister Hans Schütz (FW) hatte das Material zusammengetragen. Drummer überreichte außerdem das seltene Bild mit Hans Weisel und der Amtskette an seinem Arbeitsplatz.

Für die Verwaltung in Gosberg dankte Geschäftsleiter Karl Heinz Dittrich für zwölf Jahre gute Zusammenarbeit. Er lud Weisel ins VG-Gebäude ein: Schließlich sei es der Wunsch der Verwaltung, ihn dort zu verabschieden. Den unterhaltsamen musikalischen Rahmen auf dem Akkordeon lieferte Erich Knapp, Wiesenthau.