Bereits um 8 Uhr morgens steht Gastwirt Stefan Kammermayer in der Küche, um das Essen für seine ersten Gäste zuzubereiten. Die kommen aber - altersbedingt - nicht zu ihm in die Gaststube. Deshalb bringt der 30-Jährige das Essen zu den kleinen Gästen in den nahe gelegenen Kindergarten.
Auch die Schüler in der Mittagsbetreuung bekommen das Essen von Küchenmeister Stefan Kammermayer, der im Bratwurststüberl in Lauf sein Handwerk gelernt und durch Auslandsaufenthalte in Amerika, der Schweiz und Österreich sein Können perfektioniert hat. "Wir achten auf gesunde Kost, auf ausgewogene Ernährung, die den Kindern schmeckt", verspricht Stefan Kammermayer.

1422 erstmals erwähnt

Das Gasthaus "Zum Grünen Baum", ein markantes Sandsteingebäude, das 1422 als "Bauernhof mit Brau- und Schenkstatt eines Herrensitzleins des Nürnberger Egidienklosters" erstmals erwähnt wird, führt er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Manuela seit drei Jahren. Seine Eltern Alfred und Hannelore hatten das Anwesen von der kinderlosen Tante Margarete Eck geerbt, die das Haus zusammen mit ihrem Mann, dem Metzger Hans Eck, betrieben hatte.

Auferstanden aus Ruinen

"Allerdings war das Haus in einem erbärmlichen Zustand", klagt Senior Alfred Kammermayer, vor seiner Pensionierung Berufsfeuerwehrmann war. Dennoch entschloss sich die Familie, die Gastwirtschaft zu sanieren. Schließlich ist das Anwesen in seiner Geschichte schon mehrfach aus Ruinen wieder auferstanden, denn im Laufe der Jahrhunderte ist der Hof mehrfach abgebrannt. 1866 kaufte die Familie Eck das Gasthaus und betrieb es über mehrere Generationen.
Das jetzige Sandsteingebäude stammt aus dem Jahr 1740, weiß Alfred Kammermayer, der fünf Jahre lang mitgeholfen hat, das historische Gebäude den heutigen Anforderungen in punkto Denkmal- und Brandschutz anzupassen. "Wir wollten so viel wie möglich selber Hand anlegen", erklärt Alfred Kammermayer. Anders wäre die Mammutaufgabe nicht zu schaffen gewesen.
Heute gibt eine Bilderschau auf Monitoren im Sanitärbereich des Hauses einen Einblick in die Fülle der Arbeiten. "Hier haben wir das Fachwerk wieder frei gelegt, den Anbau haben wir abgebrochen und im Obergeschoss haben wir den früheren Saal neu entstehen lassen. "Damit haben wir dem Haus seine Seele zurückgegeben", findet Alfred Kammermayer, denn irgendwann war der Tanzsaal in eine Wohnung verwandelt worden.
"Ich würde es wieder tun", bekennen Vater und Sohn einmütig. "Wir haben so viel an Charme und Flair gewonnen", ist sich die Familie Kammermayer einig. Beispielsweise die Holzbohlendecke aus dem frühen 18. Jahrhundert oder die nur 1,82 Meter hohen Toilettentüren im Obergeschoss, vor allem aber die Kellergewölbe aus dem 15. Jahrhundert, der älteste Teil des Anwesens.

Aushängeschild für den Ort

Wo einst Bierfässer lagerten, ist heute Platz für bis zu 80 Personen, die in drei, durch Rundbögen verbundenen Räumen feiern können. In einer kleinen Nische gibt es Platz für romantische Zweisamkeit. Dieses Gewölbe wurde entdeckt, als ein mit Ziegeln vermauertes Fenster freigelegt werden sollte und zunächst nur einen mit Schutt verfüllten Hohlraum offenbarte.
So sind die Dormitzer froh, wieder ein Wirtshaus im Ort zu haben, noch dazu eines, das als Aushängeschild dient. "Es ist unser Wirtshaus", betonen beispielsweise die Mitglieder des Gesangvereins, die in den "Grünen Baum" zu Wirtshaussingen einladen.
Auch die Feuerwehrler kommen nach den Übungen auf ein Feierabendbier in die Traditionsgaststätte. Stefan Kammermayer legt aber nicht die Hände in den Schoß und wartet, bis Gäste kommen. Er schafft Anlässe, die Publikum anziehen. Dazu zählen das monatliche Schaschlik-Essen, Grill- und Steak-Abende oder Faschingsbälle.
Stefan Kammermayer kocht "fränkisch raffiniert". Er verwendet ausschließlich regionale Produkte aus Dormitz, Heroldsbach oder dem Knoblauchsland und kennt jeden seiner Lieferanten persönlich. Zu seinen Spezialitäten zählen die "geschmorten Ochsenbäckchen" oder Mini-Schäuferla. "Große schaffen die Gäste oft nicht", erklärt der Küchenchef, der besonderen Wert darauf legt, dass das Fleisch frisch aus der Schlachtung kommt.
Die Desserts verfeinert er mit Honig aus der Imkerei seines Vaters. "Bei mir kommen nur Sachen auf denn Tisch, die ich auch selber essen würde", verspricht Kammermayer. der zu den 16 Gastronomen gehört, die im "Gscheitgut"-Kochbuch Profi-Tipps zum Nachkochen geben. Das macht Appetit.